Kalt erwischt: Die Liga und die Kontingentspieler

Der DEB hat die Liga wegen der Kontingentspieler kritisiert. Die Reaktionen offenbaren ein wildes Durcheinander.

Der Geschäftsführer der Iserlohn Roosters, Wolfgang Brück, holte ganz weit aus. Das sei alles wie bei der Grundrente. „Da meinte der eine auch plötzlich von vorne verhandeln zu wollen. Am Ende war es nur dämlicher Populismus,“ so Brück.

Die Grundrente der DEL?

Abgesehen davon, dass es tief blicken lässt, wenn man das Feilschen um Konzepte gegen Altersarmut „dämlich“ nennt, und es dann auch noch mit der Regel für ausländische Eishockeyspieler vergleicht: Der Unmut war dem ehemaligen DEB-Vizepräsidenten deutlich anzuhören. Im Roosters-Podcast der „Westfalenpost“ lederte der starke Mann des Iserlohner Eishockeys deutlich über den Deutschen Eishockey Bund ab.

Der Verband hatte nämlich die Bühne des Deutschland-Cups in Krefeld genutzt, eine schnelle Reduzierung der sogenannten Kontingentstellen in der DEL zu fordern. Wohl abgestimmt legte der DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel vor, weitere Verbandsfunktionäre bis hoch zu Präsident Franz Reindl folgten.

Mediendebatte oder ernstes Problem?

In den Clubs und in der Liga-Zentrale hat das zu einigermaßen Aufregung geführt, wie Wolfgang Brücks Äußerungen belegen. Was die Debatte aber besonders deutlich zeigt: Wie wenig die DEL auf solche Diskussionen vorbereitet ist. Spielwochenende 1 nach der Länderspielpause lässt mehr auf einen Hühnerhaufen schließen, als auf einen koordinierten Umgang mit dem Thema.

Spricht man nämlich die Vereine auf Stefan Schaidnagel einzeln an, wird es schnell diffus. So verweisen einige auf Interviews in den Drittelpausen, die bei Magenta-Sport gelaufen und nur hinter der Pay-Wall des Magenta-Abos nachhörbar sind. Hat man ein solches, erfährt man zum Beispiel von DEG-Geschäftsführer Stefan Adam, dass das alles doch nur ein Medienthema sei, eine „unnützen Diskussion“ und ein gefundenes Fressen für Journalisten. Soweit, so simpel rausgeredet.

Populismus-Keule so weit die Interviews reichen

Aber da wäre noch Lothar Sigl, Adams Amtskollege aus Augsburg, der wie Wolfgang Brück von „Populismus“ spricht, Geduld fordert und Scheidnagels Auftritt im Pressebereich der Krefelder Arena als „unfair gegenüber den Sportmanagern“ bezeichnet, gerade so kurz vor einem turnusmäßigen Treffen von DEB und DEL, das nach dem Deutschland-Cup auf dem Plan stand. Ein Treffen, auf dem – so Sigl bei Magenta Sport – Schaidnagel übrigens keine neuen Daten vorgelegt hätte, die eine schnelle Reduzierung möglich machen würden.

Was wiederum interessant ist, da es eigentlich Schaidnagel war, der Daten von den Clubs verlangte, ob ausländische Spieler in der Breite tatsächlich für weniger Geld spielen würden als vergleichbare deutsche Spieler. Am Ende belegen müssten es die Clubs, nicht der Verband. Neue eigene Erkenntnisse, respektive Daten, hatte Schaidnagel dagegen nie versprochen.

Ehliz, Schwenningen, Nürnberg: Die offene Zustimmung

Soweit erst einmal zu den Gegnern des DEB-Vorstoßes. Aber es gibt auch offene Zustimmung für die Debatte: Da ist zum Beispiel Yasin Ehliz, der sich nach dem Sieg seiner Münchener in Düsseldorf bei der dpa geäußert hatte. Er fände die schnelle Reduzierung gut, so der Nationalstürmer. „So wie das beim Deutschland-Cup angesprochen wurde – so denken viele. Auch hier in München“, lässt sich Ehliz zitieren.

