SHN-Newsletter

Newsletter #14 (14.12.2018)

Freitag ist Newsletter-Tag – und da isser dann auch schon, frisch für Euch geschrieben….

Söderholm neuer Bundestrainer?

Erst gab es hektische Debatten, dann herrschte wochenlang Ruhe, nun scheint alles ganz schnell zu gehen. Noch vor Weihnachten will der Deutsche Eishockey Bund einen neuen Bundestrainer vorstellen. Und es gibt auch gleich einen Kandidaten: Wie mehrere Medien berichten, soll der Finne Toni Söderholm Topfavorit sein. Das mag überraschen, hieß es doch rund um den Deutschland Cup im November, dass der Nachfolger von Marco Sturm eben mehr sein soll als nur ein Übungsleiter, er soll die begonnene Strukturreform im Verband fortsetzen und vor allem Strahlkraft nach außen haben. Also eine Art Botschafter und Gesicht der Sportart sein.

Das dürfte – auch wenn Christian Ehrhoff als Sportdirektor/Manager dazukommt – nicht einfach sein für einen 40 Jahre alten Finnen, den selbst innerhalb der Szene nicht jeder kennt. Und der aktuell den Drittligisten aus Riessersee trainiert – als erste Cheftrainerstation überhaupt, versteht sich. Das heißt nicht, dass der ehemalige Meisterspieler des EHC München (daher die Verbindung nach zum EHC-Kooperationspartner Riessersee) keine Ahnung von seinem Fach hätte und unsympathisch wäre. Er war in seinem ersten Jahr beim SCR gleich Trainer des Jahres in der DEL 2, hatte einige Angebote aus der ersten Liga und war auch als Co-Trainer erfolgreich. Aber gleich Nationaltrainer? Als Nachfolger des erfolgreichsten Bundestrainers der DEB-Geschichte? Ist das der Mann, der die Spieler (gemeinsam mit Ehrhoff) nach einer langen Saison noch mal überredet, zur WM zu kommen oder seinen Sport in Talkshows verkauft? Wir bleiben erst mal skeptisch.

„Wir“ sind wieder wer

Söderholm ist derzeit übrigens mit der U20 bei der B-WM in Füssen. Und für die läuft es richtig gut: vier Spiele – vier Siege. Der Aufstieg in die A-Gruppe ist zum Greifen nah. Dafür fehlt im abschließenden Spiel am Samstag nur noch ein Punkt gegen Frankreich. Zum bislang letzten Mal stiegen die DEB-Junioren 2012 auf, also eigentlich im Dezember 2011, aber das zählte offiziell zur 2012er-Saison. Damals dabei waren heute bestens bekannte Namen wie Tobias Rieder, Leo Pföderl, Marcel Noebels, Konrad Abeltshauser oder Mathias Niederberger. Aus denen und einigen mehr ist etwas geworden. Und auch die aktuelle Generation hat beste Chancen, in den nächsten Jahren nette Gehälter mit Profi-Eishockey zu verdienen, manche tun es ja jetzt schon.

Überragend sind vor allem zwei, die noch U18 spielen könnten: Hendrik Hane und Moritz Seider. Torhüter Hane (eigentlich von der DEG, aber jetzt schon beim Kooperationspartner Bad Nauheim in der DEL2 im Tor) wehrt 95,12 Prozent der Schüsse ab und lässt nur 0,98 Tore pro Spiel zu. Verteidiger Seider (bereits Stammkraft bei Mannheim in der DEL) dominiert mit seinem Skating, seiner Übersicht und seinem Körper in allen drei Zonen und steht bei fünf (1/4) Punkten. Auch Top-Stürmer Dominik Bokk (Växjö, von St. Louis gedraftet) hat am Donnerstagabend beim 5:1 gegen Hauptkonkurrent Weißrussland endlich sein erstes Tor geschossen, zudem hat er fünf Vorlagen auf dem Zettel stehen. Ebenfalls in Form sind der Ravensburger Tim Brunnhuber (3/1), Red-Bull-Mann und Florida-Draftpick Justin Schütz (2/2), der Köln-Frankfurter Mike Fischer (1/3), Nicolas Appendino (1/2) vom USHL-Team aus Fargo, der Ingolstädter Tim Wohlgemuth (1/2) und der Landshuter Marco Baßler (2/0). Das ganze Spiel ist übrigens online.

