CHL: Wenn „Cinderella“ steinreich ist

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Der EHC RB München steht im Halbfinale der Champions Hockey League – und trifft auf RB Salzburg, dem österreichischen Partnerverein aus dem Brauseimperium. Es sind die beiden Überraschungen der Spielzeit – die allerdings keine sein dürften.

Egal wann CHL-Chef Martin Baumann von seiner Liga redet, fällt irgendwann das Wort von der „Cinderella-Story“, die es jedes Jahr braucht. Also die Geschichte eines Teams, das keiner auf dem Zettel hatte und sich gegen Europas Eishockey-Größen durchsetzt. Was wie eine Schallplatte mit Sprung (für die Jüngeren: wie ein Loop) klingt, ist Überlebensstrategie.

Eine skandinavische Exklusiveranstaltung

Die CHL hat im fünften Jahr ihrer Existenz immer noch ein Problem mit der Akzeptanz. Die ersten drei Titel gingen nach Schweden, im vergangenen Jahr konnte mit JYP Jyväskylä erstmals ein finnisches Team den Titel holen. In der Regel ist Europas sportlich größter Clubwettbewerb (bitte kommt mir jetzt nicht mit der KHL) ab dem Halbfinale eine skandinavische Exklusivveranstaltung. 

Das wäre grundsätzlich kein Problem, würden die Spiele in Schweden oder Finnland auf breite Akzeptanz stoßen. Aber immer wieder sehen wir gähnend leere Hallen – selbst Halbfinal-Partien finden nahezu unter Ausschluss jeder Öffentlichkeit statt. Kein Wunder, dass Martin Baumann die Überraschungen braucht. Also Standorte wie Nottingham, Rouen oder eben auch einst Düsseldorf, wo das Publikum den Wettbewerb annimmt und so etwas wie Stimmung ist. 

Es brauchte die RB-Clubs im Halbfinale

Und er braucht bessere Ergebnisse jenseits der skandinavischen Ligen. Also Titelträger südlich der dänischen Grenze. Jüngst sagte der Schweizer in der Eishockey-News, dass der Erfolg eines DEL-Teams der CHL helfen würde. Natürlich wird er dabei eher Traditionsclubs als den EHC München im Sinn gehabt haben. Aber im Notfall tut es auch der sportliche beste deutsche Club.

Noch besser ist es, wenn zusätzlich ein österreichisches EBEL-Team im Halbfinale mit am Start ist. Dass es sich hierbei ebenfalls um ein RB-Team handelt, ist erst einmal egal. Durch das direkte Aufeinandertreffen der beiden Firmenclubs ist einer der beiden definitiv im Finale. Mehr Cinderella geht nicht und wiederum auch nicht. 

Schwedische Teams haben keinen finanziellen Vorteil

Womit wir nämlich beim Geld sind, das den Erfolg der beiden Teams relativiert. Im internationalen Vergleich gehören beide nicht gerade zur finanziellen Holzklasse.  In der Deutschen Eishockey Liga muss man sehr viel Geld investieren, um den Titel holen zu können. Summen zwischen zwölf bis 18 Millionen Euro werden häufig kolportiert, wenn es auf den Münchener Etat zu sprechen kommt. In der EBEL reicht es mit vielleicht der Hälfte zu einer dominanteren Rolle – aber auch das ist immer noch viel Geld.

Womit wir bei der schwedischen Liga wären, die als stärkste europäische Liga nach der KHL gilt. Dort kann man mit einem Spieleretat von fünf Millionen Euro bereits Krösus sein. Finanziell ist die SHL im internationalen Vergleich nur Standard, im Nachwuchsbereich dagegen Premium. (Was den Erfolg dann wieder erklärt.) Mit den Verhältnissen in der Schweiz, in Teilen Deutschlands kann die SHL nicht mithalten. Man kann davon ausgehen, dass RB Salzburg ebenfalls einen für die schwedische Liga tauglichen Etat aufstellen könnte.

Noch ein weiter Weg zur Akzeptanz

Deshalb greift das Cinderella-Bild zu kurz. Eher ist in dieser CHL-Spielzeit das passiert, was eigentlich normal sein sollte: eine größere Bandbreite im Halbfinale. Gerade deutsche und schweizer Teams (zu denen schweigen wir in dieser Spielzeit mal) sollten längst so häufig unter den Top 4 zu finden sein, wie es hier und da Vertreter aus der tschechischen Liga sind. Oder sagen wir so. Ein Wettbewerb, der sich über ein Halbfinale mit zwei Teams aus dem RB-Kosmos freuen muss und kann, hat noch einen weiten Weg bis zur endgültigen Etablierung.

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