Wie Krefeld die Oberliga regelt

Der KEV will mit einer eigenen U23 in der Oberliga an den Start gehen. Viele reiben sich die Augen, und fragen sich, wie der nicht auf Rosen gebettete DEL-Club dieses Projekt stemmen will.

Die Forderung nach Nachwuchsteams von DEL-Vereinen in der Oberliga ist nicht neu. Seit Jahren wabert die Idee durch den Raum. Zum einen, weil der Sprung von Deutscher Nachwuchs Liga in die erste Liga oft noch zu groß ist, und deshalb Mangels Zwischenschritt das ein oder andere Talent unter die Räder kommt. Zum anderen gibt es nicht gerade viele Clubs, die sich die teure dritte Liga leisten wollen. Welcher Regionalligist will schon aufsteigen? Da kommen DEL-Nachwuchsteams nicht ungelegen, die Ligen aufzufüllen.

Krefelds Schritt überrascht

Bisher im Gespräch waren immer die großen Vereine. Zum Beispiel die Eisbären Berlin. Vor rund zwei Jahren scheiterte die Idee, eine Spielgemeinschaft aus Düsseldorfer EG, Kölner Haie und dem KEV an den Start zu bringen. Konkret wurde es also nie so wirklich.

Jetzt wagt Krefeld für die anstehende Saison den Schritt. Ziemlich überraschend – ist doch Krefeld finanziell sicher keines der großen Teams. Eher muss der KEV in der DEL mit schmalem Budget haushalten. Wie soll da ein zusätzliches Oberliga-Team funktionieren? Matthias Roos, der Geschäftsführer der Pinguine weiß um die Kosten, sagt aber im Gespräch mit uns: „Das Projekt ist durchfinanziert.“

Geld unter anderem von den Gesellschaftern

Offenbar geben die beiden Gesellschafter Wolfgang Schulz und Mikhail Ponomarev finanzielle Mittel frei. Zusätzlich soll es den ein oder anderen Sponsor für das Projekt geben. Und, so Roos, wolle man ja kein teures Spitzenteam aufbauen, sondern ein Nachwuchsteam, das auch am Tabellenende spielen dürfe. Wichtig sei der Wettbewerb auf einem höheren Niveau als in der DNL.

Für den KEV ergibt das ganze auch Sinn – Talente des Stammvereins bekommen einen Vertrag bei der GmbH der Pinguine. Ein U23-Spieler, der sich in der Oberliga als Kracher erweist, kann so leicht nach oben in die DEL gezogen werden. Außerdem ist der Stamm an Spielern größer als er bisher bei den Förderlizenzspielern war, die der KEV nach Herne schicken konnte. Unterm Strich könnte der Aufbau eines solchen Nachwuchses ein Kostensenker sein. Man baut sich die DEL-Spieler selber auf, bietet am Beginn der Karriere ein Sprungbrett. Das kann am Ende günstiger als jeder Transfer sein.

Offen für Kooperationen

Doch dieses Konstrukt wirft Fragen an anderer Stelle auf. Denn das Projekt ist – laut Roos – offen für Kooperationen mit anderen Clubs aus der DEL. Nur welcher DEL-Verein gibt seine DNL-Spieler in die Oberliga, wenn er dazu vertraglich beim Konkurrenten angestellt werden muss? Ob die Kölner Haie oder die Iserlohn Roosters ihre Ü20-Prospects an Krefelds U23 ausleihen?

Und wie soll mit der benachbarten DEG laufen? Die ging einst nicht ohne Friktion mit KEV-Investor Ponomarev auseinander. Kaum vorzustellen, dass Ponomarev die mitfinanzierte U23 für junge DEG-Profis öffnet. Wenig überraschend ist deshalb die Reaktion des DEG-Stammvereins, aus dem es heißt, es handele sich um „ein Ding der Krefelder.“ Man habe damit nichts zu tun.

Spannendes Wagnis

So wird sich Krefeld wohl erst einmal alleine in das Wagnis U23 stürzen. Die Signale vom DEB scheinen gut zu sein, dass es klappt – und somit gibt es im Eishockey-Westen wohl ein spannendes Nachwuchsprojekt, dass viele mit Interesse verfolgen werden.

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