Wintergame 2021 – Nicht schon wieder Köln!?

Das Wintergame 2021 der Deutschen Eishockey Liga findet erneut in Köln statt. Anfang 2021 steigt in der Kölner Fußball-Arena die Partie zwischen den Kölner Haien und den Adlern aus Mannheim.

Damit findet das XXL-Freiluftspektakel (Pflichtwort in deutschsprachigen Medien!) zweimal hintereinander am selben Ort statt. 2019 hatten sich der KEC und die DEG ebenfalls im Fußballstadion des FC gegenübergestanden. Die Düsseldorfer gewannen das Rückspiel der zweiten Auflage des Wintergames mit 3:2 nach Verlängerung. Schon das erste Derby 2015 in Düsseldorf war an die DEG gegangen.

Viele Fragen nach der Vergabe

Nun stellen sich natürlich Fragen. Die drängendste lautet: Findet sich wirklich kein anderer Klub, der das Risiko trägt? Augsburg? Berlin? München? Nun darf man nicht vergessen, dass die DEL aus gerade mal 14 Teams besteht und die Auswahl entsprechend begrenzt ist. Und dass Haie und Adler zwei der größten und wichtigsten Klubs sind, steht außer Frage. Nicht umsonst kommt selbst bei ärgsten Rivalen wenig Freude darüber auf, dass die Haie wohl die Play-offs der aktuellen Saison verpassen werden.

Aber es sagt schon viel aus über den allgemeinen Zustand von Deutschlands Eishockey-Erstligisten, wenn die gerade mal fünfte Auflage auf einen Ort zurückgreift, der nur zwei Jahre vorher ein Wintergame gesehen hat. Und wenn dort zwei Teams auflaufen, die in drei der ersten vier Freiluftspiele ebenfalls auf dem Eis standen.

Zu wenig Abwechslung

Woran liegt das? Fehlen anderen Klubs Geld und Strukturen, um so ein Spiel neben dem alltäglichen Wahnsinn in der Liga auf die Beine zu stellen? Oder haben sie Bedenken, nicht genug Leute anzulocken, um ein Fußballstadion (oder andere Orte mit festen oder temporären Tribünen) zu füllen? Ist die Angst, mit einem dicken Minus aus dem Spiel zu gehen, so groß? All das würde kein gutes Licht auf die Liga werfen. Angeblich gibt es doch Millionen Eishockey-Fans. Warum schafft man es dann nicht, die in größerer Zahl in die Hallen und Stadien zu locken?

Eine weitere Frage lautet: Bekommen überhaupt die Haie das Stadion voll? Nun erleben die ja gerade einen Zuschauerboom. Es ist auch kein Geheimnis, dass die Kölner sich, ihre Stadt und ihre Vereine gern feiern. Und dass sie nicht lange zögern, wenn irgendwo Karnevalsmusik läuft – und die läuft auch beim Wintergame 2021 ganz sicher.

Aber schon das Derby gegen die DEG war nicht ausverkauft, und bei allem Respekt für die Rivalität des „Klassikers“ zwischen Mannheim und Köln, wird das 2021er-Spiel in Köln selbst wohl weniger Leute begeistern als das rheinische Derby. Erst recht Gelegenheitszuschauer, die das erste Wintergame besucht hatten, weil es etwas Neues und vermeintlich Einmaliges war. Ganz nebenbei hatten die Haie in dem Spiel wenige Argumente geliefert, warum Leute außerhalb der Eishockey-Blase noch mal kommen sollten. Sie spielten so schwach, dass es zwischendurch sogar Pfiffe gab, erst im letzten Drittel glichen sie noch aus und kamen recht glücklich zu einem Punkt. Vom jetzigen Zustand des Teams ganz zu schweigen.

Freiluftspiele in der Sackgasse?

Natürlich werden auch die Adler Fans mitbringen. Aber werden das mehr sein als die der DEG vor zwei Jahren, als geschätzte 7000 bis 8000 Düsseldorfer beim Spiel waren? Zumal ja auch die Mannheimer bereits ihr Wintergame hatten und ein zweites für die Adler-Fans nichts mehr ganz Aufregendes sein sollte.

