Weitere Fehler verboten

Die Düsseldorfer EG hat sich dann doch noch vor Saisonende von ihrem Trainer Mike Pellegrims getrennt. Es ist der Deckel auf eine Spielzeit, die kaum mehr zu retten ist.

Natürlich musste die Düsseldorfer EG sich von Pellegrims trennen. Nach dem 0:5 in Bremerhaven ist es richtig, den ohnehin schon abgesprungenen Coach noch vor dem 52. Hauptrunden-Spieltag zu entlassen. Einzig die Frage bleibt, warum man das nicht schon vor Wochen erledigt hat, als Pellegrims dem Verein mitteilte, sich ab der kommenden Saison als Co-Trainer den Adlern aus Mannheim anzuschließen?

Zu späte Entlassung Pellegrims‘

Gab es doch keinen sachlichen Grund, an ihm festzuhalten. Schon zum Zeitpunkt seiner Entscheidung war die DEG nicht unter den Topteams und schrammte nur knapp über der Linie zu den Pre-Play-offs. “Pelle” hatte zudem kein Verhältnis zur vielbeschworenen DEG-Familie. Plaudern mit Fans? Mitfahrt im Sonderzug? Offene Erklärungen zu Taktik und Spielidee? Grundsätzliche Identifikation mit dem Club? Nein, alles bei Pellegrims nicht zu finden. Hinzu kamen ein paar unglückliche Auftritte in der Öffentlichkeit – der Belgier war schon durchgefallen, da hatte er noch nicht einmal angefangen.

Sportlich war er nicht in der Lage, die Schwächen der Mannschaft zumindest ins Annehmbare zu verbessern. Und der Fall “Marcel Brandt”, der aus einem Nationalverteidiger einen auf der Tribüne hockenden Stürmer machte, spricht nicht für ihn. Selbst der Umstand, dass Brandt zu den pflegeintensiveren Profis gehört, will man Pellegrims dann irgendwie nicht positiv anrechnen. Sagen wir es positiv: Ein unrühmliches Trainerkapitel geht harmlos zu Ende. Der Freigestellte hat längst verstanden, ein besserer Co-Trainer zu sein. Soviel Einsicht spricht für ihn. Noch kann die DEG in die Play-offs kommen, auch wenn das schwer erscheint. Und die Verantwortlichen haben in Ruhe Zeit, einen neuen Trainer zu finden, der besser zum Club und den Menschen dort passt.

Nicht nur der Trainer steht in der Schuld

Womit wir beim aktuell größeren Problem sind. An der sportlichen Misere ist nicht alleine der Ex-Trainer Schuld. Das wäre zu einfach. Die Probleme waren seit Monaten bekannt. Sein angekündigter Abgang wäre eine weiche Chance gewesen, schon früher den Finger Richtung Tür zu zeigen. Anders als bei Christof Kreutzer, dem Vorgänger, ist der Verein inzwischen personell besser ausgestattet, es gibt mit Niki Mondt zum Beispiel einen sportlichen Leiter. Und es ist sein Job, die Arbeit des Trainers zu bewerten. Er hat sich mit Geschäftsführer Stefan Adam auf einen Coach verständigt, der halt am Ende eben nur das ist, was er künftig sein wird: Ein guter Assistent.


(Interimstrainer Tobi Abstreiter im ersten Interview)

Beide haben also zu lange an ihm festgehalten. So lange, dass man den Eindruck haben könnte, das Schicksal der beiden Novizen unter den Eishockeyfunktionären hänge an Pellegrims. Dieses Bild kriegen sie nun nicht mehr so leicht aus der Welt. Mal wieder wurde der richtige Zeitpunkt verpasst, den Absprung zu schaffen. Im Falle Stefan Adams ist es das zweite Mal: Schon die Trennung von Christof Kreutzer war ein quälend langes Schauspiel. Und für Mondt ist es ein denkbar schlechter Start in den neuen Job.

Unglückliches Auftreten

Zumal beiden nicht nur das Thema Pellegrims anhängt. Auch jenseit davon haben beide ihre unglücklichen Momente. Mondt hat aktuell wegen der Personalie Huß offenbar den Kooperationsverein Bad Nauheim wegen des DEL-2-Vorletzten Bad Tölz verärgert. Springen die Hessen als Partner ab, wäre das schon ein schwerer Flurschaden. Und Adam hat es bisher zwar vermocht, den Club finanziell und strukturell endlich zu professionalisieren. Aber er schafft es nicht, eine spannende Geschichte mit dem Verein zu erzählen. Etwas, das die Menschen auch jenseits des Sportlichen begeistert. Unter Adam wirkt die DEG clean und auch etwas kalt.

Beide sind daher angezählt. Ihre Antwort auf die Episode Pellegrims wird entscheidend für ihre eigene Zukunft sein. Sie müssen Zöpfe abschneiden, ohne den x-ten Neuanfang auszurufen (das würde man ihnen nämlich nicht abkaufen). Sie brauchen einen Kader, der gut arbeitet und so nahbar ist wie nötig. Und es braucht einen Trainer, der fachlich respektiert und menschlich akzeptiert wird. Nicht von den Journalisten (im Erfolgsfall sind wir für die Tagesarbeit ziemlich egal), sondern von den Fans.

Vorsicht vor dem Klüngel

Eine schwierige Aufgabe. Deren Lösung nicht noch mehr Novizen sein können, mit denen man persönlich gut befreundet ist. Tobias Abstreiter (der sowieso im Februar als Co-Trainer der DEB-Auswahl in Südkorea weilt) mit den Mondt-Kumpels Thomas Dolak und Daniel Kreutzer sind zwar jetzt das richtige und billigste Trainerteam. Eine langfristige Lösung können sie jedoch nicht sein. Dazu sind sie zu Unerfahren, als dass es nicht wie Klüngel aussehe, würde man sie mit längeren Trainerverträgen bei der DEG ausstatten.  

Mehr zu Mike Pellegrims hört Ihr in unserem Podcast.

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