Play-offs: Spannend oder nur ein Marketinginstrument?

Die DEL Play-offs werden beworben als #geilsteZeit, Kommentatoren empfehlen dem Fußball in Sachen Spannung , auf die Eishockey-Endrunde zu schauen. Doch ist es wirklich so, dass Play-offs die Kräfteverhältnisse neu sortieren? Wir haben uns mal die Geschichte der Endrunden in Deutschland angeschaut.

Die Spielzeit 1980/81 gilt im deutschen Eishockey als historisch. Nicht, weil die Kölner Haie und der Duisburger SC aufgeflogen waren, über lange Zeit Pässe gefälscht zu haben. Die Spielzeit gilt wegen der Einführung der Play-offs als Meilenstein. Auch wenn der Start denkbar schlecht verlief. Wegen des sogenannten “Passfälscherskandals” musste das Viertelfinale komplett wiederholt werden, da nachträgliche Punktabzüge für die Kölner Haie das Tableau durcheinanderwirbelten. Statt der Kölner spielte Füssen in der Endrunde, neun Spiele (damals gab es noch den Modus “Best-of-three”) waren für die Tonne.

Bis zur letzten Sirene

Aber trotz Stolperstart findet man aus den Anfangstagen eher wenig Kritik an dem neuen Modus. Hier und da gab es Stimmen, wonach die End- die Hauptrunde sportlich entwertet sei. Jedoch nahmen die Fans das Format weitgehend an – mag man alten Quellen glauben. Außerdem wurde mit Riessersee der Vorrundenerste Meister, nachdem der Zweite der Hauptrunde, die DEG, im Finale bezwungen wurde. Insofern war der Start sportlich geglückt. Das tatsächlich stärkste Team wurde auch Meister, jedoch nicht Wochen vor Ende der Hauptrunde, sondern mit der letzten Sirene.

Gold für jede Vermarktung 

Womit wir beim Hauptargument für die Play-offs wären: Sie geben keine Sicherheiten. Der Meister wird im letzten Spiel des Frühjahres gefunden. Sensationen sind immer möglich. Eine Situation, wie aktuell in der Fußball-Bundesliga, ist undenkbar. Dort fragt man sich bereits im sechsten Jahr in Folge, nicht ob der FC Bayern München Meister wird, sondern wann. Unter dem Gesichtspunkt des Marketings sind Play-offs somit Gold wert. Man kann Spannung suggerieren. Selbst wenn es seit 1981 mehrfach Phasen mit Abo-Meistern gegeben hat – es war stets die spannende Frage, ob sich der Favorit auch tatsächlich durchsetzt.

So war zum Beispiel die DEG zu Beginn der 90er vier Mal in Folge Meister. Aber niemand würde von langweiligen Finalspielen sprechen. Das Siegtor 1993, als Benoît Doucet im entscheidenden Spiel gegen Köln in der Verlängerung traf, sorgt heute noch für manch glühende Augen. Klar war die DEG damals haushoher Favorit auf den Titel – aber den gab es nicht im Schongang. Ähnliches gilt für die Jahre, in denen die Kölner Haie, die Adler Mannheim oder die Eisbären Berlin Titel in Serie holten.

Trotzdem kaum Sensationen

Jetzt mag es sicher den ein oder anderen geben, der sagt, Play-offs sind das Allheilmittel für sportliche Ausgeglichenheit und Überraschungsmomente. An dieser Aussage ist einiges richtig – zumindest in der Theorie. Und dennoch ist der Gedanke auch wieder falsch. Zumindest auf das deutsche Eishockey bezogen. Ein Blick in die Statistik zeigt: In den meisten Fällen sind es die dominanten Clubs einer Spielzeit, die sich am Ende den Titel schnappen. Zwar wurde der Vorrundenerste in nur 16 von bisher 37 Fällen am Ende Meister. Zählt man allerdings die Finalserien zusammen, in denen weder Erster noch Zweiter standen, wird es deutlich: Nur drei Mal schaffte es keiner der beiden Top-Teams der regulären Spielzeit ins Finale der DEL oder Bundesliga.

Überraschungen wie Ingolstadt 2014 oder Krefeld 2003 sind genauso krasse Ausnahmen, wie im Fußball der Titel des 1.FC Kaiserslautern 1997 oder die Meisterschaft Leicesters in der Premiere League 2016. Statistisch gilt eben, dass ein guter Tabellenplatz auch zu guten Titelchancen führt. Im Durchschnitt lagen alle Meister zusammengenommen auf dem Tabellenplatz 2,3. Die Chancen für eine Finalteilnahme sind außerordentlich hoch, landet man unter den ersten Drei.

Mehr Überraschungen und Meistervielfalt mit Salary-Cap

Ein Blick in die Historie zeigt: Play-offs verhindern zwar, das vorzeitige Meisterschaften zu Langeweile führen und selbst Titel-Dynastien halbwegs erträglich sind. Jedoch sind sie keine Gleichmacher oder begünstigen Überraschungen. Wer eine möglichst breite Vielfalt an Titelträgern und Überraschungen will, der sollte über andere Mittel zur Chancengleichheit nachdenken: über so etwas wie einem Salary-Cap mit realistischer Gehaltsobergrenze. Ohne Instrumente dieser Art gewinnen – in egal welcher Sportart – auch weiterhin die Finanzstarken den Titel. Mit Play-offs dann natürlich auf eine etwas spannendere Art und Weise. Aber Kräfteverhältnisse verschieben sich nicht wirklich.

Die aktuellen Einschätzungen zu den laufenden Serien hört Ihr in unserem aktuellen Podcast:

2 thoughts on “Play-offs: Spannend oder nur ein Marketinginstrument?

  1. Ich finde es gut geschrieben allerdings vermisse ich in eurem Bericht die Regel Änderungen. So gibt es in den playoffs kein penaltyschiessen. Es wird solange gespielt bis ein golden goal fällt. Das kann schnell gehen aber auch mal 2 komplette spiele bedeutetn.

    1. Da hast Du vollkommen Recht. Ich habe das allerdings bewusst aus dem Text gelassen, da dies noch einmal ein anderes Thema im Fußball-Vergleich ist. Was vielleicht noch zu erwähnen ist, dass München zum Beispiel zu Spielen nach Bremerhaven fliegt, während die Norddeutschen mit dem Bus fahren. In einer langen Serie führt das natürlich dazu, dass der reichere Club mit Flugzeug einen Vorteil hat. Lange Overtime-Zeiten tun dann doppelt weh, wenn man spät noch in den Bus muss.

      Und Danke für Dein Feedback.

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