Von der DEL in die NHL: Der richtige Weg

Christoph Ullrich

Gleich vier Spieler wagen in diesen Tagen den Sprung von Deutschland nach Nordamerika. Die NHL ruft, und Dominik Kahun, Maximilian Kammerer, Yasin Ehliz und Brooks Macek folgen. Und egal, ob sie auch wirklich spielen – es ist ein gutes Signal für den Sport.

Die deutsche NHL-Geschichte ist nicht gerade eine Erfolgsgeschichte. Gut, in den vergangenen drei Jahren durften mit Tom Kühnhackl (Pittsburg) und Philipp Grubauer (Washington) immer ein Spieler aus Deutschland den Stanley Cup in die Höhe halten. Aber ohne den beiden zu Nahe treten zu wollen – keiner war ein Schlüsselspieler. Und so verhält es sich mit den meisten der bisher 34 Spieler mit deutschem Pass, die in der weltbesten Eishockeyliga mindestens eine Partie bestritten haben.

Mehr deutsche Kurz- als Langzeitarbeiter in der NHL

Prägenden Figuren wie Marco Sturm (938 Spiele), Jochen Hecht (833 Spiele), Christian Ehrhoff (789) oder Olaf Kölzig (719) stehen mehrheitliche Kurzzeit-”Karrieren” wie Timo Pielmeier, Niklas Treutle, Rick Goldmann oder Udo Kießling gegenüber. (Wobei Kießlings einziges NHL-Spiel schon legendär war.) Entsprechend aufhorchen sollte man, wenn jetzt plötzlich vier Spieler auf einen Schlag einen Vertrag bei NHL-Franchises unterschreiben – unabhängig davon, dass es durchaus in allen Fällen geschehen kann, dass die Spieler zunächst nur beim Farmteam unterkommen. Experten halten zum Beispiel am ehesten Yasin Ehliz schon für reif, schnell eine Rolle bei seinem neuen Team, den Calgary Flames, spielen zu können.

Keine Angst vorm Scheitern

Für das Eishockey in diesen Landen ist es ein gutes Zeichen, dass sich mehr Spieler trauen, den riskanten Weg zu gehen. So würde zum Beispiel Maxi Kammerer in Washington über drei Jahre 2,6 Millionen Dollar verdienen. Spielt er allerdings ausschließlich für die Hershey Bears, dem Farm-Team der Capitals, würde er bei einem Top-Team in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ein deutlich höheres Salär beziehen. Ein, Risiko das es gibt. Hinzu kommt die oft öffentlich sehr widersprüchliche Haltung gegenüber solchen wechseln. Zum einen sind Eishockey-Fans gierig nach Identifikationsfiguren des Sports (wie zum Beispiel Leon Draisaitl), auf der anderen wird den Spielern, die sich in der NHL versuchen wollen, nicht selten ein Scheitern prognostiziert. Statt sich zu freuen, wird hier und da gemurrt. Da wirkt die spätere Rückkehr in die DEL (oder eine andere europäische Liga) wie Versagen.

Das Konzept „Sturm“ ist sinnvoll und richtig

Aber die Spieler scheinen inzwischen mehr und mehr der Idee des Bundestrainers anzuschließen, statt sich von Risiken und Bedenken stoppen zu lassen. Marco Sturm plädiert seit dem Beginn seiner Amtszeit dafür, dass jede Nordamerika-Erfahrung eine gute ist. Trainingsniveau, individuelle Förderung und Wettkampf lassen sich – selbst in der AHL – (noch) nicht mit den Standards der DEL vergleichen. Wer also eine gute Nationalmannschaft will, der braucht so viel beste Förderung wie möglich. Und daher ermutigt Sturm Talente, aber auch Säulen des DEB-Teams, den Sprung zu wagen und dort Erfahrungen zu machen. Die nächsten Kandidaten stehen mit Dominik Bokk (der wohl in diesem Jahr den Weg in den Draft finden wird), Moritz Seider, Yannik Valenti, Tim Stützle, Tim Fleischer bereit. Der Gang nach Nordamerika ist aktuell ein Konzept, das durchaus Sinn ergibt, solange die Nachwuchsförderung in Deutschland (samt Hallenneubauten) nur langsam in Bewegung kommt.

Bild: Stefan Brending, veröffentlicht unter CC-Lizenz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Next Post

Vom Schuldner zum Investor - “Rettet” Ponomarev den KEV?

Mikhail Ponomarev hat viel verbrannte Erde hinterlassen. Zumindest bei der Düsseldorfer EG. Seine Zeit als Gesellschafter führte den Verein in die CHL und fast in die Pleite. Sein Einstieg beim KEV wäre daher mehr Verzweiflungstat als Rettung. Den Krefeld Pinguinen geht es nicht besonders. Eine unklare finanzielle Zukunft, da mit […]