Endlich wieder Krieg beim ERC Ingolstadt

Der ERC Ingolstadt hat ein neues Trikot im Militärlook. Eine saudumme Idee!

Die Kritik kam sogar vom Gegner. „ Ingolstadt verteidigt das Hockey am Hindukusch “ twitterte ein Mitglied der Eisbären-Geschäftsstelle. Man mag das übertrieben oder gar doppelmoralisch finden, gibt es doch für schlanke 19,90 Euro einen Camouflage-Schal der Eisbären. Aber im Kern trifft die Aussage das Problem.

Weltgeschehen bleibt schwer planbar

Dabei kann man den Ingolstädtern erst einmal zugute halten: So ein Trikot schustert sich nicht über Nacht. Mindestens ein paar Wochen Vorlauf brauchen Planung wie Produktion. Dass dann zum Zeitpunkt der Präsentation ein Mitglied der Nato (die, die mal gegen den in Bayern so gefürchteten Russen-Einmarsch schützen sollten) in Syrien einmarschiert, um die Kurden zu vertreiben, das konnte man nicht ahnen.

Aber man hätte mindestens bei der Präsentation die türkische Militäroffensive auf dem Schirm haben können, wie auch all die Verwerfungen, die das Thema in Deutschland mit sich bringt. Ein Blick in den Sportteil einer handelsüblichen Zeitung hätte während der Fußball-Länderspielpausen genügt, um die Trikots noch eine Weile in den Schrank zu hängen. 

Top-Gun-Spielchen bei Airbus

Aber stattdessen entscheiden sich die Verantwortlichen beim ERC für die maximal dümmste Promo: Sie lassen zwei Spieler bei Airbus – „Premiumpartner“ der Panther – vor zwei Kampfjets das Trikot präsentieren. Als Reminiszenz an den Film Top-Gun. Damit auch ja keiner den militärischen Charakter übersieht. 

Jetzt kommt mir in dem Zusammenhang nicht mit Top-Gun als seichten Unterhaltungsfilm einer vergangenen Epoche und dem Augenzwinkern, auf das der ERC in einer Mitteilung verweist. Fangen wir einfach mal vorne an: Hollywood ist auch nach dem Ende des Kalten Krieges Werbeträger für das US-Militär, genauso wie die Sportligen NHL und NFL. Googelt mal, wer solche Popcorn-Filmchen wie „Transformers“ finanziert. Man könnte es auch Propaganda nennen.

Zeitpunkt, Darstellung, Vergleiche – alles absurd

Aber um die Debatte über den Sinn und Unsinn des US-Patriotismus und dem daraus folgenden Militarismus geht es nur am Rande. In Nordamerika ist es nach zwei gewonnenen Weltkriegen – zumindest im Sport – nun einmal Tradition, dass rund um den 11.November alljährlich der sogenannte Veterans-Day begangen wird. Hauptsächlich als Erinnerung an zwei Weltkriege, welche die USA zweifelsfrei zum Besseren gewendet haben. (Zweifler bitte hier klicken.) Auf das weitere militärische Engagement der USA wollen wir jetzt mal nicht weiter eingehen – dann wären wir nämlich ganz schnell wieder beim aktuellen Konflikt.

Ich kann also kein „Augenzwinkern“ daran finden, wenn aktuell (und auch sonst) ein Deutscher Eishockeyclub meint, in Camouflage vom Flugzeugträger (seit wann braucht man im Flugzeug eigentlich Tarnfarben?) abheben zu wollen. Was soll kurz vor dem 11.11. der Hintergrund für die Trikots sein? Die Antworten – sofern es wirklich je Argumente und Ideen gab – will ich mir besser nicht anschauen.

One thought on “Endlich wieder Krieg beim ERC Ingolstadt

  1. Ich kann zu Deiner Betrachtung in der Sache nichts wesentliches ergänzen (außer vielleicht meine allgemeine, jederzeit und gegenüber jedem geltende Abscheu gegenüber dieser Art der Militarisierung des öffentlichen Raumes).

    Wie ich aber bereits anderswo völlig unsachlich ergänzt habe: Ist denen eigentlich klar, dass nichts so schreit „Alle unsere Anhänger sind Provinz-Deppen“ wie dies?

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