Straubinger Populismus

Nach dem Foul des Münchener Patrick Hager an Frederick Eriksson schreibt ein Straubinger Gesellschafter mehrere Briefe an die DEL.

Ein Gesellschafter der Straubing Tigers verleiht seiner Wut Ausdruck. Nach dem Foul des Münchener Patrick Hager an Frederick Eriksson schreibt der Mann mehrere Briefe an die DEL, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

Ohne Hubert Stahl Böses zu wollen: Aber in der nationalen Eishockeyszene kannte man den Gesellschafter der Straubinger nur bedingt. Das liegt vor allem an der Struktur kleinerer Vereine, die nicht den einen großen, bekannten Gesellschafter haben. Nein, in Straubing oder zum Beispiel Iserlohn ist die Teilhabe an einem Club auf viele Schultern verteilt. Das schützt vor Abhängigkeiten, die solche Vereine bei Verlust selten auffangen können.

Brief aus der Wut heraus

Seit seinem offenen Brief dürfte Stahls Popularität allerdings überproportional gestiegen sein. Mehr, als dem Herrn vielleicht gut tut. Zumindest lässt darauf ein weiterer Brief schließen, den er im „Namen aller Eishockeyfans“ schließt, nachdem er zuvor die Liga heftig angeht. Womit wir erst einmal wieder auf den Anfang zurück kommen.

Stahl drückt in seinem ersten Schreiben sein „Entsetzen“ darüber aus, dass ein „gefährlicher Spieler“ wie Hager nicht gesperrt wurde. Er übt Kritik daran, dass die Straubinger Spieler Acolatse und Heard nach ihrer (üblen) Kneipenschlägerei in Berlin gesperrt wurden, während der Münchener Spieler nach zwei fast baugleichen Fouls (mit den inzwischen für die Strafe irrelevanten Verletzungsfolgen) keine Sanktionen bekam.

Im Namen aller Fans?

Er listet kleinere Fehlentscheidungen der Schiedsrichter auf, um die Leistung der Unparteiischen insgesamt zu kritisieren. Ein Geist von Bayern München weht durch das Schreiben, als Stahl behauptet, die DEL stelle sich über das Grundgesetz, da Offiziellen in der Liga kritische Äußerungen über die Liga verboten sind. (Wobei – beim Thema Verfassung – wir hörten, gerade Straubing schließt gerne mal Pressevertreter wegen angeblicher Kampagnen von Interviews aus.)

Die DEL antwortet. Bietet Gespräche mit Schiedsrichterobmann Brüggemann und Disziplinarausschussleiter Boos an. Eine Telefonkonferenz – eventuell auch mit DEL-Chef Tripcke – wird angeboten. Und der Verweis wird gemacht, dass es die Vereine, also auch Straubing waren, die sich einst den Maulkorb zur Liga selber gaben. (Was schon so oft geschrieben, erzählt und erklärt wurde.)

Von Chef-zu-Chef sonst nix!

Doch Stahl lehnt ab. Telefonkonferenz? Intransparent! Boos und Brüggemann? Nein, nur Tripcke muss her, mal so von Chef zu Chef sozusagen! Gespräche? So auf keinen Fall! Am Ende folgt das oben erwähnte sprechen im Namen aller, die Eishockey-Fans sind.

Und da hat mich der gute Mann verloren. Um nicht zu sagen verärgert. Ich bin nun nicht als verlängerter Journalistenarm der Liga bekannt. Viel zu oft und häufig ärgere ich mich über die Linie des Disziplinarausschusses, die amateurhafte Kommunikation. (Wusstet Ihr zum Beispiel, dass der neue AHL-Schiedsrichter wieder nur befristet in der Liga ist und es ein Austauschsystem mit Nordamerika gibt?) Und natürlich bin auch ich fassungslos über die schwachsinnige Regel mit dem Maulkorb. (Wer hat sich diesen unfassbaren Mist ausgedacht?)

