Deutschlands schlechtestes Catering

ISS-Dome (Foto: Johann H. Addicks)

Für Eishockey-Fans sind die Play-offs eine spannende Reisezeit. Viele Auswärtsfahrer sind zu den entscheidenden Spielen unterwegs. Doch man muss sie warnen: Vor einer Serie gegen die Düsseldorfer EG. Dem Standort mit dem schlechtesten Catering der westlichen Welt.

Was Stadioncatering angeht bin ich ein genügsamer Mensch. Ich habe noch jeder Arenaversorgung etwas abgewinnen können. Selbst die Warsteiner-Frankenheim-Hölle der Düsseldorfer Fußball-Arena versöhnte mich wieder mit ein paar vegetarischen Sondergeschichten. Ich habe in Sinsheim und der SAP-Arena in Mannheim den schlechtesten Veggie-Burger der Welt gegessen, sonst jedoch über das große weitere Angebot gestaunt. Und wer einmal in Bern überteuerte, wie schlechte Pommes gegessen und übles Feldschlösschen getrunken hat, den schockt wenig.

Catering ist selten Schwarz oder Weiß

Zumal es sie ja auch gibt, die Perlen. Straubing ist so eine. Für den Fleischfreund gibt es beste Wurstwaren, für den Biertrinker eine gute Auswahl. Iserlohns Waffelampel und Toastbar zeugen von einer großen Liebenswürdigkeit. Und wer es nordamerikanisch mag, wird in Köln glücklich – da ignoriere ich gerne den Umstand, dass es dort Kölsch gibt. (Zumal ich dort auch Pils und andere Sachen wählen kann.)

Das Bild ist also nie Schwarz oder Weiß, wenn es um dass Essen beim Eishockey geht. Selbst in den untersten Ligen findet man Grusel und Freude an einem Ort. Zumal: Catering in einer Halle eigentlich nie ein Grund sein sollte, warum man ein Eishockey-Spiel sausen lässt. Außer man will zur Düsseldorfer EG. Vor dem, was seit dieser Spielzeit im Dome tobt, kann man nur jeden Auswärtsfan warnen. Um gleich mit der Tür ins Haus zu Fallen: Es ist eine Frechheit!

Auch früher war nicht alles gut

Nun ist es nichts Neues, im DEG-Umfeld über das Bier, das Essen und den Service zu meckern. Das scheinverwöhnte Brehmstraßenpublikum erwartet in großen Teilen immer noch den knusprig gebratenen Leberkäse, gebacken im Fett des jeweiligen Vorjahres. Die gesundheitlich notwendige Änderung dieses Umstandes (aka Hygieneverordnung) wird gerade von den Älteren nicht akzeptiert.

Und es war mit dem alten Caterer ja auch hier und da sehr schwierig. Unvergessen das Play-off-Halbfinale gegen Ingolstadt 2015. Im zweiten Spiel gingen plötzlich die Getränke aus. Selbst bei normalen Spielen fehlten hier und da mal Würstchen oder Pommes. Aber es gab einen Nudelstand, außerdem waren Currywurst und Fritten in Ordnung – zumindest unter systemgastronomischen Gesichtspunkten. Und Schlösser als Alt – nunja, gibt Schlimmeres. Zumal es aus dem Holzfass kam (und auch heute noch an ausgewählten Ständen kommt). Und das Bezahlkartensystem war zwar wenig beliebt, aber es funktionierte.

Logisches Konzept, schlimm umgesetzt

Diesen – sagen wir – unterdurchschnittlichen, aber überlebbaren Standard wollte die Stadt Düsseldorf heben. Seit dieser Spielzeit hat sie mit ihrer Tochterfirma D.Live das Catering im Dome übernommen. Vollmundig wurde auf das Beispiel der Arena Oberhausen verwiesen, wo bei Events alles aus einer Hand kommt. Logischerweise wurde der dortige Chef gleich abgeworben.

Vielleicht mögen die Zahlen bei Einkauf und Einnahmen ja inzwischen stimmig sein. Auch der Dome ist für die Stadt Düsseldorf ein hohes Zuschussgeschäft – insofern musste man reagieren und die Einnahmen steigern. Borussia Mönchengladbach macht im Sportbereich musterhaft vor, dass man sich mit eigenem Angebot ohne Outsourcing dumm und dusselig verdienen kann. Aber, und jetzt wird es für jeden Eishockeyfan relevant und verlässt die lokale Ebene, führt dieses Prinzip in Düsseldorf nicht zu einer höheren Qualität.