Wo wir beim nächsten Punkt sind: Haben die Freiluftspiele überhaupt eine langfristige Zukunft? Als sie vor ein paar Jahren aufkamen, glichen sie einem Klassentreffen der Eishockey-Szene. Da kamen Fans aus allen Teilen Deutschlands, ja selbst aus dem Ausland. Auch die Medien berichteten noch. Zuletzt interessierten die Spiele aber eher die Menschen vor Ort. Schon 2017 ins Sinsheim (Mannheim gegen Schwenningen) waren deutlich weniger Trikots anderer Klubs zu sehen als in ersten Jahren. In Köln kamen nicht mal 50.000 Zuschauer. Jüngst in Offenbach zum Spiel der DEL 2 sogar nur knapp 15.000. In Dresden holten sich die Veranstalter ein Spiel der tschechischen Extraliga dazu, um genügend Tickets verkaufen zu können.

„Neue Märkte“ müssen her!

Selbst in Nordamerika hat der Hype um die Freiluftspiele merklich abgenommen. Das am vergangenen Samstag zwischen Colorado und Los Angeles interessierte außerhalb der beiden Klubs kaum noch jemanden. Logisch bei mindestens drei Freiluftspielen pro Saison allein in der NHL. In einem Jahr waren sogar mal sechs. Das Aufregende ist deswegen längst dahin, es hat eine generelle Sättigung stattgefunden. Geht die NHL in „neue Märkte“ wie zuletzt nach Dallas oder nächstes Jahr nach Carolina, ist das Winter Classic nach wie vor ein großes Ding – für die beteiligten Vereine. Aber viele Fans aus anderen Städten schalten nicht mehr ein. Das diesjährige Winter Classic verfolgten in den USA nicht mal zwei Millionen TV-Zuschauer.

Zahlreiche Fans waren zudem genervt davon, Jahr für Jahr dieselben Teams zu sehen. Boston und vor allem Chicago schienen bei jedem zweiten Mal dabei zu sein. Wer wollte das noch sehen? Die DEL ist nun auf dem besten Weg, denselben Fehler zu machen. Aber wahrscheinlich bleibt ihr gar nichts anderes übrig. Die Schlange der Bewerber ist überschaubar.

7 thoughts on “Wintergame 2021 – Nicht schon wieder Köln!?

  1. Guter Artikel. Ich befürchte, dass wir hier leere Ränge sehen werden. Der Eventi, der letztes Mal in Köln war, wird nicht mehr kommen – weil es ehrlich gesagt jetzt auch nicht so „der Hit“ ist (man ist weit weg, sieht nicht viel usw.) und der richtige Eishockeyfan ist wahrscheinlich auch nicht mehr sooo scharf darauf. Ich glaube die Zeit der Wintergames ist vorbei. Live war ich bei der WM in der Veltins Arena dabei, war nett das mal zu erleben, aber nochmal würde ich jetzt nicht mehr zu so einem Spiel gehen.

    Randbemerkung zum Artikel: Die Zuschauerzahlen in den DEL Stadien ist eigentlich ganz gut. München wird mit der neuen Arena bei rund 7000 im Schnitt landen, wenn Frankfurt mittelfristig mit neuer Halle kommt, kann die DEL auf jeden Fall einen Schnitt von 7.000 erreichen und das bei den viel zu vielen Vorrundenspielen inkl. Dienstags- Mittwochs und Donnerstagsspielen. Würde sich die DEL trauen, einen Schritt zurück zu machen und die Hauptrundenspiele mit einem anderen Modus zu reduzieren, wäre wahrscheinlich ein noch höherer Schnitt möglich.

    1. Man muss wohl berücksichtigen daß ein Schnitt von 7000 Zuschauern in der DEL nur mit viel Freikarten möglich sein wird, schon jetzt gibt es überall Freikarten noch und nöcher,wenn diese vom Sponsoren gesponsert werden gerne, oft sind es aber sie DEL Teams die ohne nennenswerte Gegenleistungen Freikarten „raushauen“ um die Zahlen zu schönen. Das müsste dann beim Winterspiel auch der Fall sein, denn es gibt die Zuschauer die nur kommen wenn Tickets 4 Euro kosten oder geschenkt sind. Die Spiele zu reduzieren würde wichtige Einnahmen nehmen und die Spieler pro Spiel teurer machen. Ich würde trotzdem auch die DEL Spiele reduzieren und die DEL Teams wieder am Deutschen Eishockey Pokal teilnehmen lassen. Das würde den Zuschauerschnitt der DEL2 und der Oberliga Teams pushen und es wäre Abwechslungsreich für die Fans.

  2. As a British hockey fan who has loves the DEL and watched more German hockey this season in both the DEL and DEL 2, It does feel a bit ‚meh‘ that it’s back to back games at the same venue. I attended the rain-soaked game in Cologne last year, and hopefully they have learnt from mistakes made there last time with transport being a huge problem.
    Like you say in the piece, chatting to friends in Germany about the next Winter Game, we was hoping Augsburg, or mostly Berlin to hold it. But i’m doing a piece myself and made the point that Cologne is like the Chicago Blackhawks of the outdoor games, having iced in most of them and after the game next year – they will have played in 75% of all the DEL Winter games. Nothing against Cologne, but if you want to make the event special you need to spread it around and try and incorporate more teams.