Verbesserungen sind längst sichtbar

Aber ich erkenne an, dass sich die Schiedsrichter durch neue Profis deutlich verbessert haben. Aufreger in Streifen, wie Roland Aumüller, sind nicht mehr in der DEL aktiv und das Niveau hat deutlich zugelegt, auch wenn natürlich immer noch Fehler passieren. Der Disziplinarausschuss gibt mir ebenfalls oft Rätsel auf, weil nicht alle Entscheidungen mit meinem Empfinden von Gerechtigkeit übereinstimmen. Aber Tino Boos hat mir noch immer jede Entscheidung auf Nachfrage plausibel erklären können.

Natürlich auf Grundlage des Regelbuches, das die Vereine genau in dieser Form abgesegnet haben. Vor allem haben die sportlichen Leiter der DEL-Vereine im Sportausschuss eben solche Knie-auf-Knie-Aktionen wie bei Hager als nicht würdig betrachtet, einen Spieler deswegen zu sperren. Wahrscheinlich auch, um limitierte Spieler wie eben Heard oder Acolatse vor einem Jahresurlaub zu schützen. (Wenn man halt mit den Händen besser skatet als mit den Füßen!)

Die Vereine tragen die größere Verantwortung

Und was die Kommunikation angeht: Die Liga kann nur das machen, wofür sie Geld hat. Die finanzielle Ausstattung wird durch die Vereine festgelegt. Würden sie alle nur 50.000 Euro mehr auf den Tisch legen (statt im Februar Goons zu verpflichten), die Kommunikation sähe besser und anders aus.

Ich als Eishockeyfan habe also Grund genug, mich aufzuregen. Aber es ist doch ein bisschen arg vereinfacht, sich als Vereinsvertreter hinzustellen und draufzuhauen. Wenn ich das Konstrukt der Liga richtig verstehe, sind es doch die 14 Clubs, die als Gesellschafter der DEL – jetzt mal Uli Hoeneß – „für diese Scheißstimmung“ verantwortlich sind?! Also sind es Leute wie Hubert Stahl, die das eigentliche Sagen in der Liga haben.

Populismus mit falschem Adressat

Um es klar zu sagen: Man braucht keine populistischen Briefe, die kein Problem lösen, sondern nur mit falschen Behauptungen Schuld verlagern. Es braucht den Willen zur Veränderung an der richtigen Stelle, nämlich bei den Clubs, die sich die Regeln gaben, nach denen die Liga handelt. Also Herr Stahl, machen wir es kurz: Streichen Sie mich bitte von der Liste derer, in dessen Namen sie meinen zu sprechen. Oder schreiben Sie doch besser ihren Tigers und den anderen Vereinsvertretern einen Wutbrief. Dann haben sie auch die richtigen Adressaten.

16 thoughts on “Straubinger Populismus

  1. „Nein, nur Tripcke muss her“

    Das stimmt so aber nicht. In dem Brief steht, dass er keine persönlichen Gespräche möchte, sondern offizielle Stellungnahmen auf der Website. Und ich als Fan fände das auch deutlich transparenter, als dass alles immer im kleinen Kämmerchen beschrieben wird.

  2. Hallo Herr Ullrich,

    mir sind in Ihrem Bericht zwei Sachen aufgefallen:

    1. Der H. Stahl kritisiert nicht die DEL für die Sperren von Acolatse und Heard, sondern schreibt, daß er diese Sperren nicht verharmlosen möchte, jedoch waren es Fights, zu denen erstens immer zwei gehören (nebenbei wurde kein Berliner gesperrt) und und sie waren offen und verletzt wurde auch niemand.
    Das Foul vom Hager war dagegen dreckig, hinterhältig und führte zu einer Verletzung.
    Außerdem wurde nicht etwas wie Sie es ausdrücken ein limitierter Spieler verletzt, sondern ein absoluter Leistungsträger, der für Straubing nicht zu ersetzen ist!

    2. Sie schreiben, daß er Herr Boos Ihnen immer auf Nachfrage die Bestrafung bzw. Nicht-Bestrafung plausibel erklären konnte.
    Dazu kann ich nur sagen, warum tut er das nicht auf der Homepage der DEL, damit es jeder lesen kann?
    Außerdem habe ich ja so eine Nachfrage vom Herrn Fischer in den Nürnberger Nachrichten gelesen und die Antworten vom Herrn Boos dazu.
    Es ging um den Check von Rumble an Aronson und die Ausführungen vom Herrn Boos sind einfach nur wirr und lächerlich, alles andere als plausibel, aber lesen Sie bitte selbst.
    Hier der Link dazu:
    nordbayern.de/sport/ein-check-…spricht-die-del-1.8141529

    mfG
    Martin Rosanka

    1. 1.) Dass Herr Stahl die beiden Straubinger Spieler erwähnt, weiß er doch genau, dass da zwei faule Eier bei ihm im Tank sind. Das ist dann schon peinlich, mit diesen Spielern, so einen Aufguss zu machen.

