Hat sich die DEL verändert?

(Foto: City Press GmbH, Berlin, alle Rechte vorbehalten)

In der NHL, der stärksten Eishockey-Liga dieses Planeten, hat sich das Spiel deutlich verändert. Mehr Technik, mehr Tore, weniger Schlägereien. Ist diese Entwicklung auch in der DEL zu sehen?

In der vorletzten Ausgabe der „The Hockey News“ haben die Kollegen versucht, mit ein paar einfachen Statistiken nachzuweisen, wie sehr sich das Eishockey in Nordamerikas höchster Liga verändert hat. Die Ergebnisse sind beeindruckend, wie stark der sportliche Unterhaltungswert gestiegen ist. Wir haben ein ähnliches Rechenbeispiel auf die DEL angewendet.

Haben die Torhüter mehr Probleme?

Geht es um die Frage, wie auf dem einfachsten Weg mehr Tore fallen können, führt im Eishockey kein Weg an den Torhütern vorbei. In Nordamerika wurden vor der Spielzeit die Brustpanzer verkleinert, über den Schultern ist nun mehr Platz. Offenbar mit Effekten. Zum einen beschweren sich die Torhüter über den geringeren Schutz.

Zum anderen sinkt die Fangquote. Sie liegt mit unter 91 Prozent auf einem Zehn-Jahres-Tief. Allerdings ist es umstritten, ob das einzig an der Ausrüstung liegt. Pekka Rinne von den Nashville Predators hat eine andere Erklärung. In „The Hockey News“ sagt er, das Spiel sei schlicht schneller geworden, die Chancen dadurch besser und es gebe mehr. Für den Torwart sicher nicht immer eine Freude, für die Fans dagegen schon.

Wie sieht das für die DEL aus, in der es keine neuen Vorschriften bei der Ausrüstung gab? Auch in Deutschland ist der Schnitt der Torhüter deutlich zurückgegangen – um fast einen ganzen Prozentpunkt. Allerdings hat es in den vergangen sechs Jahren zwei Hauptrunden gegeben, in denen die Torhüter schlechtere Werte hatten.

Also: In der DEL kann man global nur sagen, dass die Torhüter-Leistungen starken Schwankungen unterlegen sind. An neuen Regeln für die Ausrüstung oder besseren Offensivspielern liegt es nur selten. Auch wenn Danny aus den Birken dem Berliner „Tagesspiegel“ erklärte, die moderne Ausrüstung und die bestehenden Normen machten es dem Torwart heute schwerer, als noch vor ein paar Jahren.

Gibt es mehr wirkliche Top-Scorer?

In der NHL deutet sich eine wahnsinnige Statistik an: Anfang Februar hatten 14 Spieler Kurs auf die magische 100-Punkte-Grenze genommen. Mittlerweile schaffen es nur vereinzelte Ausnahmespieler, diese Marke nach 82 Partien zu knacken.

Umgerechnet auf die DEL läge ein vergleichbarer Schnitt bei 63 Punkten. In dieser Spielzeit ist dies keinem Spieler gelungen. Top-Scorer Jeremy Williams von den Straubing Tigers sammelte 58 Punkte. In der vergangenen Saison war es Keith Aucoin, der genau die Zielmarke traf. Weit entfernt ist das alles jedoch von der Spielzeit 2013/2014. Dort sammelten mit Adam Courchaine (74), Steven Reinprecht (70), Kevin Cark (68) und Patrick Reimer (65) gleich vier Spieler mehr als 63 Punkte.


Allerdings hat es nach der aktuellen DEL-Hauptrunde wieder Spieler gegeben, die mehr als 30 Tore geschossen haben. Krefelds Jakub Berglund traf 32 mal, Jeremy Williams kam auf 30 Tore. Zuletzt gab es das vor vier Jahren.

Wird konsequenter gepfiffen?

Darauf ein beherztes Jein. Auch in der Deutschen Eishockey Liga ist das Spiel insgesamt weniger von Gewalt geprägt. Zwar gibt es – anders als in der NHL – keine amtliche Statistik über Faustkämpfe. Aber abgesehen von „Sena Acolatse meets Berlin“ finden so richtige Fights kaum mehr statt. Da liegt die DEL im internationalen Trend.

Spannend wird es eher bei den kleinen Strafen: Vor der Spielzeit haben sich die Vereine darauf verständigt, dass es ein neues „Protokoll bei der Ahndung von Stockschlägen“ gibt. Übersetz heißt das: Es wird schneller mal eine kleine Strafe ausgesprochen. In den Statistiken macht sich das jedoch kaum bemerkbar:

In den vergangenen sechs Jahren gab es drei Spielzeiten, in denen das durchschnittliche DEL-Team mehr kleine Strafen bekam. Entsprechend schwierig, ist es einen wirklichen Effekt auf die Ergebnisse nachzuweisen. Was auch die folgende Statistik zeigt.

Fallen mehr Tore?

Mit 2155 Toren sind in der abgelaufenen Hinrunde so viele wie seit 2010 nicht mehr gefallen. Selbst in Spielzeiten mit einer höheren Zahl an Überzahlspielen gab es nicht so viele Treffer wie nach dieser Hauptrunde:

Da wir die Zahl der ausgesprochenen Strafen – wie oben beschrieben – als Faktor vernachlässigen können, muss es andere Ursachen geben. Womit wir wieder bei der Qualität der Offenivspieler sind, die scheinbar zugenommen hat. Oder bei der Torhüterausrüstung. Oder aber bei dem Umstand, dass die DEL-Trainer eine insgesamt offensivere Ausrichtung wählen. Einen genauen Grund wird man schwierig ausmachen können, es ist wohl eine Kombination aus allen genannten Möglichkeiten.

Hat sich das Spiel in der DEL also tatsächlich verändert?

In der NHL konnte „The Hockey News“ mit vier vergleichbaren Statistiken deutlich nachweisen, wie stark sich das Spiel in dieser Spielzeit verändert hat. Die körperliche Härte ist noch deutlicher auf dem Rückzug, Technik, Geschwindigkeit und auch eine bessere Athletik machen es Defensivreihen wie schlechter ausgerüsteten Torhütern schwerer. Neue Spielweisen durch immer jüngere Top-Stars sind auf dem Vormarsch. Das wiederum ist im Umkehrschluss gut für das Spektakel und somit für den Zuschauer. In der DEL ist der Trend, in welche Richtung sich der Sport entwickelt noch offen. Was auch eine Erkenntnis ist. Zumindest wenn es um die Erwartungshaltung an die kommende Spielzeit geht.

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