    Good read and article though!

  3. Guter Artikel…in Köln waren 47.000 Zuschauer beim ersten Wintergame mit grösstenteils sehr sehr positiver Resonanz in Medien und bei Zuschauern von Event und Sport. Das 3.000 Tickets im Gästeblock frei blieben denke ich wird bei den reisefreudigen Adlern nicht passieren..im Gegenteil. Ich denke das Spiel wird sogar schneller ausverkauft sein…das ist schon ein Prestigeduell in einmaligem (ok dann zweimaligem) Rahmen. Gerne sollten sich andere Teams auch bemühen ein solches Spiel für ihre Fans und Region aufzuziehen.. …befürchte aber bis auf Berlin werden diese nicht die Fanbase haben die Stadien zu füllen…zumindest nicht in der Größenordnung wie in Köln oder seinerzeit Düsseldorf.

  4. Vorneweg ein Satz zu Michael Schulze: Als „Nürnberger“ möchte ich betonen, dass die „Mutter aller DEL-Wintergames“ die Begegnung zwischen Nürnberg und Berlin im Jahr 2013 war. Soweit ich weiß, ist der damalige
    Zuschauerwert von 50. 000 bis heute Europabestwert (da zwei Jahre später wetterbedingt die Arena in Düsseldorf
    ihr Dach geschlossen hat, Es ist also durchaus möglich (gewesen) große Zuschauermengen auch in anderen Städten
    zu generieren!
    So nun zum Wintergame 2021. Für uns alle, ist es ja bisher leider unbekannt ob noch andere Städte/ Vereine ihre Bewerbung abgegeben haben. Im letzten Jahr waren es zumindest in der DEL2 so viele Standorte, das es zu den von eurem Kai so sehr beklagten; „Das ist zu viel, es ist einfach zu viel“ gekommen ist.
    Nun muss man der Situation rund um das Freiluftspiel entgegenhalten, das die reguläre Saison ja 364 Spiele umfasst (plus minimal 32 bzw. max. 55 Play-off Partien) und nur eins davon bekommt das „Siegel Wintergame“. Wir sprechen also nur bei einer Anzahl von 0,1373 Prozent aller regulären Saisonspiele (auf zwei Jahre gerechnet) von einem Freiluftspiel. Ergo sollte dieses Spiel wirklich eine Highlight innerhalb der manchmal Kaugummiartig langen Hauptrunde sein.
    In Wirklichkeit hat sich über die vergangenen sieben Jahre schon ein merkliches Abflachen der Euphorie für diese Art von „good old Hockeytime“ Spiele bemerkbar gemacht. Das führt zum einen zu der Frage, warum dies so ist und zum anderen zu der Grundsatzthematik, ob in der gegenwärtigen Zeit diese Art von Eventspiel noch sinnvoll ist?
    Zu Teil 1 möchte ich vermuten, dass der Charakter der Fantreffen in den letzten beiden Ausgaben schon etwas abgenommen hat! War in Nürnberg ein buntes Fanvolk im Stadion zu sehen und in Düsseldorf zwei Jahre später die Heerscharen (sorry für die militärische Sprache!) von friedlichen Fans unter den Heizpilzen in der Altstadt ein toller Anblick von Fankultur, so war es zwei Jahre später in dem „schnuckeligen“ Industriegebiet gegenüber der Sinsheimer Arena nun wirklich nicht attraktiv sich an den ein, zwei Imbissbuden zu versammeln und mit anderen Fans über deren Saisoneindrücke, das deutsche Eishockey oder über Gott und die Welt zu unterhalten!
    Der zweite Fehler aus meiner Sicht ist die Reduzierung auf Lokalderbys. Na klar Düsseldorf- Köln hat eine lange Historie und ist auch für Anhänger anderer Vereine reizvoll, aber war es beim Auftakt in Nürnberg zwei Teams aus unterschiedlichen Regionen, so sind fast alle anderen Partien (einschließlich DEL2) von Organisationen bestritten worden, die in S-Bahn Nähe zueinander liegen (und ich erspare mir nun die Diskussion ob Kassel zu Hessen oder doch gefühlt Süd-Niedersachsen ist 😉
    Weiteres Manko ist die öffentliche Wahrnehmung! Eigentlich ist es perfekt: ein wirkliches Event (Stichwort: 0.13…Prozent aller Hauptrundenspiele), eine Zeit wo wenig andere Sporthighlights sind und dann noch Samstag Nachmittag! Und trotzdem ist kein einziges Spiel bisher überregional in den ÖR Sendern gekommen. Natürlich konnte man (bitte um Korrektur wenn es nicht so war!) alle DEL Freiluftspiele in Sport 1 live und kostenlos sehen,
    aber über die Blase hinaus kommt man eben doch nur in den Überregionalen Sendern (ARD;ZDF; RTL; SAT 1; Pro 7).

