Wir steiger(te)n das Hockey-Sozialprodukt…

Es gibt Staatsknete für die DEL. So wenig, das in der DEL Konflikte drohen.

Das deutsche Eishockey hatte auf Signale aus der Politik gewartet, die das jähe Corona-Ende abmildern. Es hat sie bekommen. Unterklassige Ligen dürfte es freuen, die oberste Eishockey-Liga erlebt in diesen späten Frühjahrstagen dagegen ein sportpolitisches Debakel.

Als es mit Corona heftig wurde und im März der Hammer fiel, war die Deutsche Eishockey Liga (DEL) fast schon sowas wie der ideelle Krisengewinner. Als erste große Liga brach sie ihre Spielzeit ab, anders als die Fußball-Bundesliga zuckte sie nicht herum wie ein Aal an der frischen Luft.

Anfangs noch die Aussicht auf Krisengewinn

Liga-Chef Gernot Tripcke und die Vertreter der 14 Klubs konnten mit gutem Gewissen eine Spielzeit abbrechen, sich verantwortungsvoll wie kooperativ zeigen und aus PR-Sicht gesellschaftlich punkten. Gut, nun hatte es die Liga auch vergleichsweise einfach – die Hauptrunde war durch, die Europapokal-Teilnehmer konnten ermittelt werden, einen Absteiger gab es nicht, lediglich die Play-offs mussten abgesagt werden. Das schmerzte die teilnehmenden Vereine, aber offiziell sieht ein DEL-Etat die Schlussrunde ohnehin nur als zusätzliche Einnahme, geplant werden soll rein mit dem Geld, das in der Hauptrunde verdient wird. Zwar bezifferte Tripcke die Einnahmeausfälle auf 20 Millionen Euro, dennoch sagte beispielsweise DEG-Geschäftsführer Stefan Adam, dass sein Klub das abgelaufene Geschäftsjahr (bis 30. April) mit einem „hellblauen Auge“ beenden konnte.

Dennoch: Nicht wenige dachten, dass das Eishockey von der Politik für die schnelle Reaktion eine ebenso schnelle Hilfe für die verlorenen Umsätze bekommen wird. So der Ausgangspunkt.

Doch eine kommunikativ desaströse und juristisch zweifelhafte Volte um Spielergehälter später (aka „Erpressung“, „Nötigung“, „Pistole auf die Brust“) liegt nun der nächste Tiefschlag für die Liga auf dem Tisch: Das Konjunkturpaket der Bundesregierung sieht durchaus Hilfen für den Profisport vor. Da wird von „unteren Ligen“ gesprochen, was sehr wahrscheinlich auch die DEL meint, mit Sicherheit aber DEL 2 und Oberligen. Die entsprechende Präzisierung sollte in den zuständigen Bundestagsausschüssen noch vorgenommen werden.

Restaurants, Jugendherbergen und das Eishockey

Ein Paket von 25 Milliarden Euro steht bereit – aber nicht alleine für den Sport, wie man das in früheren Zeiten mal gemacht hat. Den Topf müssen sich die Ligen unter anderem mit Messebetreibern, Gastronomen, Veranstaltungstechnikern aber auch Jugendherbergen teilen. Der (Profi-)Sport ist einer von vielen, nicht mehr einer alleine.

Alleine dieser Paradigmenwechsel der Politik sollte schon die ersten Warnlampen in der DEL-Zentrale haben angehen lassen. Noch heftiger aber sind die Details. So stehen nur maximal 150.000 Euro pro Unternehmen zur Verfügung. Betrachtet man die Ligazentrale als eigenes Unternehmen und nimmt die 14 Klubs hinzu, stehen also maximal 2,25 Millionen Euro bereit.

Ein Tropfen für den Gesamtumsatz

Für eine Liga mit rund 130 Millionen Euro Jahresumsatz ist das nicht viel. Und es ist fast illusorisch, dass die Maximalsumme auch überall ausgeschöpft werden kann. In dem Papier geht es hauptsächlich um Umsatzverluste in April und Mai. Die werden zum Beispiel in Krefeld, Schwenningen, Köln und Iserlohn aber nichts mit Corona zu tun haben – die vier Teams haben schlicht die Play-offs verpasst.