Fasel-KHL

Bleiben wir kurz noch beim internationalen Eishockey. Denn wie TSN-Experte Darren Dreger bei Insider Traiding verkündete, soll René Fasel nach seiner Zeit als IIHF-Präsident einen prominenten Job bei der KHL (a.k.a. Die stärkste Liga der Welt) übernehmen. Überraschen würde das wohl niemanden. Fasel, der sich einst vom Schiedsrichter zum Weltverbandschef hocharbeitete, ist eins dieser vielen Putin-Schoßhündchen im Weltsport. Der Schweizer hat sich im Laufe seiner IIHF-Zeit immer wieder als besonderer Freund der Russen gezeigt.

Nicht mal während der Diskussionen um das Staatsdoping wich er von seiner Linie ab. Im Gegenteil: Er machte sich vor den Olympischen Spielen 2018 sogar immer wieder für die Teilnahme der Russen stark, mit den typischen Argumenten, dass ja nur überführte Doper gesperrt werden dürften und man jeden Fall einzeln prüfen müsse. Was ein schlechter Witz ist, wenn man bedenkt, dass die Proben nachweislich zerstört oder zumindest manipuliert wurden. Fasels Engagement lag natürlich daran, dass er nach der Absage der NHL-Spieler zumindest die aus der KHL dabei haben wollte. Aber der mindestens zweitwichtigste Grund war es eben, seinen russischen Freunden etwas Gutes zu tun. In der Vergangenheit hatte er ja schon kein Problem damit, die WM zu Putin-Freund Alexander Lukaschenko nach Weißrussland zu geben. Nun erhält er also eventuell einen Job bei der KHL. Zufälle gibt´s…

Dosen-Cinderellas in der CHL

Och nö, schon wieder dusselige Dosenwitze im Zusammenhang mit der CHL? Nein, an dieser Stelle mal nix. Der Erfolg der Münchener in der Champions Hockey League ist gut für den Wettbewerb und gut für das DEL-Eishockey. Zumindest zeigt es, dass es durchaus möglich ist, auch als deutscher Club in Europas größtem internationalen Clubwettbewerb halbwegs was zu reißen. Das wiederum dürfte CH-Chef Martin Baumann beruhigen, der nicht mehr so ganz entspannt in Sachen “skandinavische Halbfinale” sein dürfte. Was das Münchener, aber auch das Salzburger Halbfinaldebüt bedeutet, haben wir übrigens in unserem Blog aufgeschrieben.

Mannheims erster Meistertrainer gestorben

Heinz Weisenbach war der erste Meistertrainer der Mannheimer. Ohne ihn wären viele Deutsch-Kanadier niemals in Deutschland auf das Eis gegangen. Einer der bekanntesten Importe Weisenbachs war Harold Kreis. Mit diesem Händchen für mögliche Spieler aus Übersee führte er die Adler zum ersten Titel. Jetzt ist Weisenbach mit 73 Jahren gestorben.

Greilinger verlässt die DEG

Bei den Verantwortlichen der Düsseldorfer EG die schönste Nachricht der Woche, der Rest der Liga dürfte es mit einem weinenden Auge sehen: Thomas Greilinger verlässt am Saisonende die DEL. Der Stürmer des ERC Ingolstadt und der Spieler, der am häufigsten die Düsseldorfer EG in entscheidenden Spiele im Alleingang erledigt hat, ist eine der wahrlich interessantesten Figuren der Liga. Der 37-Jährige wechselt in der kommenden Saison in die DEL 2 (oder bei Abstieg Oberliga Süd), zurück zu seinem alten Verein, dem Deggendorfer SC.

Der ERC Ingolstadt wird ihn im besten Zustand übergeben, anders als 2008 – da holten sie Greilinger mit ein paar Kilo zuviel aus Deggendorf, damals sogar zeitweise viertklassig. Von einem Gewicht über 120 Kilo ist in einigen alten Artikeln die Rede. (“Er konnte kein Weizen stehen lassen.”)  Greilinger galt als vergeudetes Talent, das nichts aus seinen Anlagen machte. Umso bemerkenswerter, dass er sich in der DEL im zweiten Anlauf durchsetzte, über Jahre einer der wichtigsten Scorer des ERC wurde und gehörigen Anteil an der Sensationsmeisterschaft 2014 hatte. Schade dass er die DEL verlässt (also es sei denn, man hält zur DEG: das Fenster für einen Play-Off-Sieg gegen Ingolstadt ist ab 2020 wieder offen.)