Präsentation aus der Comic-Sans-Schule

Fangen wir bei der Gestaltung an. Wissen Sie bei der Stadt Düsseldorf, dass Microsoft „Paint“ abschaffen will, weil das Zeichenprogramm – sagen wir es so – seit 1988 nicht mehr den modernen Ansprüchen entspricht? Wissen sie bei D.Live, dass selbst die schlimmsten Klempner für die Beschriftung der Firmenwagen kein Comic-Sans mehr benutzen? Zumindest muss das Design der Essenstafeln mit irgendeinen Programm aus der VHS-Software-Hölle entwickelt worden sein. Anders ist das alles nicht zu erklären. Die Speisen werden in einer Optik angeboten, für die sicher nie auch nur eine einzige Arbeitsstunde verschwendet wurde. Jedes schlechte Restaurant am unteren Ende der Yelp-Skala hat eine schönere Karte.

Von dem Nudelstand will ich nicht mal mehr sprechen: ersatzlos gestrichen! Als Mensch, der kein Schwein und Rind isst, bleiben mir also nur noch labbrige, dünne Pommes mit wahlweise zuviel oder keinem Salz. Oder eine eiskalte Brezel, die dem ein oder anderen Besucher bestimmt schon eine Zahnkrone beschert hat. Oder ich spiele „Puddingvegetarier“ und esse einen pappigen „Riesendonut“ ohne Füllung und Geschmack.

Schlimmste Currywurst seit dem Curry-King

Wegen der Qualität der Currywurst wurde zuletzt ein Kollege fassungslos von einem Freund angerufen. Sie sei ein Verbrechen. Freunde von mir berichten ähnliches. Glückwunsch: Anscheinend hat man es im Dome fertig gebracht, das einfachste Gericht der Nahrungsindustrie zu versauen. Kennt Ihr alle den furchtbaren Curry-King aus dem Kühlregal? Beim Hersteller freut man sich, nicht mehr das schlechteste Produkt in diesem Segment zu produzieren. Zugegeben – auch eine Leistung!

Selbstredend müssen wir damit nicht die „Wurst“ als solche erwähnen oder das dreifach gestorbene Fleisch der Frikadelle. Ein Wunder, dass noch keine bayerischen Auswärtsfans wegen kulinarischer Vergiftung marodierend durch die Halle gezogen sind. Verstehen könnte ich solche Ausschreitungen.

Amtliche Reisewarnung für den Dome

Und dann ist da noch das Personal: Ja, auch beim alten Caterer war nicht alles gut. Aber das aktuelle liefert eine neue „Qualität“. Es gibt keine einheitliche Kleidung (bring your own black shirt!), niemand wirkt, als hätte er auch nur fünf Minuten eine Schulung erhalten. Abläufe sind chaotisch, ungeklärt. Wer an den Trinkständen (wie vorher möglich) einen Filterkaffee kaufen möchte, wird in die langen Schlangen der Würstchenbuden geschickt. Ehrensache, dass das Bezahlkartensystem abgeschafft wurde. Warum in einer solchen Situation etwas Bewährtes behalten, wenn die Suche nach Wechselgeld nur mehr Verwirrung stiften kann. Um mich nicht falsch zu verstehen: Den Service-Mitarbeitern gebe ich keine Schuld. Die braucht man auch nicht auf sie abzuwälzen. Die liegt einzig bei den Verantwortlichen!

Um es deutlich zu sagen – selbst einem wie mir ist der Faden gerissen. Ich habe inzwischen keine Lust mehr, nach Feierabend hungrig zu DEG-Spielen zu hetzen. Warum? Weil ich im Dome nichts zu essen bekomme, was zu einem Mindestmaß an Nahrung erinnert. Es braucht auch keine weiteren „Runden Tische“, die es schon so oft gab. Stattdessen soll die Stadt verdammt noch einmal Geld in die Hand nehmen und das Angebot verbessern! Sonst kommen irgendwann weniger Leute. Und das ist teurer, als dieses peinliche Sparprogramm für eine irgendwann rentable Halle. Es besteht also eine amtliche SHN-Reiswarnung, in Düsseldorf hungrig ein DEL-Spiel zu schauen. Es könnte Eurem Wohlbefinden schaden.

9 Kommentare

  1. Vollste Zustimmung was den Grundgedanken des Artikels angeht, das Catering ist scheisse und stinkt im Liga/anderen Sportevents Vergleich brutal ab, aaaber beim Lesen dieser Stelle kamen mir vor lauter Mitleid dann wirklich die Tränen: „Um es deutlich zu sagen – selbst einem wie mir ist der Faden gerissen. Ich habe inzwischen keine Lust mehr, nach Feierabend noch hungrig zu DEG-Spielen zu hetzen. Warum? Weil ich im Dome nichts zu essen bekomme, was zu einem Mindestmaß an Nahrung erinnert.“ Also wer sich jenseits der 10 Lebensjahre nicht anders organisieren kann und vorgibt auf das Catering angewiesen zu sein, der soll dann halt wirklich zu hause bleiben.

    in diesem Sinne allen weiterhin guten Appetit!