    Damit komme ich zu meiner Überleitung bezüglich der Zukunft: irgendwie hat sich dieses Wintergame in meiner Wahrnehmung so entwickelt wie das Weihnachtsfest. Die ersten ein, zwei Mal bewussten Wahrnehmens ist es ein unglaubliches Kribbeln und voller Vorfreude, aber spätestens wenn Weihnachten sich auf Blockflöte und bunte Socken reduziert ist das Kribbeln vollends verschwunden. Deshalb wäre mein Gedanke dieses Spiel nach der Ausgabe Köln 2021 ganz zu streichen! Oder man versucht nochmal was gänzlich anderes. Denkbar wäre spontan z.B. Ein Spiel eine Stunde nach der Neujahrsskispringen im zweiten Auslauft der Ski Arena in Garmisch zu machen (könnte dann auch z.B. Bremerhaven gegen Berlin sein). Vorteil wäre das ein teurer Rasen ausgetauscht werden müsste, es wäre neben dem Skispringen das einzige Sportereignis an dem Tag das überregional bedeutsam wäre und man könnte mit ARD oder ZDF vereinbaren das sie auf Sendung bleiben könnten.
    Zweiter Ansatz wäre die Idee das schon mal angedachte All Star Game Weekend als Open Air Spiel zu veranstalten! Möglicherweise außerhalb eine kostenintensiven Fußball Arena. Denkbar wäre auch eine Ausweitung auf andere Eishockey-Teilbereiche. Warum nicht das Finale der DNL oder einem Juniorenturnier integrieren oder noch besser einmal auch dem Frauen Eishockey eine Bühne bereiten (so ähnlich wie es früher beim DFB Pokalfinale immer war (auch wenn damals sich auch nur ein paar Tausend Anhänger im riesigen Olympiastadion verteilt haben). Apropos Frauen: das auf medialer Seite noch viel weniger Frauen im Eishockey berichten und schreiben ist schon traurig und langfristig auch von den etablierten Männern mal anzugehen (wäre ja mal ein Thema für „bissl Hockey“ oder den Podcast), aber das generell die Profilligen in den Mannschaftssportarten bei den Frauen einen prozentualen Sendeanteil in der Höhe haben, welchen man der AfD wünschen würde, gibt mir in der heutigen Zeit dann doch etwas zu denken! Aber bevor ich noch mehr verkopfte Satzungetüme hier ablade und noch andere „Fässer“ aufmache komme ich zum Ende und hoffe das ich eine paar kontroverse Gedanken mit einbringen konnte!

  5. Auch wenn ich kein großer RB-Befürworter bin (im Fußball absolut nicht; beim Eishockey und in der Formel 1 nehme ich sie hin) … wo sind denn die Event-Profis von Onkel Didi mit dem dicken Sparbuch wenn es um das DEL-Wintergame geht?

    Eisfläche, Stahlrohrtribünen & Container-Umkleiden auf die Wies’n und München erlebt ein Eishockey-XXL-Freiluftspektakel (*hehe*) sondergleichen! Bierzelt daneben ist natürlich obligatorisch. Gerne auch noch Riesenrad und (*hoho*) Dosenwerfen.

    Aber allem Anschein nach konzentriert man sich in München auf’s Hockey-HALLEluja … eigentlich schade.

    Generelle Fragen:
    Passt eine DEL-Eisfläche in die Freilichtbühne der Berliner Wuhlheide oder auf den Alexanderplatz?
    Ist im Profi-Eishockey schon mal ein abgefälschter Schuss im Meer gelandet (Hafengelände in Bremerhaven)?
    Traut sich Iserlohn ins Dortmunder Westfalenstadion oder – in Kooperation mit dem Herner EV ? – auf den Festplatz der Cranger Kirmes?

    Es gäbe so viele Möglichkeiten…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Next Post

#120 Der Play-off-Virus (Warum die Saison vorbei ist)

Die Saison ist vorbei - Corona ist da!