Fünf wichtige Lehren aus dieser DEL-Saison

Mit dem Titelgewinn des EHC München endet eine durchaus historische Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Das Olympiasilber hat zu einer positiveren Wahrnehmung der Liga geführt. Wir haben fünf Punkte zusammengestellt, damit das so bleibt.

Dabei geht es nicht um die dicken Bretter, wie Auf- und Abstieg, Schiedsrichter, Kontingentspieler oder fehlender Tradition. Die wird man über den jetzt anstehenden Sommer nur anbohren können. Jedoch gibt es die ein oder andere kleinere Stellschraube, an der man drehen kann und sollte, will die Liga insgesamt noch mehr Reichweite und Zustimmung erzeugen.

1.) Redet über breitere Live-Übertragungen

Na, auch aufgeregt, dass die Finalspiele ab der fünften Partie nur noch im Pay-TV bei Telekom Sport zu sehen waren? Seltsam: Im vergangenen Jahr war es auch so: Nur vier Spiele gab es auf SPORT1 zu sehen, eine Partie (das eher belanglose Spiel 3) gab es nur mit Abo. Das ist soweit verständlich: Telekom will eine Rampe, die zu mehr Abos führt. Da führt die Gier nach weiteren Spielen sicher zum ein oder anderen Vertragsabschluss. (Der einem auch noch einfach gemacht wird. Zumindest reden wir hier nicht über ein künstlich kompliziert gehaltenes Sky-Abo.) So richtig diese Strategie ist, so falsch ist sie dann doch.

Als vor fast nun zwei Jahren DEL und der Telekommunikationskonzern ihre Partnerschaft eingegangen waren, geschah Historisches. Erstmals kann man alle Spiele der Liga live sehen. Hinzu kamen sonntägliche Übertragungen einzelner Partien auf dem reichweitenstärkeren SPORT1 (im Vergleich zum Vorgänger ServusTV). Alle Seiten beteuerten jedoch, den bescheidenen 16-Millionen-Deal durch weitere Rechtepakete mit anderen Sendern durchaus aufwerten zu können. Die Serie München gegen Berlin wäre ein guter Anlass gewesen, hiervon Gebrauch zu machen. Schade, dass die regionalen Dritten von BR und RBB nicht mit im Boot saßen. Aber auch kein Beinbruch: So kurzfristig und flexibel ist das in sich starre Geschäft Fernsehen auch im Jahr 2018 noch nicht.

Dennoch sollten Liga und Telekom darüber nachdenken, zusätzliche Spiele einzeln anzubieten. Freitagsspiele von Köln gegen Düsseldorf, Schwenningen gegen Mannheim oder Nürnberg gegen München machen sich bestimmt schick auf WDR, SWR oder BR. Für die Reichweite nicht schlecht und sicher ein Angebot, dass man den Sendern machen kann. Vielleicht sind die ja längst nicht mehr so abgeneigt, wie es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Und die Telekom-Exklusivität, alle Spiele anbieten zu können, bleibt von weiteren Einzelübetragungen unberührt.

2.) Mehr Mut gegen die Fußball-Bundesliga

Sorry, aber Spiel 7 eines Finales auf einen Donnerstag zu terminieren? Wovor hat man Angst? Mit der Hallenbelegung kann es nichts zu tun haben – der Rahmenspielplan wird früh bekannt gegeben. Und das Commitment auf Freitag als finalen Spieltag würden auch die Planungschaoten aus Köln noch so gerade auf die Kette kriegen, und die Halle nicht an die nächstbeste Show eines Tiertrainers (“Was tun, wenn die Schlange würgt?”) abtreten lassen.

Nein, es drängt sich ein anderer Verdacht auf. Der mögliche Freitag in diesem Jahr wäre der gewesen, an dem das letzte Freitagsspiel der Fußball-Bundesliga abgehalten wird. (Das ewig junge Duell Hoffenheim gegen Hannover). Es ist nur Spekulation, würden allerdings ins allgemeine Bild passen: Gegen den wirkungsmächtigen Volkssport will man seit jeher nicht anstinken.

Warum eigentlich? Natürlich wird man nie an die Reichweiten des Rasenballsports rankommen. Aber man sollte sich nicht an ihm orientieren. Die Bundesliga ist übersättigt. Die Chance für die DEL: Mit selbstbewussten Ansetzungen, breiterer Kommunikation der eigenen Stärken und einem Verzicht auf Fußballvergleiche holt man im Zweifel den ein oder anderen mehr wieder zurück zum Eishockey, als man glauben will.

3.) Wie wäre es mit einer vernünftigen Social-Media-Strategie?

