Die gute Idee von der BeNeWe-Regionalliga

Die belgisch-niederländische BeNe-League möchte mit der Regionalliga-West fusionieren – die westlichen Nachbarländer versprechen sich im Wettbewerb mit den deutschen Viertligisten aus NRW besseren Sport. Das klingt verrückt, ist aber auf vielen Ebenen eine spannende Idee.

Es gibt solche Floskeln, die eigentlich jenseits jeder Kreativität sind. Aber in diesem Fall ist eine angebracht: Der Geist ist aus der Flasche! Es wird schwer für alle Beteiligten, ihn wieder in das Gefäß zu bekommen. Und wie immer im deutschen Eishockey schleichen Ideen beiläufig, fast unbemerkt an die Öffentlichkeit. Wie in diesem Fall. Da verkünden die Ratinger Ice Aliens, wer ihr neuer Trainer wird – und hauen am Ende der Meldung einen raus:

Sechs Clubs aus Nordrhein-Westfalen in einer Liga mit acht bis zehn Vereinen aus den Nachbarländern – eine trinationale Liga in Deutschlands vierter Liga – so die Kurzfassung des Gerüchts. Es passt zu den Bemühungen des niederländischen Verbandes, der händeringend nach Optionen sucht, besseren Wettbewerb für seine Spieler zu finden. Das Land, in dem Eisschnelllauf Nationalsport ist und die Hockeyherren Weltspitze sind, verwundert es, dass Eishockey in der Nische hängt.

Trostloses BeNe-Hockey aufpolieren

Die heimische Liga spiegelt das Niveau der Nationalmannschaft wieder. Oranje spielt aktuell um den Aufstieg in die Drittklassigkeit. Nur die Tilburg Trappers stechen als Drittliga-Meister in Deutschland heraus – und polarisieren durch ihre Übermacht gepaart mit mangelnder Aufstiegsperspektive. Einige Clubs in Deutschland wollen sie loswerden, während der niederländische Nationaltrainer Doug Mason dagegen vorschlägt, noch ein Team aus dem Nachbarland in die Oberliga aufzunehmen. “Das könne Den Haag sein, dass könne Herenveen sein, so könne man 22 weitere Spieler auf höherem Niveau ausbilden”, sagt Mason den Shorthanded News.

Der neue Vorstoß, unterhalb der Oberliga Vereine aus Deutschland, Belgien und der Niederlande zusammenzuführen, könnte dieser Idee Vorschub leisten. Aktuell will nämlich kein Regionalligist aus dem Westen aufsteigen. Die Kosten sind zu hoch, die Angst vor der Überschuldung ebenso. Entsprechende Regularien mit DEB und NRW-Landesverband vorausgesetzt, könnte dieses Problem der Vergangenheit angehören. Ein sportlicher Aufsteiger aus den Niederlanden oder Belgien (was aktuell unwahrscheinlicher ist) würde sein Recht wahrnehmen, wenn er von Seiten des deutschen Verbandes dürfte.

Gelöstes Aufstiegsproblem, vollere Hallen, besserer Wettbewerb

Und nicht nur das Aufstiegsproblem wäre gelöst. Die Hallen wären zum Start der neuen Liga voller. Statt Mini-Liga gibt es interessante Gegner für alle Beteiligten. Bei einem gut überlegten Spielmodus könnten so die gestiegenen Reisekosten kompensiert werden. Vollere Hallen bedeuten mehr Öffentlichkeit und mediale Wahrnehmung. Wenn zum Beispiel Ratingen nicht nur vor 300 Zuschauern, sondern in der Mehrheit vor 600 bis 800 Zuschauern spielt ist das schon eine gewaltige Steigerung. Dieser kurzzeitige Effekt würde sicher eintreten.

Ein anderes Argument für diese Lösung würde Argumenten der Kritiker aufgreifen. Mit der Etablierung dieser Liga könnte man die Spielregeln, die einst mit Tilburg vereinbart wurden noch einmal anpassen. Viele werfen der bisherigen Lösung vor, dass der niederländische Serienmeister aus Brabant zwar vom hiesigen Niveau profitiere, während er sich nicht an der Entwicklung und Erhaltung der sportlichen Infrastruktur in Deutschland beteiligt. Jetzt wäre der Zeitpunkt, auch mit ausländischen Interessenten über Zahlungen in den Fördertopf für den deutschen Nachwuchs, dem sogenannten „Reindl-Pool“, zu reden. Davon war Tilburg bisher befreit – eine tatsächlich bestehende Gerechtigkeitslücke.

