„Nächstes Jahr spielen wir Inter-Regional“

Der Aderlass der Regionalliga West ist in diesem Sommer sehr groß. Nachdem die Soester EG und der EC Lauterbach ihre Mannschaften aus der Regionalliga West zurückzogen, der TuS Wiehl (Meister Landesliga NRW) sowie der EJ Kassel (Meister Hessenliga) auf ihr Aufstiegrecht und die 1b-Mannschaft der Löwen Frankfurt als Absteiger auf das Nachrückerrecht verzichteten, blieben lediglich sieben Mannschaften für den Spielbetrieb der Regionalliga West übrig. Zu wenig für einen halbwegs ernsthaften Ligabetrieb.

Kompensation International

Um den Fans, Sponsoren und Mannschaften trotzdem einen attraktiven Modus präsentieren zu können, der durch den Rückzug der Soester EG auch den plötzlichen Wegfall zweier Heimspiele kompensiert, wurden im Juli wieder Gespräche mit der niederländisch-belgischen Bene-League geführt. Diesmal sahen die Gespräche nicht die Wiederaufnahme der zuvor gescheiterten Gespräche über eine gemeinsame Liga vor, vielmehr ging es um eine gemeinsame Pokalrunde.

Das Resultat hat der EHV NRW jetzt kommuniziert. Sechs Mannschaften aus Deutschland (Diez-Limburg, Dinslaken, Hamm, Herford, Neuss, Neuwied) und je drei aus den Niederlanden und Belgien spielen in der kommenden Saison erstmals den grenzüberschreitende Interregio Pokal aus. Diese Pokalrunde ist für die Klubs zwar nur als Ergänzung zum eigentlichen Spielbetrieb gedacht, manche sehen die zunächst auf eine Saison angesetzte Liasion zwischen der Bene-League und der „Regio West“ einen kleinen Test für einen gemeinsamen Spielbetrieb.

Sportlich sinnlose Regionalligen

Die Situation der deutschen Viertklassigkeit wirkt nämlich verfahren und stagniert seit Jahren. Diese Pokalrunde kommt manchem Klubs im Werben um Fans und Sponsoren daher gelegen. Können sie ihrem Publikum jetzt neue Gegner wie Geelen, Liege oder Nijmwegen präsentieren. Manche Funktionäre hoffen außerdem, dass der eine oder anderen Fanbus aus dem Nachbarland sich in der Spieltagsabrechnung bemerkbar macht.

Soweit klingt das alles nach einer aus der Not geborenem win-win-Situation für alle Beteiligten. Aber wir wären nicht im deutschen Amateur-Eishockey, wenn der Spielmodus leicht verständlich wäre. Spätestens seit dem Übervater aller Klischee-Funktionäre Wolfgang Sorge wissen wir, dass das Verstehen vom Spielmodus einer Pokalrunde im Amateur-Eishockey einen Doktortitel voraussetzt. So ist das auch beim sogenannten Interregio Cup. Jedes Team spielt drei Heim- und drei Auswärtsspiele gegen Mannschaften aus dem anderen Verband. Die Paarungen und Gegner werden noch gelost, hieß es in der Pressemitteilung des NRW-Eishockeyverbandes (EHV).

Spielmodus aus der Funktionärshölle

Mit etwas Losglück sind zwei von drei Gegnern „machbar“, mit etwas Pech erhält man drei „Brocken“. Zusätzlich fließen das erste Heim- und das erste Auswärtsspiel aus dem regulärem Ligabetrieb in die Tabelle mit ein. Neben einem undurchsichtigen Modus ist der mangelnde sportliche Wert ein weiteres Charakteristika von Pokalrunden. Der erstmalige Sieger dieses internationalen Pokals schreibt zwar ein kleines Kapitel im Buch Eishockeygeschichte, aber trotz des ähnlichen spielerischen Niveaus der neuen Gegner bleibt der sportliche Wert fraglich.

Ebendiese Gründe verbunden mit einem vermeintlich finanziellem Mehraufwand veranlassten die Ratinger Ice Aliens als einziges Team der RL-West nicht am IRC teilzunehmen. Spielmodi sind aller Regel nach eine Kompromisslösung, so viel sollte hier klargestellt werden.

Willkommene Abwechslung mit Aussicht

Der Inter-Regio-Cup bringt definitiv neue Impulse in tristen Ligaalltag. In den Sozialen Medien sind die Reaktionen auf die neue Zusatzrunde positiv. Die Fans freuen sich endlich mal auf neue Gegner zu sehen. An zuschauerreichen Standorten wird schon über Busaktionen zu Auswärtsspielen nachgedacht.

Sollte der Cup von allen Seiten positiv angenommen werden, soll er in der Saison 2020/21 wieder ausgetragen werden. Zumindest sind entsprechende Gespräche vereinbart. Und vielleicht wird dann aus der ganzen Sache mehr als nur ein willkommener Anlass in die Nachbarländer zu fahren.

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