Zunächst eine Klarstellung: Social Media ist kein Wunderheiler. Ein guter Auftritt bei Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat bedient in erster Linie die eh schon Interessierten. Diese Community kann die Liga auf den Plattformen pflegen, Fans – die ja nun auch einmal Multiplikatoren sind – finden hier gute Argumente für ihren Sport. Daher ist Social-Media ein gewichtiger Mehrwert für das eigene Produkt. Aber eben nicht der Retter des Eishockeys. Das haben diese Medien übrigens mit den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gemeinsam. Viele sehen in den fehlenden Übertragungen auf ARD-Sendern den Hauptgrund für die geringe Bekanntheit und überschätzen so die Wirkungsmacht dieser Medien.

Unterschätzt werden dagegen die dramatischen Folgen unterklassiger, ja bisweilen dilettantischer Social-Media-Auftritte. Fangen wir mit dem Schlimmsten an: Was die DEL auf Twitter liefert, würde bei einem mittleren Fußballzweitligisten zur Kündigung des Verantwortlichen reichen. Dauernde Link-Tweets zu Facebook (die Todsünde in diesem Medium) und der Gipfel in den Play-offs: Tweets mit Bildankündigungen ohne Bilder. Das mögen wir Medienschaffenden auf der Meta-Ebene irgendwie witzig gefunden haben, ist es aber nicht. In einer nordamerikanisch geprägten Sportart das wichtigste soziale Medium der USA derart zu bespielen, hat mit einer Profiliga nichts zu tun.

Etwas besser sieht es bei Facebook aus. Dort hat die Liga inzwischen etwas professionellere Bildkacheln entwickelt, wird so halbwegs eine Coporate Identity eingehalten. Aber eine tiefere Analyse verhagelt einem dann doch wieder die Laune. Videos ohne Bauchbinden und Untertitel lassen den neuen Fan raten, wer da gerade redet. Berichte über fast schon pöbelnde Antworten, wenn Fans mal kritische (und ja, auch hier und da dumme) Kommentare hinterlassen, sind legendär. Einzig Instagram sieht halbwegs gut aus – auch wenn da in Sachen Storys und Mehrwert sicher noch mehr geht. Und von einen brauchbaren You-Tube-Chanel, auf dem die Liga historisches, aktuelles und auch abseitiges Material professionell präsentieren kann, ist eh nicht die Rede. Nein, der Social-Media-Auftritt der Liga liegt irgendwo zwischen einem ostdeutschen Wutrentner und beleidigtem Teenager ohne Smartphone. Vielleicht investieren die Gesellschafter (also die Clubs) ein wenig in neues Personal für die Bespielung dieser Kanäle.

4.) Schafft Fantage der Liga

Vor jeder Spielzeit veranstaltet die DEL einen Media-Day. Dort entstehen die “lustigen” Einspieler für die Spielpausen, die Telekom Eishockey dann über die Saison zieht. Alle anderen Journalisten haben die Möglichkeit, ohne Druck mit Spielern und Verantwortlichen zu diskutieren, sich auf die Spielzeit einzustimmen. Hier werden Kontakte geknüpft und Teilnehmer wie Teilnehmerinnen berichten von einer guten Einrichtung.

Diese Veranstaltung könnte man weiterentwickeln. Die spielfreie Zeit ist lang, das Interesse am Sport über den Sommer am Köcheln zu halten ist schwierig. Vielleicht hilft eine Road-Show im Sommer. Einfach mal probieren. Vielleicht wird es ein Erfolg, wenn sich die Liga als homogene Einheit präsentiert und nicht als Gruppe von Einzelinteressen getriebener Krämerladen.

5.) Nehmt Kritik als wichtigen Teil des Spiels wahr

Es ist schon etwas diffus: Während Eishockeyspieler und -Offizielle in Interviews oft eine Wohltat sind, weil sie wie Menschen antworten statt wie geschulte Sprachroboter, hat die Branche einen seltsamen Umgang mit Problemen. Dinge wie Überschuldung einzelner Clubs sind kaum Teil der ehrlichen Analyse. Gibt es fundamentale Kritik, seriös vorgetragen, stellt man nicht selten einen Abwehrreflex fest. Nicht unfreundlich aber doch schon deutlich wird dann beteuert, dass kritische Nachrichten doch dem Sport schaden. Die Mentalität, Dinge eher unter den Teppich zu kehren als sie anzusprechen, ist weit verbreitet.

Selbst unabhängige Fanmedien springen hier eher ihren Clubs bei, als offensichtlichste Mängel deutlich anzusprechen. Die Schere im Kopf – aus Angst vor Schaden in der Öffentlichkeit –  man spürt sie im Eishockey sehr häufig. Das ist Schade – gerade weil die meisten Protagonisten im Hockey zugängliche und kluge Menschen sind. Mehr Lockerheit schadet nicht. Eine banale wie wichtige Erkenntnis.

Mehr zu DEL gibt es auch in unserem aktuellen Podcast:

1 Trackback / Pingback

  1. Der Hype, den es nie gab – Shorthanded News

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*