#TeilderPhrasen – die DEL-Nachhaltigkeitskampagne

Die DEL will mehr für Respekt und fairen Umgang machen. Aber nur solange es nicht schmerzt.

Zu Beginn der Spielzeit 2019/20 hatte sich die Deutsche Eishockey Liga (DEL) etwas Besonderes ausgedacht. Eine neue Nachhaltigkeits-Kampagne sollte das Profil der Liga schärfen. Aufgeschreckt von Klimaprotesten, die auch das nicht immer umweltfreundliche Eishockey betreffen könnten, wie einer zunehmenden Aggressivität in Sozialen Medien, wollte die Liga mehr für das Miteinander machen. Unter #TeildesSpiels wird seitdem versucht, die Liga positiv darzustellen, dass sie anders ist als die Welt da draußen und es im schnellsten Mannschaftssport, fairer, sportlicher und offener zugeht als anderswo. Die viel beschworene Eishockey-Familie bekam ihren eigenen Hashtag.

Rote Laternen statt roter Pyros

„Wir möchten eine Haltung etablieren, die einen vertrauenswürdigen, fairen und respektvollen Umgang aller Menschen miteinander vermittelt,“ ließ sich Liga-Chef Gernot Tripcke in der Pressemitteilung zur Kampagne zitieren. Und im Interview mit uns legte er nach, und sagte, dass man Fanlager haben will, die sich gegenseitig symbolisch die Rote Laterne reichten, als sich mit Pyrotechnik zu bewerfen.

Für die Liga klang das nach einem vernünftigen Schachzug. Der Hashtag zur Aktion, die Idee dahinter auch. Trotzdem muss man solche Aktionen immer kritisch hinterfragen. Es gibt genug Unternehmen, die sich in diesen Tagen einen grünen oder diversen Anstrich geben, damit aber nur meinen, dass sich ein solches Image besser verkauft. Konkrete Handlungen verbinden sich mit diesen Phrasen selten. „Greenwashing“ nennt man das in der Fachsprache, Phrasendrescherei in der echten Welt.

Greenwashing mit #TeildesSpiels?

Der Verdacht, dass es sich bei der DEL-Kampagne genau um dieses Phänomen handelt, lag schon bei der Präsentation nahe. Versteht es doch keine Liga im deutschen Profisport so gut, mit wohlklingenden Worten noch jede kritische Geschichte abzumoderieren oder schlicht auszusitzen.

Dass #TeildesSpiels genau in dieses Muster passt, zeigt der erste wirkliche Stresstest. Was war passiert? Als die Düsseldorfer EG zum ersten Heimspiel des neuen Jahres die Adler aus Mannheim empfing, hatten die Mannheimer eine Menge Fans mit dabei. Und die waren auf ihren Ex-Spieler und heutigen DEG-Stürmer Luke Adam nicht gut zu sprechen. „Adam, Du Zigeuner“ schallte es aus dem Mannheimer Block.

Der „Zigeuner-Song“ als versemmelter Stresstest

An dieser Stelle wollen wir nicht noch einmal darüber diskutieren, was man im Stadion darf und was nicht. Aus unserer Sicht ist der Gesang ein rassistisches No-Go, gleichbedeutend mit allem, was Menschen herabwürdigt und ausgrenzt. (An unserer Seite übrigens das Fanprojekt der Adler und der Mannheim-Podcast Eiszeit FM) Dass einige unserer Leser und Hörer das anders sehen – geschenkt. Die Debatte führen wir nicht mehr, sie bringt nichts und wir sind auch nicht die Richter.

Anders verhält sich das mit der DEL. Die ist in einer anderen Lage. Hatte sie bisher immer von Strafen abgesehen, wenn zum Beispiel der „Zigeuner-Song“ durch die Blöcke raunte, steht sie in dieser Spielzeit eigentlich in der Pflicht, etwas dagegen zu unternehmen, #TeildesSpiels verpflichtet. Wie auch die Spielordnung der Liga, die besagt, dass Parolen verboten sind, „die den Eindruck einer rassistischen, fremdenfeindlichen, sexistischen oder extremistischen Einstellung hervorrufen könnten.“

An der eigenen Spielordnung gescheitert

Schon verwunderlich, dass es mit einem derartigen Passus, in einer Liga, die ihre Trainer für die kleinste Schiedsrichter-Kritik zur Kasse bittet, solche Gesänge noch nicht geahndet wurden. Mit der Nachhaltigkeits-Kampagne zusätzlich ist das fast schon ein Ding der Unmöglichkeit.

Vielleicht hat man vor den Reaktionen Angst, die eine Geldstrafe nach sich ziehen würde. Nicht erst seit der Umweltsau-Debatte über den WDR-Kinderchor weiß man, dass rechte Kreise bei solchen Strafen gerne mal einen Social-Media-Shitstorm organisieren und einem das Gefühl geben, man sei mit seiner Haltung alleine. Was natürlich im realen Leben Quatsch ist.

Grundsätzlich lieber viel Nichtssagendes

Zumindest ist man im Liga-Büro nicht besonders scharf drauf, bei solchen Gesängen einzugreifen. Auf Nachfrage, was man denn jetzt gemeinsam mit den Adlern macht, antwortet die Liga:

„Grundsätzlich möchten wir als Ligagesellschaft derartige Gesänge nicht in den Stadien und Arenen der DEL hören. In Mannheim, aber auch in den anderen Clubs der DEL, ist man u.a. durch die Fanbetreuung in einem ständigen Dialog mit den Anhängern, damit derartige Gesänge möglichst nicht mehr vorkommen. Vor der Saison haben wir die Haltungs-Initiative #TeilDesSpiels ins Leben gerufen, um noch stärker zu verdeutlichen, dass uns Werte wie Fairness und Respekt enorm wichtig sind.“

Grundsätzlich kann man das dann nur rückgratlos nennen. Und da wundert es nicht, dass die Liga vor Weihnachten in der Eishockey-News einräumen musste, dass #TeildesSpiels eigentlich nicht so wirklich in Fahrt kommt und ein Papiertiger ohne Wert ist. Schade. Man wünschte sich, die Liga wäre bei der Ahndung von Schmähgesängen so drauf wie Dietmar Hopp, dem Vater des Adler-Chefs Daniel Hopp. Papa Hopp lässt gerne mal die Anwälte sprechen, wenn BvB-Fans ihn am Rande eines Spiels seiner TSG Hoffenheim beleidigen.

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