Die NHL lässt es wieder glühen

Erinnert Ihr Euch noch an diese grandiose Idee der NHL, den Puck glühen zu lasen, damit die TV-Zuschauer ihn besser sehen können? Greg Wyshynski hat diesem Nobelpreis-verdächtigen Konzept sogar den Titel seines ersten Buches gewidmet. In dem Werk geht es übrigens um die „101 worst ideas in sports history“. Aber wenn die NHL eins im Laufe ihrer Zeit gelernt hat, dann das: Wenn etwas richtig schief läuft, machen wir es einfach noch mal.

Zugegeben, die neue Idee ist nicht komplett dieselbe wie vor einigen Jahren, aber es geht in die Richtung. Beim nächsten Winter Classic am Neujahrstag zwischen Bruins und (selbstredend) Blackhawks kommt mal wieder ein Spezialpuck zum Einsatz: Der wechselt wegen einer besonderen Beschichtung seine Farbe von violett nach klar, wenn die Temperatur der Scheibe über null Grad liegt. Die Änderung der Farbe zeigt den Schiedsrichtern dann an, dass sie den Puck wechseln müssen. Denn das ist der offizielle Grund: In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Beschwerden, der Puck springe draußen zu sehr, wenn er zu warm wurde. Wir freuen uns drauf.

“Die klauen unsere Jobs… äähhh Reggios”

Das ist so ein Thema, dass die Wellen immer wieder hochgehen lässt: Eine mögliche, gemeinsame Spielklasse von NRW-Clubs mit den Vereinen der belgisch-niederländischen BeNe-League. Seit fast einem halben Jahr kocht die Debatte – und immer wieder wird es dumpf, wenn es um einen multinationalen Versuch mit den Nachbarn geht. Sachfragen stehen selten im Mittelpunkt. Oder diejenigen, die es sachlich diskutieren wollen, sind einfach nur noch genervt.

Anyway, die Meldung dieser Woche dazu ist eigentlich sehr spannend, klärt sie doch viele Fragen. Bisher waren wir zum Beispiel immer davon ausgegangen, dass sich die BeNe-Clubs dem DEB-Spielbetrieb eingliedern. Aber andersrum ist es richtig: Die Nachbarliga eröffnet Clubs aus Deutschland (oder in der Praxis: NRW) die Chance, ab der kommenden Spielzeit mitzumischen, also unter dem Dach der benachbarten Verbände. Ob es Clubs annehmen? Derzeit noch fraglich. Nur soviel: Wir würden gerne mit Ratingen nach Lüttich oder Den Haag fahren.

Buch der Woche

Heute machen wir es mal anders: Wir empfehlen euch kein Buch mit langen Texten, wir haben eins, das ihr nach den Bergen an Essen, die ihr zu Weihnachten in euch schaufelt, ganz entspannt und mit einem Lächeln auf den Lippen durchblättern könnt. Die Rede ist von „Hockey’s Greatest Photos: The Bruce Bennett Collection“, herausgegeben von The Hockey News. Bennett gilt als der „Wayne Gretzky der Eishockey-Fotografie“. Da passt es nur zu gut, dass sein Buch Gretzky auf dem Titel hat. Herausgekommen ist ein Best-of aus knapp 40 Jahren Eishockey-Fotografie mit rund 250 Bildern. Es gibt nur ein Problem: Wenn ihr nicht so klug gewesen seid wie wir und es gleich am Erscheinungstag im Oktober 2015 bestellt hattet, werdet ihr es nicht mehr druckfrisch bekommen. Das Buch ist berechtigterweise vergriffen, es gibt aber noch ein paar Online-Händler, die es zumindest gebraucht anbieten.

Video

Wie immer verabschieden wir euch mit einem Video ins Wochenende. Dieses Mal gibt es wieder einen rheinischen Klassiker: die Niederlage der DEG gegen Ratingen am Ende der Bundesliga-Hauptrunde 1992/93. Die einen nennen das einen Skandal, die anderen reden von den üblichen Formschwankungen im Sport. Wir lassen euch entscheiden.