Geld und Infrastruktur für deutschen Nachwuchs von den Nachbarn

Weniger ernst nehmen sollte man die Sorgen um den DEB-Nachwuchs nehmen, sollten unterklassige Ligen mit Teams aus den Niederlanden und Belgien überschwemmt werden. Stellt man – wie im EU-Arbeitsrecht vorgesehen – Spieler der drei Nationen vollkommen gleich, gibt es eigentlich nur Gewinner. Wie häufig klagen wir im Westen über mangelnde Möglichkeiten für junge Spieler jenseits der Deutschen Nachwuchs Liga. Mit der neuen Liga gäbe es nun ganze zehn Optionen mehr, einen Nachwuchsspieler hin und wieder bei den Senioren einzusetzen – selbst wenn es nur viert- oder drittklassig ist. Entsprechende Kooperationen mit größeren Clubs natürlich vorausgesetzt.

Um es kurz zu sagen: So verrückt es klingt, wenn sich eine europäische erste Liga sich mit einer vierten Liga des Nachbarlandes Verzahnen will – die Idee hat mehr Charme, als manch einer glauben möchte. Profitieren könnten alle Beteiligten. Das belgische Eishockey könnte den Absturz in die Bedeutungslosigkeit verhindern, die Niederlande wieder auf international zweit- bis drittklassiges Niveau aufsteigen und für deutsche Vereine wie Fans gebe es auch jenseits der großen Ligen einen attraktiven Wettbewerb, bei dem es sogar Aufsteiger geben kann. Eine Idee also, zu gut also, als dass man sie an dem folgenden Formaljuristischem und Eishockey-typischen Geschacher zerschellen lassen möchte…

Mehr zum Problem mit Tilburg in der Oberliga Nord hört Ihr auch in unserem aktuellen Podcast:

3 thoughts on “Die gute Idee von der BeNeWe-Regionalliga

  1. „Wenn zum Beispiel Ratingen nicht nur vor 300 Zuschauern, sondern in der Mehrheit vor 600 bis 800 Zuschauern spielt ist das schon eine gewaltige Steigerung. Dieser kurzzeitige Effekt würde sicher eintreten.“

    „Profitieren könnten alle Beteiligten“

    Das ist so ein Schwachsinn den man da geschrieben hat! erstens würden nur dadurch nicht plötzlich 300 bis 500 Zuschauer mehr in den Hallen anwesend sein und zweitens würde dadurch auch niemand profitieren, da könnten die Regionalligisten genau so gut allesamt in die Oberliga aufsteigen denn im Prinzip wäre das nichts anderes was die Kosten und Mühen betrifft. Man brauch Geld um die Wege nach Belgien immer und immer wieder aufsich nehmen zu können. Man brauch Spieler die Zeit dazu haben, immer solche Wege auf sich zu nehmen. Der Großteil der Spieler aus unserer Liga besteht aus Azubis/Angestellten/Studenten und was es nicht alles gibt, wo sollen die, die Zeit her nehmen so oft nach Belgien und Holland zu fahren? ansich wäre es nichts anderes als in der Oberliga zu spielen, nur das man die Woche nicht 3 bis 4 mal trainieren muss UND WENIGER VERDIENT! die Idee ist so schwachsinnig, dass sie direkt alle 3 Ligen auf einen Schlag in den Abgrund reißen würde und ich hoffe dass das alles nur eine hirnverbrannte, sinnlose und undurchdachte Idee ist. Ein oder 2 mal als Fan nach Belgien zu fahren ist vielleicht ganz lustig aber auf Dauer wird auch das niemand machen.

  2. Dann sollen die doch bitte eine Oberliga West eröffnen in der gewillte Clubs mit den Vertretern aus Holland und Belgien spielen können. Bitte lasst die Regionalliga so wie sie ist, ansonsten wäre dass das Todesurteil für einige etablierte Vereine!

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