Solides Dump & Chase

Christoph Ullrich

Mit „Dump & Chase“ gibt es ein Heft nur mit Eishockeygeschichten jenseits der täglichen Nachrichtenflut. Wir haben uns die Premierenausgabe angeschaut.

Es gibt ein neues Magazin, und es dreht sich nur um Eishockey! All die Jahre traute sich niemand, was Neues auf den Markt zu bringen. Jetzt gibt es mit „Dump & Chase“ ein Heft nur mit Eishockeygeschichten jenseits der täglichen Nachrichtenflut. Wir haben uns die Premierenausgabe angeschaut.

Schick ist es, schön gebunden, gutes Layout: Wer bei „Dump an Chase“ an die Eishockeyvariante von „11Freunde“, „ballesterer FM“ oder „Nutmeg Magazine“ denkt, der assoziert richtig. Die drei Verantwortlichen wollen genau das sein: Ein hintergründiges Magazin nur für den Kufensport Kein Zwitterwesen wie die gescheiterte „No Sports“ und erst Recht kein wöchentliches Nachrichtenblatt wie die „Eishockey News“.

Einladung in eine „neue Eishockeywelt“

Laut Eigenbeschreibung wollen die Macher in eine „neue Eishockey-Welt“ einladen, ein Magazin machen, „das es bis heute nicht gab.“ Vorweg: Das ist mit „Dump & Chase“ gelungen. Beim Durchblättern besticht das 104-Seiten starke Heft mit schönen Bildern, gelungenem Layout und der ein oder anderen schicken Animation. Die Darstellung der DEL-Trikots im werbefreien NHL-Style ist ein Highlight. Beim Betrachten der dargestellten Leibchen will man seine Litfaßsäulen im Trikotschrank nicht mehr anschauen.

Die Themenwahl ist stimmig – unter anderem bietet „Dump & Chase“ einen Besuch bei Domik Kahun in der NHL, einen Blick auf die Eishopper-Szene und endlich mal eine lobende Erwähnung für „Bob’s Terasse“ im Augsburger Curt-Frenzel-Stadion. (Nein, nicht wegen des Deppen-Apostrophs.) Da waren die Macher sicher im Geschmack. Allerdings besteht bei vielen Texten noch Luft noch oben. Oft wird der naheliegende Einstieg gewählt, die Vielfalt an Protagonisten lässt zu wünschen übrig. Gerade der Geschichte des Eishoppers Reinhard Scheupel hätten weitere Stimmen anderer Hopper gut getan.

Kein Humor aus der Fankurve

Wären die DEL-Trikots wie in der NHL

Auch die ein oder andere Stilblüte bleibt nicht aus. Wenn der DEB im Umgang mit eSports auf einmal „alten Denkmustern keine Grenzen setzt“, ist das unfreiwillig komisch. Wo man sagen will, dass sich der DEB frischen Dingen nicht verschließt, weht der semantische Mief des Hinterzimmereishockeys durch den Satz. Wobei dieser noch einer der wenigen ist, der eine gewisse Liebe für das Detail haben will. Dagegen steht die arg biedere Geschichte über die Eishockeystadt Detroit, die mehr eine chronistische Aufzählung ist als eine Reportage, die das Dilemma der „Hockey-Town“ erlebbar macht.

Beim Thema Humor merkt man den größten Unterschied zu den etablierten Fußballmagazinen wie der „11Freunde“. Die war ganz ursprünglich ein Bielefelder Fanzine, kam eher aus der Anarcho-Ecke (soweit das im bürgerlichen Ostwestfalen möglich ist) und hatte damit den Mutterwitz, welcher „Dump & Chase“ fehlt. Was jedoch logisch ist, stammen die D&C-Erfinder eher aus dem PR-Bereich, Chefredakteur Matthias Scholze arbeitet gar für den Deutschen Eishockey Bund in der Öffentlichkeitsarbeit.

Leichter Stotterstart mit Freude auf mehr

Aber warum Nöhlen: Es ist gut, dass es „Dump & Chase“ nun sechs Mal im Jahr geben soll, es ist ein optisch gelungener, inhaltlich solider, leicht stotternder Start. Aber trotzdem ein Debüt, das gefällt. Endlich gibt es mehr Zeit für Eishockey. Nicht nur in unser aller Köpfen, sondern auch am Bahnhofskiosk. Wir drücken die Daumen, dass sich „Dump & Chase“ dauerhaft etabliert und steigert. Der Sport hätte es verdient.

Dump & Chase ist seit dem 4.1. zu kaufen. Im gut sortierten Kiosk oder online. Das Heft kostet 7,90 Euro und soll sechs Mal im Jahr erscheinen.

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