Tino Boos: „Haben unseren Auftrag erfüllt“

Tino Boos (Foto: DEL/City-Press)

Tino Boos war vier Jahre lang Leiter des Disziplinarausschusses der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Im Interview mit uns sagt er, warum es Zeit für was Neues war und wie er seine Zeit in dem Job bewertet.

Tino, warum hörst Du auf?

Ein Job muss Spaß machen, oder zumindest akzeptabel sein. Das war jetzt für mich nach den Jahren nicht mehr der Fall.

Du hattest keinen Spaß mehr an deinem Job?

Naja, Spaß an sich hat es nie gemacht: Eine Entscheidung zwischen zwei Spielern zu treffen, wo man weiß, dass es für beide Seiten schwierig wird, das ist halt immer eine Sache. Für mich war es jedoch interessant, bei der Liga zu arbeiten. Zum Beispiel, das Regelbuch zu schreiben, die U23-Regel mit zu kreieren, bei uns Dinge einfacher zu halten, als es zum Beispiel beim Weltverband der Fall ist. Aber der Hauptjob war der Vorsitz des Disziplinarausschusses. Mir war klar, dass das über zwei, drei Jahre eine Aufgabe war, die man machen kann. Jetzt habe ich vier gemacht, jetzt darf es auch gerne jemand anders machen.

Für viele Fans und auch Reporter warst Du in der letzten Zeit auch immer der Prellbock für umstrittene Entscheidungen. Das ist aber nicht der Grund, warum Du aufhörst?

Überhaupt nicht. Wir sind doch relativ weit gekommen. Viel hat sich doch geändert. Bei den Fans, auch bei Euch Journalisten. Es wurde viel geredet. Wir können doch inzwischen unsere Entscheidungen fast immer erklären. Dass Fans das oft anders sehen als Spieler, das ist doch normal. Und als ich letzte Woche bei den Sportlichen Leitern der DEL-Vereine kundgetan habe, dass ich aufhöre: da war schon betretenes Schweigen. Man wusste nicht so genau wie es weiter geht. Weil ich auch behaupte, dass mein Nachfolger es ähnlich wie ich haben wird.

Wie sehr hat es dich genervt, gerade bei Fans oft der Schuldige für ausbleibende Sperren zu sein? Wenn man an den Check von Patrick Hager gegen Straubing denkt, den Ihr nicht geahndet habt. Dort war wegen der Geschichte zeitweise die ganze Stadt auf dem Baum…

Im Moment, als das ganze hochkochte, war es natürlich sehr nervig. Aber die Nummer war auch ein Fortschritt. Wir hatten im Finale Trevor Parks gegen Sinan Akdag [bei dem es keine Sperre für den Münchener Parks gegeben hatte, die Red.] – eine vergleichbare Situation wie bei Hager in Straubing. Akdag hat allerdings weitergespielt und am Ende wurde diskutiert, ob es überhaupt richtig war, eine große Strafe auszusprechen. Das zeigt ja auch, dass wir in Deutschland als einzige in Europa den nordamerikanischen Weg gehen und zumindest unsere Linie erklären. Natürlich haben wir in den ein oder anderen Fall emotional unterschätzt. Aber gerade bei der sportlichen Seite wurden nur zwei, drei Fälle wirklich kontrovers diskutiert. Und da waren noch nicht einmal die Sachen dabei, die in der Öffentlichkeit groß besprochen wurden.

Heißt, Du siehst deinen Job als erfüllt an?

Der Auftrag war, die Liga sicherer zu machen, die Verletzungen zu senken. Und da kann man nur sagen: Das ist uns gelungen!

Was wünscht Du deinem Nachfolger oder Nachfolgern?

Ich wünsche, dem Nachfolger, dass man ihm seine Philosophie lässt. Man kann einem halt relativ schwer vorschreiben, was er zu entscheiden hat. Und ich wünsche mir von den Fans, dass sie ihm seine Entscheidungen zugestehen. Und auch irgendwann akzeptieren. Was anderes bleibt Dir ja im Endeffekt nicht über. Weil man muss ja auch sagen: Der nächste der den Job macht, der wird auch Eishockey gespielt haben und nicht so kurz und so wenig. Außerdem darf man nicht vergessen: es entscheidet nie einer alleine. Es sind immer drei Leute in einem Komitee, wofür der Vorsitzende dann einsteht.

Was machst Du jetzt persönlich?

Ich genieße jetzt erst einmal den Sommer und schaue, was so passiert. Ich habe noch genug Resturlaub. Und dann werde ich in Ruhe entscheiden, in welche Richtung es geht. Aber, ich werde natürlich beim Eishockey bleiben. Anders ergibt es ja keinen Sinn.

Danke, Tino Boos, für das Gespräch

Das ganze Interview gibt es hier zum Nachhören

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