Fünf Wünsche für eine bessere CHL

Unser kleines Gedankenexperiment für die Champions Hockey League.

Die Champions Hockey League entwickelt sich immer weiter zu einem ehrbaren und spannenden Wettbewerb. Allerdings gibt es noch die ein oder andere Baustelle für Europas größten Vereinswettbewerb. Fünf Wünsche, wie die CHL erfolgreicher werden kann.

Wunsch #1: Höhere Prämien für mehr Anreiz

Die CHL kann sich lohnen. Zumindest, wenn man sie gewinnt. In diesem Jahr kriegt der Sieger 425.000 Euro. Besonders für die Mannschaften aus dem Land des Abo-Siegers Schweden viel Geld. Die SHL bietet Top-Eishockey bei Jahresbudgets von um die fünf Millionen Euro. Von Summen wie in Bern, München oder Mannheim träumen sie im Norden. Da sind um die zehn Prozent des Jahresbudgets schon eine heiße Nummer.

Insgesamt gesehen ist die CHL jedoch noch ein Prämien-Zwerg. Zwar sind durch Reisekostenzuschüsse die Zeiten vorbei, in denen eine Teilnahme sogar noch je nach Gruppe und Anreise Verlust bedeutete. Aber die aktuell 2,34 Millionen Euro sind auch nicht der Rede Wert. Zieht man hier die Prämie für den Champion ab, bleiben noch etwas über 1,9 Millionen für die verbliebenen 31 Teams. Man will sich nicht ausdenken, welche Krümel das für Mannschaften sind, die in der Vorrunde aussteigen.

Die aktuelle CHL-Prämientabelle (Quelle: CHL-Mediaguide)

Zwar steigen bis 2023 die Prämien noch einmal deutlich – auf dann fast 3,5 Millionen Euro, bei 705.000 Euro für den Sieger. Aber: Das sind immer noch keine Summen, bei denen man im nationalen Wettbewerb traurig ist, wenn man knapp die sportliche CHL-Qualifikation verpasst. Es ist noch Luft nach oben. Langfristig sollte vielleicht eine Faustregel das Ziel werden: Mit der Teilnahme an der Champions Hockey League hätte jeder Verein mindestens 100.000 Euro mehr in der Kasse. Davon lässt sich der ein oder andere Top-Spieler finanzieren, und macht die Teilnahme endgültig attraktiv.

Wunsch # 2: Einen neutralen Finalort

Wer keine Ahnung vom Eishockey hat, ist immer erstaunt, wenn er das Finale sieht. Für die im Gesamtwettbewerb erfolgreichere Mannschaft ist es immer ein „Finale zuhause“. Aus Angst vor einer leeren Halle richtet immer einer der beiden Finalisten das Endspiel aus, Heimvorteil inklusive. So musste der EHC München im vergangenen Jahr bei Frölunda in Göteborg ran.

Wissenschaftlich ist es inzwischen klar – auch wenn die Gründe unbekannt sind – dass es einen Heimvorteil im Sport gibt. Das ganze ist daher maximal unschön. Man bleibt unter sich, da sich die Mehrheit der Heimfans mit Tickets eindeckt und fast nur die „Die-Hard-Fraktion“ des Gastes zum Spiel kommt. Ein großes Aufeinandertreffen verschiedener europäischer Fans ist das nicht. Eher das Setting für ein reguläres CHL-Spiel, nur dass es dieses Mal um einen Pokal geht.

Warum also nicht endlich den mutigen Schritte wagen, und vor der Spielzeit einen Finalort aus dem Kreis der Teilnehmer benennen? Auch auf die Gefahr hin, dass dann zwei schwedische Mannschaften in der Schweiz spielen müssten, es hätte Charme. Die Liga wäre zu einem ganz anderen Vermarktungskonzept gezwungen. Warum das Finale dann nicht an einem Samstag steigen lassen? Wo sich noch einmal rund um die Halle sämtliche Clubs präsentieren können? Für viele Eishopper und auch ganz normale Fans hätte das seinen Reiz. Und man muss ja auch nicht gleich in Berlin, Köln, Prag oder Bern anfangen. Vielleicht reicht auch eine mittelgroße Halle wie in Biel, Augsburg oder Espoo.

Wunsch #3: Ein (noch) besseres Medienportal

Ein altes, leidiges Thema im Eishockey: Die Bildpräsenz im TV – egal ob im klassischen Fernsehen oder beim Streaminganbieter. In dieser Spielzeit ist die CHL nicht mehr bei DAZN zu sehen, deutsche Spiele gibt es bei Sport1, einige davon nur im Stream. Das ist okay, aber auch nicht gut. Wer zum Beispiel die anderen Spiele ohne deutsche Beteiligung sehen will, kann das über das CHL-Portal via YouTube erledigen. Allerdings häufig ohne Interviews, Kommentar oder sonstige Gimmicks. Es ist einfach – Achtung Fachsprache – der jeweilige Feed des übertragenden Senders.

