Rumble in the Disziplinarausschuss

(Copyright: DEL Photosharing)

In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) herrscht wieder Aufregung um ein Strafmaß. Der Check des Bremerhaveners Chris Rumble gegen den Nürnbergler Taylor Aranson bleibt folgenlos, die Debatte darum vielleicht nicht.

Nürnberg gegen Bremerhaven, fünfter Spieltag, keine 30 Minuten gespielt – es steht 5:0. Die Pinguine aus Bremerhaven werden auseinander genommen. Als der Nürnberger Aronson den Puck vor dem eigenen Tor bekommt, dreht er sich und hat plötzlich Rumbles Ellenbogen im Gesicht. Aus dem Nichts für den Nürnberger Spieler. Videobilder zeigen, wie der Bremerhavener Spieler Aronson noch anschaut. Der Puck ist zwar da, aber nicht wirklich das Objekt der Rumbleschen Begierde. Zumindest kommen die Schiedsrichter zu diesem Ergebnis und sprechen fünf Minuten plus Spieldauer aus.

Eine korrekte Entscheidung, die natürlich durch die DEL überprüft wird: wegen möglicher Sperren. Nachdem Steve Pinizotto im vergangenen Jahr wegen seines brutalen Checks im Halbfinale gegen Mannheim für viele nicht ausreichend lang gesperrt wurde, schaut die Hockeyblase wieder gespannt nach Neuss zur Ligazentrale. Telekom-Kommentator Christoph Fetzer schreibt auf Twitter, warum es an der Zeit wäre, dass die Liga ein Exempel gegen schmutziges Eishockey statuiert. In Sozialen Medien wird hitzig diskutiert. Nicht, wegen der Aktion Rumbles – da herrscht Einigkeit, dass sie Mist war. Sondern wegen der Sache mit dem Exempel.

Und die Liga? Lässt noch am Samstag wissen, dass sie alle Ermittlungen einstellt und keine weitere Sperre aussprechen wird. Für die Entscheider um den Leiter des Disziplinarausschusses, Tino Boos, war das Foul zwar die erwähnte Strafe wert. (weswegen er auch hat tätig werden müssen) Aber die Aktion ist – nach Ansicht der Prüfer – eine aus der Defensive heraus, keine dreckige und somit kein Grund für Geldstrafe und ein “Arbeitsverbot”. (Was als Begriff narürlich Quatsch ist, kann der Spieler ja weiter trainieren, bekommt aber natürlich Gehalt, aber – sofern ausgehandelt – keine Spielprämien für die Dauer der Sperre.)

Die Gesellschafter (Vereine) wollten es so

Seitdem ist noch mehr Ärger in der Luft, es gibt kaum Beobachter, die es so sehen wie der Disziplinarausschuss. Aber überrascht sollte man nicht sein. Die Liga, eine GmbH deren Gesellschafter die Vereine sind, hatte sich vor ein paar Spielzeiten entschieden, Tino Boos als Mann für die Strafen auszuwählen. Die Vereine/Gesellschafter wollten die Sicht der Spieler stärker berücksichtigen, weniger die streng technische. Deswegen war seitdem auch häufiger Aufregung (oder auf englisch: Rumble) in der Liga. Boos handelt halt so, wie es bestellt wurde.

Boos braucht einen Gegenpart

Seine Sicht der Dinge ist klar, er zieht seine Linie konsequent durch und ist verlässlich. Er nennt ja auch stets Argumente für seine Sicht, die er in der Sommerpause in einem langen Gespräch an unserem Mikro darlegte. Daher kann man ihm keine Vorwürfe machen, wenn er in dem aktuellen Fall so entschieden hat. Boos hat einen anderen Schwerpunkt, will überharte Sperren vermeiden. Außerdem kommt er häufig über die Solidarität zum Spieler, versucht mehr Verständnis aufzubringen, als angebracht ist. Wie im aktuellen Fall: Kaum jemand stimmt ihm zu. Vor allem, weil Rumble Aranson anschaut, bevor er den Arm in die Höhe reckt. Es braucht eine ordentliche Portion “Milde” um es nicht als üble Nummer zu sehen.

Wie gesagt: Die Liga wollte es so. Wenn sich allerdings die Vereine im Nachgang über so etwas beschweren, sich wundern, warum die DEL eher als Holzfällerliga denn als Wettbewerb für das schöne Spiel wahrgenommen wird, dann ist es an der Zeit, Dinge zu ändern. Vielleicht sollte Boos noch einen Gegenpart bekommen, eine weitere bekannte Figur, die das persönliche aus der Entscheidungsfindung nimmt. Der Disziplinarausschuss stünde nicht mehr synonym für den Namen Boos. Gut für die Liga, im Zweifel auch gut für den immer wieder in der Schusslinie stehenden Leiter des sogenannten Disziplinarausschusses. Er wäre nicht mehr das alleinige Gesicht für die Sperren in der DEL.

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2 Kommentare

  1. Es muss wieder mehr der gefoulte Spieler
    geschützt werden und der Verursacher muss härter
    bestraft werden. Gerade bei jeder Aktion gegen
    den Kopf. (Gehirnerschütterung) spätere Folgen.

  2. Es ist leider so, wie es im Artikel steht, die Liga, die einzelnen Clubs wollen das so gepfiffen und entschieden wird. Und solange diese spezielle Marschrichtung vorgegeben wird, werden wir Fans und Zuschauer uns immer wieder über „unkonventionelle“ Entscheidungen wundern, ändern wird sich nichts.

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