  2. Ich finde dieser kritische Bericht untertreibt in mancherlei Hinsicht. Die Currywurstsuppe (es sind ja gar keine Würste mehr) ist reinste Körperverletzung. Kaufe ich Pommes und verweise auf einen seit drei oder vier Spielen defekten Mayonaisenspender werde ich wahlweise mit dem Hinweis „da haben wir nichts mit zu tun“ oder „dann gehen sie doch zu einer anderen Speisenausgabe“ abgetan. Die Krakauer ist eine fetttriefende Angelegenheit und erfordert nach dem Spiel eine Waschmaschinenladung für Trikot oder Pullover. Im Gegensatz zum Vorcaterer hat man heute keinerlei Ansprechpersonen für scheinbar nicht erwartete Beschwerden. Einzig die Gott sei Dank nicht zum Caterer gehörenden Schlösser-Bierstände funktionieren. Hat sich schon einmal jemand überlegt warum diese Stände funktionieren? Hier arbeitet routiniertes, eingespieltes und vor allem erwachsenes Personal.

  3. Früher habe ich regelmässig im Dome gegessen. Die Suppen/Eintöpfe waren überwiegend sehr gut. Auch das Preis-Leistungsverhältnis war ok. Das Schweinebratenbrötchen gut, der Rest im Nachhinein akzeptabel, aber nicht gut.
    Seit dieser Saison habe ich zwei angegessen Schweinebratenbrötchen weggeschmissen – ungeniessbar (ich werfe so gut wie nie Lebensmittel weg). Inzwischen esse ich höchstens mal eine überteuerte Brezel oder Laugenstange (gestern auch alt). Ansonsten spar ich mir das. Auswahl und Qualität an den Süßigkeitsautomaten übersteigen das Speisenangebot von D.Live bei weitem…

  4. Ich kann mich der Kritik nur anschließen.
    Als ich vor 3 Wochen vor dem Spiel gegen Mannheim nach langer Zeit mal wieder und gegen den Rat aus meinem Umfeld eine Curry-Pommes „genossen“ habe,war mir die halbe Nacht kotzübel. Und das lag nicht am Alt, das ich dringend dazu brauchte, um diesen Höhepunkt kulinarischen Schaffen runterzuspülen.
    Die Pommes waren gerademal halbgar und die in Sauce ertränkte Wurst schmeckte einfach nur widerlich.
    Habe das Experiment zur Hälfte abgebrochen und esse seitdem nur noch Brezel. Zum „hochmotivierten“ Personal äußere ich mich hier besser nicht. Das hat eh D.Live zu verantworten…..

  5. Den Post kann ich voll unterschreiben. Dazu kommt noch dass es in den Umgängen bei den Buden so sehr nach Fett stinkt, dass man schon gar keine Lust auf Essen hat. Wenn man sich als Dritter in der Schlange in der Pause anstellt und vor einem alle Pommes haben möchte muss man schon Glück haben rechtzeitig nach der Pause wieder am Platz zu sein. Die 15 Gäste danach kommen erst in der nächsten Drittelpause wieder an den Platz.
    Die Schlösser-Stände sind leider ein Lichtblick.

    Wie sieht es denn im Treff aus? Ist dort das Essen auch schlechter geworden?

  6. Der Artikel ist richtig getroffen … alles und nichts zu beanstanden !!! Glückwunsch zu soviel Ehrlichkeit !!!

    Der Kommentar … „hungrig zum Spiel“ finde ich am besten, denn jeder zweite denkt wahrscheinlich so … wir haben früher wirklich aufs Mittagessen verzichtet, weil es im Dom was gab !!! Es ist traurig zu sehen, das in Köln alles klappt, schmeckt und läuft !!!

  7. Solche Zustände lassen meist Billigproduktion vermuten.
    Dann ist es auch nicht weit zu (zumindest Lohn-) Ausbeutung der Mitarbeiter.
    Daran denken allerdings auch nur die wenigsten Kunden.
    Wer in solch prekären Beschäftigungsverhältnissen erwartet, dass das Personal mit Leidenschaft qualitativ hochvwertige Kost (aus womöglich minderwertigen Zutaten) zubereitet, hat offensichtlich den auch hierzulande herrschenden Kapitalismus noch nicht hinreichend in Augenschein genommen.

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