Richtig anrechnen kann man theoretisch auch nur die Mindestzahl ausgefallener Heimspiele. Wer also in den Pre-Play-offs war, hat garantiert nur ein Heimspiel verloren, die Viertelfinalisten dagegen zwei. Wer dann durch eine Soli-Ticketaktion doch noch Umsätze hatte – wie zum Beispiel die DEG – kann Corona-bedingt noch nicht mal zwei Heimspiele voll als Umsatzeinbuße anrechnen.

Die volle Staatshilfe wird es nicht geben

Nun gibt es auch Hilfen wegen entfallener Einnahmen im Juni, Juli und August. Aber in der Zeit werden in der DEL ohnehin kaum Umsätze generiert, die über den Verkauf von Dauerkarten oder Merchandise hinausgehen. Eventuell profitiert die Liga sogar noch von der Kurzarbeiterregel und hat sogar weniger Ausgaben als in normalen Sommern. Unter dem Strich bleibt deshalb: Es wäre ein Wunder, würde die Liga die volle Summe von der Politik bekommen. Und selbst dann wären es nicht mal zwei Prozent des Gesamtumsatzes.

Entsprechend wenig überraschend ist die Reaktion von DEL-Chef Gernot Tripcke. Er klang auf Nachfrage von sportschau.de sehr zurückhaltend, weil er wohl weiß, wie wenig seine Liga da gerade angeboten bekommen hat. Während wohl große Teile der DEL 2 und der Oberligisten von den Staatshilfen profitieren, weil die Relation zum Gesamtetat dort eine andere ist, sieht es für die DEL also düster aus, sollte an dem Paket nichts mehr geändert werden.

Signale für eine machbare Spielzeit 20/21

Die DEL würde das intern in ein weiteres Dilemma treiben. Wie sieht dann nämlich der Versuch aus, die Spielergehälter per Zwang – die Lizenzierung ist an die Zustimmung gekoppelt – zu deckeln? „Dreist“ wäre noch eine freundliche Umschreibung. Den bestehenden Konflikt wird das ganze nicht entschärfen, wenn die Klubs rückblickend auf Staatsgelder verzichten müssen, weil sich der Schaden eigentlich in Grenzen gehalten hat und es sogar die Aussicht darauf gibt, eine halbwegs normale Spielzeit 2020/21 zu spielen.

Entsprechende Signale gibt das Papier nämlich auch her: So ist alles auf Ende August beschränkt – ein Zeichen, dass ab September mehr gehen könnte, als man im März noch dachte. Was vielleicht nicht mehr alle im Ligabüro als freudige Nachricht wahrnehmen werden.

2 thoughts on “Wir steiger(te)n das Hockey-Sozialprodukt…

  1. Profisport darf gar nicht gefördert werden, als treuer und jahrelanger Fan der Kölner Haie sage ist das,… es kann nicht sein, dass der Staat, der Steuerzahler die unverhältnissmässigen Gehälter von Einkommensmillipnären oder solchen die es werden wollen, übernimmt. Die Unternehmen der DEL hätten auch Kurzarbeitergeld anmelden können, müssen,… aber nicht volle Gehälter zahlen und dann Hilfe beantragen. Wer Profisport betreibt, wer sich selbstständig macht muß wissen worauf er sich einläßt.

    1. Naja, bei einem Durchschnittsgehalt von 75.000 Euro netto (plus Auto und Wohnung) ist man bei Eishockey meilenweit von einem Einkommensmillionär entfernt. Selbst Spitzenverdiener in der DEL mit 150.000 bis 200.000 netto kriegen feuchte Augen wenn die sehen was Spitzenverdiener im Basketball oder Handball in Deutschland verdienen können. Aber das ist viel zu kurz gedacht, es bringt keinem was wenn einige Clubs, egal ob Fußball, Eishockey, Handball oder Basketball pleite gehen – es gibt Mitarbeiter in den Geschäftsstellen die ihren Job verdienen würden, genau so wie Mitarbeiter/Jobs in den Arenen, Mitarbeiter von Lieferanten der Arenen (Catering, Bier, Sicherheitsdienst) usw. usw. das kann man hin spinnen bis zu Ausrüsten, bei denen es auch schwierig werden könnte wenn in der ersten zwei Ligen mal 5-10 Clubs weg brechen…

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