Zwar ist Eishockey eine an sich spannende Sportart, aber ein bisschen Drumherum schadet ja nicht. Und im Kern geht es auch nicht um die TV-Präsenz der Liga. Die ist überraschend gut. Schaut man sich den Internationalen Partner-Plan der CHL an, gibt es sehr viel Breitenprogramm. In Österreich überträgt der ORF, in der Schweiz ebenso der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Mehr geht natürlich immer, aber der Anfang ist nicht schlecht.

Mehr Content mit Spaßfaktor (Quelle: www.championshockeyleague.com)

Was jedoch fehlt, sind die Geschichten. Die CHL braucht noch mehr Video-Content, der auch dem normalen Hockeyfan Europas Kufensport schmackhaft macht. Exklusive Dokumentationen, vielleicht ein eigenes Magazin (im Stile von „NHL on the Fly“), selbst noch mehr solch alberner Spielchen wie die DEL-Kühlbox oder der Frage danach, wo welcher Gegner in Europa geographisch liegt – die Kreativität mit dem Bildmaterial sollte noch weniger Grenzen kennen. Klar ist das teuer, aber auch für Sponsoren eine zusätzliche Plattform, Werbung anbringen zu können. Die CHL steht da – im sechsten Jahr ihres Bestehens – trotz einiger Bemühungen – noch lange nicht am Ende ihres Weges.

Wunsch # 4: Holt die KHL ins Boot

Das ist eigentlich ein No-Brainer, der aber immer noch nicht realisiert ist. Die KHL meidet die CHL – die Debatte um das Fehlen der russischen Multinationenliga ist so alt wie die Champions Hockey League. Ohne die Kontinental Hockey League fehlt allerdings die nominell stärkste Liga des Kontinents, was die KHL trotz großer Finanzprobleme zweifelsohne noch ist.

Man kann es natürlich verstehen: Warum sollte sich eine Liga, die sich im Schatten der NHL wähnt, an einem Wettbewerb wie der kleinen CHL beteiligen? Es hat bis vor ein paar Jahren durchaus noch Sinn ergeben, dass die Entscheider in Russland kein Interesse haben, ein Konkurrenzprodukt durch Teilnahme zu stärken. Inzwischen sollte man diese Betrachtungsweise anpassen. Die Versuche der KHL, nach Westeuropa zu expandieren sind allesamt gescheitert. Ligaspiele in der Schweiz und Österreich fanden vor nicht ausverkauften Tribünen statt.

Der Weg, das Image zu stärken, auch im Westen volle Hallen zu kreieren geht eigentlich nur noch über die CHL. Es ist nämlich längst nicht ausgemacht, dass die KHL Schweden als Abo-Sieger ablöst. Mannschaften wie Frölunda, Oulun, Bern oder gar München oder Mannheim brauchen sich nicht unbedingt hinter den KHL-Spitzenteams verstecken. Ginge es nur nach dem Papier, müsste die Schweizer Liga die CHL dominieren. Doch das tut sie nicht, in der Breite gibt es nicht selten bessere Teams. Worauf wartet die KHL noch? Die CHL wäre für die russische Liga inzwischen mehr Werbeträger als Wettbewerber.

Wunsch # 5: Statt NHL-Freundschaftsspiele her mit dem Welt-Cup

Mit der Teilnahme der KHL hätte man zudem Argumente für den ultimativen, aktuell noch utopischen Wunsch: Ein Weltfinale zwischen dem Sieger der CHL und dem aktuellen Stanley-Cup-Sieger. Man stelle sich das vor: St. Louis gegen Frölunda statt ein langweiliges Testspiel der Chicago Blackhawks in Berlin. In der Pre-Season der NHL wäre Luft für diesen ultimativen Vergleich.

Man wird noch Träumen dürfen (Bild: CHL/NHLPA)

Natürlich ist das für die NHL aktuell keine Option. Der NHL geht es um die alleinige Vormachtstellung im globalen Hockeygeschäft. Da gibt es keinen Kuchen, der sich zu Teilen lohnt. Erst recht nicht, wenn am Ende plötzlich hungrige, junge Teams aus Schweden den aktuellen Stanley-Cup-Sieger vom Eis fegen, weil sich dort die Spieler für den Saisonstart schonen. Aber man wird doch mal träumen dürfen. Vielleicht ist die CHL irgendwann so gut, dass ein Vergleich – unabhängig des sportlichen Ergebnisses – für alle Seiten lukrativ ist. Aber das wird noch ein langer Weg.

Also gut, bieten wir einen Kompromiss an. Lassen wir den Calder-Cup-Sieger der AHL gegen den CHL-Champion antreten. Ist zwar eine Nummer kleiner. Aber trotzdem sportlich spannend. Und wer weiß – vielleicht wird das eine Show, an der die NHL nicht mehr vorbei kommt.

One thought on “Fünf Wünsche für eine bessere CHL

  1. Wie bitte die nhl nicht mehr zugast in Deutschland das ist eines besten Ereignisse des Jahres chl vs Stanley cup Gewinner ist doch kein Vergleich geschweige denn ein ersatz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Next Post

Endlich wieder Krieg beim ERC Ingolstadt

Der ERC Ingolstadt hat ein neues Trikot im Militärlook. Eine saudumme Idee!