Und sowieso: Die scheinbar große Ablehnung gegen Timing, den Inhalt und die Art der Forderungen des DEB gibt es nicht. Mit Schwenningens Manager Jürgen Rumrich befürwortet – laut Eishockey News – gar ein kleinerer Club die rasche Reduzierung auf acht Kontingentspieler. Und Nürnbergs Sportdirektor André Dietzsch lobt Schaidnagel für seine Kommentierung. Der DEB-Sportdirektor habe – so Dietzsch – ein Thema angeschoben, womit er die Nationalmannschaft besser machen würde. Da sei nämlich „die letzten Jahre dann aber weniger passiert.“

Jürgen Arnolds deutliche Worte

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Deutsche Eishockey Bund in ein echtes Wespennest gestochen hat, aus dem heraus die DEL nicht wirklich schnell und abgestimmt reagiert. Das mutet für eine GmbH seltsam an, die sich formal außerhalb des DEB-Kosmos befindet, in der die Gesellschafter die Vereine sind. Einzig der Aufsichtsratschef der Liga, Jürgen Arnold, versucht wahrnehmbar für die Liga zu sprechen, lässt es aber – angesichts der unterschiedlichen Meinungen – an Differenzierung vermissen.

Er schlägt zeitweise sogar scharfe Töne an. Er verweist nach Anfrage auf die nur 20.000 aktiven Eishockeyspieler in Deutschland, den im Vergleich zur Fußball-Bundesliga deutlich niedrigeren Anteil ausländischer Spieler (52,17 zu 36,6 Prozent) und den ungünstigen Zeitpunkt.

Außerdem – so Arnold – gebe es zwischen Verband und Liga eigentlich nichts zu verhandeln. “ Bei diesem Themenkomplex sind ganz klar und nur die Clubs entscheidend, nicht der DEB“, so der Ingolstädter. Da wirkt es fast schon wie ein Gnadenbrot, dass in der Sache eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus DEB, DEL und DEL2 in Planung sei.

Eine interne Debatte, selber in die Öffentlichkeit gezogen

Beim Deutschen Eishockey Bund dürften sie sich angesichtes eines solchen Durcheinanders die Hände reiben. Was als Debattenbeitrag gedacht war, entwickelt sich immer mehr zur ganz großen Zukunfts-Geschichte des Deutschen Eishockeys. Schwer vorstellbar, wie man das Thema wieder aus der Öffentlichkeit bekommt, um in Ruhe zu verhandeln.

Stark dazu beigetragen hat die schlechte Abstimmung der Clubs. Erst eine Woche nach Schaidnagels Auftritt scheint es ein abgestimmtes Statement der Vereine zu geben, das auf Nachfrage verbreitet wird. Es liest sich unfreiwillig komisch: „Die Thematik ist ligainterne Angelegenheit der Clubs, welche in den Gremien und nicht öffentlich diskutiert wird,“ heißt es darin. Wer sagt es Wolfgang Brück, Stefan Adam, Lothar Sigl, Jürgen Rumrich, André Dietzsch und vor allem Jürgen Arnold?

2 thoughts on “Kalt erwischt: Die Liga und die Kontingentspieler

  1. Wenn wir wollen Deutsche Eishockey Entwickelt ist das Reduzierung Ausländer Spieler nötig !!
    Wollen das DEL 1 Verein oder nicht ??? Ist frage !!!
    Auch jeder DEL 1 Verein muss ich sage muss !!! Nachwuchsarbeit sehr hart Entwickelt !! zu. Bremerhaven !!!

  2. Das ein Ehliz bzw. RBM für eine schnelle und drastische Reduzierung ist, ist klar. Denn dies bedeutet noch mehr Geld für die deutschen Topspieler und die Konzentration dieser bei den reichen Vereinen. Gerade Ehliz selbst oder die Beispiele Bergmann und Loibl bestätigen dies, da kann dann nur noch die NHL dazwischen kommen. Die gegenwärtige Diskussion in der (reichen) Schweiz über immer teurer werdende Einheimische und eine Erhöhung der Ausländerstellen bestätigen diese These. Deshalb sollte man genau überlegen, ob eine drastische Reduzierung nicht kontraproduktiv wäre.

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