Mehr Legenden für das DEG-Dach

Wenn Daniel Kreutzer am Samstag (17.2.2018) sein Abschiedsspiel gibt, hängt die Rückennummer der DEG-Legende längst unterm Dach des Domes. Die 23 wird nie wieder vergeben. Er ist der erst der vierte Spieler in der an Legenden reichen DEG-Geschichte. Ein erlauchter kleiner Kreis, den sich Kreutzer mit Peter-John Lee, Chris Valentine und Walter Köberle teilt.

Diese geringe Teilnehmerzahl ist schon etwas verwunderlich für ein solches Eishockey-Schwergewicht. Ein vergleichbarer Club in der nordamerikanischen NHL hätte längst zehn Nummern auf ewig gesperrt, selbst die erst 1972 gegründeten Kölner Haie haben acht Nummern gesperrt. Aber in Düsseldorf prasst man schon längst nicht mehr so mit Titel und Tradition, wie man es zu Beginn der goldenen 90er machte. Entsprechend zurückhaltend war und ist man mit solchen Eishockey-Verdienstorden. Dabei täte der Verein gut daran, noch weitere Spieler zu ehren. Auch im Sinne einer Revitalisierung des zuletzt arg unter die Räder geratenen Bildes von der großen DEG-Familie. Wir stellen Euch daher vier Spieler vor, die unserer Meinung zwingend unter das Dach gehören und eventuell ein kleiner Gedankenanstoss für den ein oder anderen an der Brehmstraße sein können.

#1 Helmut de Raaf

Wer sich die Geehrten der DEG anschaut, findet ausschließlich Stürmer: Verteidiger oder gar Torhüter – Fehlanzeige. Dabei ist es zumindest bei den Torhütern ganz leicht einen Würdigen zu finden: Helmut de Raaf. Zugegeben – de Raaf hat nicht nur bei der DEG erfolgreich gespielt. Der gebürtige Neusser holte Titel mit den Kölner Haien wie den Adler Mannheim. Als Trainer versuchte er sich bisher lediglich fernab Düsseldorfs. Natürlich ist eine spätere Funktionärskarriere bei der DEG nicht von Nachteil, will man eine Nummer ehren. Aber im Kern reden wir hier hauptsächlich immer noch über den Spieler – daher lassen wir das mit dem Trainerjob mal außen vor. Zumal: Was nicht ist, kann ja noch werden.

Und rein sportlich bleibt halt „nur“ der Publikumsliebling de Raaf über. Natürlich hat der Verein eine lange Tradition bekannter Keeper. Zwischen Rainer Gossmann und Mathias Niederberger liegen solche Namen wie Rainer Makatsch, Bobby Goepfert,  Andrei Trevilow oder Jamie Storr. Aber DEN einen Torwart, der einem sofort im Bezug auf die DEG einfällt, ist selbst heute noch Helmut de Raaf. Bei allen fünf Meisterschaften der 90er war er beteiligt. Selbst wenn er sich verletzte – wie 1996, als Carsten Gossmann auf zittrigen Kufen im entscheidenden Finalspiel gegen Köln ins Tor musste – wurde es legendär. Insofern: Auch wenn de Raaf in anderen (in Düsseldorf nicht gerade beliebten) Vereinen ebenfalls ein Faktor für Erfolg war – nirgends ist er eine solche Identifikationsfigur gewesen, wie in der NRW-Landeshauptstadt. Und da selbst eine Legendentruppe ohne Torwart nicht funktioniert: Ab unters Dach mit ihm!

# 2 Otto Schneitberger

Er ist ein klassischer Vielbesungener, einer von den Sportlern, die es nur in großen Vereinen geben kann. Einst stimmten die Fans “Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Otto nicht” an oder erwiesen ihm gesanglich auf „Stille Nacht“ die Ehre. Die Brehmstraße liebte den heute 78-Jährigen wie er die DEG sicher auch heute noch im Herzen trägt.

Otto Schneitberger war über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, das Gesicht des Vereins. Als ihn das umtriebige DEG-Führunspaar Hans und Lotte Ramroth 1962 nach Düsseldorf holte – die Düsseldorfer EG war damals gar nur zweitklassig –  zog Schneitberger damit nicht nur den Zorn des Tözer Heimatclubs auf sich, sondern gleich des ganzen bayerischen Eishockeys. Wechsel vom Freistaat in den reicheren Eishockeywesten galten damals als Verrat. Und wie die Zeiten so waren, hatten die Engstirnigen aus dem Süden auch noch Druckmittel: Otto kassierte für den Wechsel eine 18-monatige Sperre. Statt jedoch zu jammern, oder zähneknirschend in Bad Tölz zu bleiben, ging er ins Rheinland, bildete er sich in der Zwangspause beruflich fort und saß die harte Sperre ab.