      2.) Da sind wir beim Punkt: Die Liga informiert nicht gut. Wie auch, mit dem Mangel an Personal. Gäbe es da genug Kapazitäten, wäre Tino Boos auch nicht sein eigener Pressesprecher.

      1. Kommentierst du immer deine eigenen Artikel? Was hat die schlechte Informationspolitik mit dem Mangel an Personal zu tun? Die haben doch einen Pressesprecher(für was eigentlich?) ist ein Dreizeiler mit Begründung zuviel verlangt vom Disziplinarausschuss?

  3. Ein wunderbarer Kommentar!

    Die Aktion von Hager war blöd, keine Frage, und sie hätte eine Sperre von 1-2 Spielen nach sich ziehen sollen.
    Jeder der Eishockey spielt weiss das niemand einen Knie check absichtlich fährt, zu hoch ist auch das eigene Verletzungsrisiko bei solchen Knie gegen Knie Aktionen. Hager wählt einen schlechten Winkel und kommt dann nicht mehr raus. Eine dämliche Aktion.
    Auch keine gute Entscheidung vom Diszi. Ausschuss. Aber: der ist bekannt für unkonsitente und durchaus seltsame Entscheidungen.
    Oft genug hat es auch München getroffen. Ich möchte hierbei an eine Sperre von Buchwieser erinnern, oder auch die lange Sperre von Pinnizotto für die andere Spieler nicht mal die Hälfte der Sperre bekommen haben.

    Dieses Schreiben ist leider absolut peinlich. Denn es ist nicht gedacht um Dinge zu verbessern (was nötig wäre!) sondern es kultiviert den Straubinger Opferkomplex als „kleiner Standort benachteiligt“ und ist fast schon Verschwörungstheorie.
    So werden Szenen aufgeführt und daraus eine systematische Benachteiligung durch die Schiedsrichter reklamiert.
    Nun ist es aber so: Im Eishocky befinden sich 80% aller Zweikämpfe im Graubereich. Die Refs werten durchgehend wann eine Aktion Foul ist und wann nicht.
    Für jede der aufgezälten kleinen Strafen kann man zig Aktionen aufzählen wo es die Strafe gab oder sie durch eine Aktion auf der anderen Seite aufgewogen wurde. Min. eine Szene weiß ich sofort, und da ist der Straubinger einfach zu billig gefallen.
    Der Vergleich mit den Sperren gegen die Straubinger, da bin ich nur fassungslos.
    Da wurde wild geprügelt, oft als 2. Mann in einen Fight, selbst als SPieler auf den Boden gingen wurde weiter gemacht, dann wurde gegen die Schiedsrichter agiert.
    In einem entschiedenen Spiel.
    Und dann wundert man sich über die Sperren?
    Wer sich das nochmal anschaut, der sieht ganz klar das diese Sperren absolut gerechtfertigt waren.

    Solche Schreiben schaden dem Sport, schaden der DEL, denn das ist Kasperltheater. Das ein Gesellschafter so einen Unsinn von sich gibt, ist eigentlich gleich wieder Sakntionswürdig. Die Liga will ja Professionell sein und nicht so einen Mist haben.

    1. Hallo #13isthemagicman,

      Es passiert aber dem Herrn Hager schon das zweite Mal, daß er einen „schlechten Winkel“ wählt, wie Sie es ausdrücken!
      Pinnizotto wurde länger gesperrt, weil er Wiederholungstäter war.
      Buchwieser wurde meines Achtens länger gesperrt, weil einen Schiedsrichter angegriffen hat.
      Beides also vollkommen gerechtfertigt.
      Die Fights in Berlin waren nicht ok, wurden auch intern kritisiert, die Spieler wurden auch gesperrt und haben ihre Strafen abgesessen!
      Doch warum wurde kein Berliner gesperrt, ach ja, die haben ja nicht gekämpft, die haben sich sofort auf den Boden geschmissen und gewartet, daß sie verprügelt werden…

      MfG
      Martin R.