Zum Glück für die DEG. Drei Meisterschaften (1967, 1972 und 1975) gewann er mit dem Club von der Brehmstraße. Acht Mal in Folge wurde er bester Scorer unter den Bundesliga-Verteidigern. Nach dem Karriereende trainierte er die DEG zwei Mal, leistete bei seinem Engagement zwischen 1983 und 1987 mehr Aufbauarbeit als manch anderer nach dem Metro-Ausstieg. Schneitberger führte den Verein vom finanziellen Tabellenende in die sportlich wilden aber erfolgreichen Zeiten unter dem potenten Präsidenten Josef Klüh.

Da sei ihm verziehen, dass er auch in Krefeld spielte sowie in Iserlohn (zu Zeiten des Skandals um das “Grüne Buch“) wie in Köln hinter der Bande stand. Sein Lebensmittelpunkt war stets Düsseldorf, sein Club die DEG. Otto Schneitberger steht vielleicht noch mehr als der bereits geehrte Walter Köberle für den Aufstieg der DEG zum einstigen “FC Bayern des Eishockeys.”  Seine aktuell eh nicht genutzte Trikotnummer 2 sollte eigentlich schon längst unter dem Dach des Domes hängen. Es wird mehr als nur Zeit für diese Ehrung. Es ist eigentlich ein Trauerspiel, dass Schneitbergers Nummer am DEG-Himmel fehlt.

#19 Petr Hejma Senior

Ein Spieler wie er würde heute in der NHL spielen und Millionen verdienen: machen wir es kurz – Petr Hejma in der heutigen Zeit wäre für den gepflegten Eishocketannenbaum das, was für Mädchen in den 90ern Take That war. Dass sich die DEG überhaupt rühmen kann, einen solchen Spieler auf Jahre beschäftigt zu haben, ist dem historischen Zufall geschuldet. Als Sparta Prag – Hejmas damaliger Club – ein Freundschaftsspiel in Düsseldorf bestritt, nutzte der olympische Silbermedaillengewinner die Möglichkeit zur Flucht. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlungs war in der Tschechoslowakei der eiserne Vorhang noch eisener.

Hejma nahm für ein Leben in Freiheit eine Sperre des Eishockeyweltverbandes in Kauf, wurde – wie Otto Schneitberger Jahre vorher – für anderthalb Jahre gesperrt. Wie ähnlich sich bayerische Sturköpfe und Kommunisten doch in dieser Zeit waren, wenn es um ihre besten Eishockeyspieler ging. Als Hejma ab 1970 auf das Eis durfte, schoss er die DEG zu zwei Titeln und verzückte das Publikum. Auch wenn er zwischendurch mal – aus Streit – in Krefeld spielte, er blieb mit seiner Familie in Düsseldorf, wurde Ingenieur bei den Stadtwerken. (Und dass, obwohl in seiner aktiven Zeit einst die Detroit Red Wings anklopften, Hejma aber geschmeichelt ablehnte.) Legendär ist übrigens auch sein letzter großer Einsatz für die DEG. Als diese 1990 mal wieder Gefahr lief, die Meisterschaft zu verspielen, sprang er als Übergangstrainer an der Bande ein und führte den Verein zum ersten Titel nach 15 Jahren. Und ebnete den Weg für die Ära Hans Zach, der auf ihn folgte.

#25 Uli Hiemer

Das eigentliche Kapitel Uli Hiemer fängt erst einmal jenseits der DEG an. Aus Füssen nach Köln gekommen, dort erfolgreich, es folgen drei Jahre NHL und die Einsicht: Dieser Stress im nordamerikanschen Eishockey muss nicht sein. Obwohl er solide Statistiken bei den New Jersey Devils hatte, wechselte er 1987 zur DEG. Natürlich zu den damals üblichen, ordentlichen Konditionen, die der Krösus vom Rhein zahlen konnte. In Köln nahmen sie es ihm damals ziemlich übel. In der Stadt des Düsseldorfer Erzrivalen kann sich Hiemer – laut eigener Aussage – privat lange nicht blicken lassen. Was aber verschmerzbar für ihn sein sollte.

Über Jahre hat der Verteidiger mehr Punkte als Spiele. Sein Schlagschuss, der in der Bundesliga unvergleichbar ist, sorgte für Tor um Tor. Erst zum Ende seiner Zeit in Düsseldorf kippt das Verhältnis der erwähnten Statistik. Am Ende seiner 457 Spiele für die DEG stehen 401 Punkte, fünf Meisterschaften und eine Freundschaft zu den “Toten Hosen”. Wer bei “Zehn Kleine Jägermeister” beim Refrain genau hinhört, vernimmt Hiemers Stimme. Nach der Karriere geht er in die Gastronomie, eröffnet Fast-Food-Restaurants, in denen für DEG-Fans hier und da auch mal ein Burger umsonst sein soll. Und er unterstützt die Rettung des EV Füssens, der sich 2015 neu Gründen muss. Unter anderem, indem er ein prominentes Neumitglied ranschafft: Campino – den Sänger der Toten Hosen. Das Düsseldorfer Lebensgefühl: Kaum einer der bayerischen DEG-Importe hat es mehr übernommen als Hiemer.

Mehr über die Legenden und weitere historische Geschichten über die Düsseldorfer EG gibt es übrigens in unserem DEG-Buch:

 

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