  4. Zitat aus dem Text oben: „Natürlich auf Grundlage des Regelbuches, das die Vereine genau in dieser Form abgesegnet haben. Vor allem haben die sportlichen Leiter der DEL-Vereine im Sportausschuss eben solche Knie-auf-Knie-Aktionen wie bei Hager als nicht würdig betrachtet, einen Spieler deswegen zu sperren.“
    Und genau an dieser Stelle haben Sie mich verloren oder haben Sie den Knie-Check vom Schwenninger Spieler Dominik Bittner in dem Spiel Schwenningen gegen Nürnberg nicht mitbekommen? Dominik Bittner wurde für zwei Spiele gesperrt. Wieso? Vielleicht können Sie ja Herrn Tino Boos mal danach fragen, wieso der eine Knie-Check entgegen der verabschiedeten Regel geahndet wird und der andere nicht. Den ich musste kurz schmunzeln, als ich gelesen habe, dass Herr Boos die Entscheidungen auf Nachfrage plausibel erklären kann. Ich wäre auf die Erklärung deshalb so gespannt, weil Hager bereits zum zweiten Mal mit einem Knie-Check aufgefallen ist.

    Vielleicht finden Sie die Zeit und fragen um eine Erklärung an. Zwei Checks gegen das Knie, zwei unterschiedliche Bewertungen.

    1. Die Strafe von Bittner und die Strafe von Hager gegen Straubing unterscheiden sich einfach schon einmal dadurch, dass Bittners Foul als „Check gegen das Knie“ (Clipping) gewertet und gegeben wurde und Hagers Foul ein „Check mit dem Knie“ (Kneeing) war. Und wie im Kommentar geschrieben wurde, hat man ich DEL intern auf keine weitere Bestrafung beim „Kneeing“ geeinigt, eben auch mit Straubinger Stimme. Nachzulesen ist das ganze übrigens auch in den DEL Spielberichten auf der DEL Seite.

      1. Und wer entscheidet, was „ein Check mit dem Knie“ ist und was ein „Check gegen das Knie“? Schon alleine die Unterscheidung ist schwachsinnig. Soll es einen Verein weniger hart treffen, muss man nur „Check mit dem Knie“ geben und fertig. Sehr schön.

        1. In der Ausführung zwei völlig unterschiedliche Fouls.
          Clipping:
          https://www.nhl.com/video/what-is-clipping-vs-hip-checks/c-40457503
          Kneeing:
          https://www.youtube.com/watch?v=rLS3MfN49Kg

          Allerdings verständlich, dass dies bei der Komplexität der Regeln und Geschwindigkeit des Spiels den Fans unbekannt ist. Bevor ich jedoch wie der feine Herr Stahl erstmal los trommle, rät es sich bei mangelndem Sachverstand, erstmal Informationen einzuholen.

      2. Fakt ist doch mal das Knie von Erikson ist Kaputt! Ursächlich war für jeden ersichtlich Ein Check gegen sein Knie. Der Bittner wird für viel weniger gesperrt.
        Die nachträglichen Sperren dieses parteiischen Ausschusses wurden ausschließlich gegen kleine Teams wie Schwenningen; Augsburg; Straubing, Iserlohn; Krefeld; und einmal gegen Nürnberg ausgesprochen. Wer da nicht sieht das die „kleinen“ anders behandelt werden den kann man auch nicht mehr weiterhelfen.

  5. Ich streiche Sie von der Liste derer, die etwas vom Eishockey verstehen und im gleichen maße etwas von Kommunikation Herr Ullrich. Aber wen interessiert schon ihr Name.

    Sie können Ihren Schutzschirm über der Liga und deren Schiedsrichter gerne aufspannen, vielleicht bekommen Sie dafür ein Lob aus der Chefetage. Journalistische Anerkennung jedoch auf keinen Fall.

    Ein peinlicher und überflüssiger Kommentar.

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