Der Social-Media-Atlas der DEL

Für die DEL-Vereine sind die Social-Media Kanäle vielleicht wichtiger als für den Fußball. Wegen der geringeren Medienpräsenz sind die eigenen Accounts ein wichtiger Weg, Informationen an die Fans zu bekommen.

Wir haben uns die einzelnen Kanäle sämtlicher Vereine angeschaut und sind auf interessante Details gestoßen. So verliert ein Medium oberflächlich an Bedeutung, währen ein anderes für die Clubs immer wichtiger wird. Außerdem scheinen nicht alle Clubs eine ganz so ehrliche Followerzahl zu haben.

Facebook

Bleibt irgendwie der Krösus – zumindest bei den potentiellen Reichweiten. Wenig überraschend gibt es eine Verbindung zwischen Zuschauerzahl und potentieller Community-Größe. Mit Köln, Mannheim und Berlin liegen die Top 3 der Zuschauertabelle weit vorne. Im Gegensatz zu Twitter (dazu später mehr) ist der Ligaaccount der DEL nicht unbedeutend. Auch er bindet mit 141.289 Likes eine sechsstellige Zahl an Menschen.

Etwas überraschend ist Wolfsburg. Der Standort mit der geringsten Zuschauerzahl hat über 100.000 Likes. Verglichen mit Instagram und Twitter ist dies eine überproportionale Zahl an Menschen, die dauerhaft direkt von den Grizzlys Informationen wollen. Bei genauerer Betrachtung der Interaktionsrate wie der Kommentarhäufigkeit ist die Community allerdings sehr träge. Der Verdacht liegt Nahe, dass sich Wolfsburg Likes unorganisch organisiert hat. (Das ist die freundliche Formulierung für „gekauft hat“.)

Hinter vorgehaltener Hand sprechen Vereinsverterter aber von insgesamt stagnierenden Zahlen bei Facebook – besonders in der Reichweite. Es deutet sich an, dass der Ruf des „Sozialen“ Netzwerkes auch am Eishockey nicht vorbei geht. Die Datenschutzpannen und Desinformationskampagnen hinterlassen ihre Spuren. Die Plattform kriegt diese Probleme nicht in den Griff und es nagt am Image und schreckt ab. Facebook bleibt daher überaus wichtig, verliert aber an Bedeutung.

Instagram

Ein verliebt dreinblickender Leon Niederberger, Patrick Köppchen liest
im heißen Pyama lazy eine Zeitung für schöne Dinge und Mo Müller presst sich in einen Formel-1-Wagen: Willkommen in der schönen Instagram-Welt. Der Plattform für schöne Bilder vor noch schöneren Fototapeten, Street-Credebility und allem, was persönliche Krisen bewältigen oder verschärfen hilft. (Mid-Life-Crisis, Mein-Scheiß-Leben-im-Vergleich-zu-den-Anderen, „Können wir kostenlos ein Hotelzimmer haben?“)

Für die Spieler ist Instagram – ihr ahnt es – eine große Plattform, um sich darzustellen. Alleine Moritz Müller bringt es auf 23.300 Follower. Für die Eigenpromo und auch die ein oder andere Mark neben dem Sport. (Stichwort: Influencer) Aber auch für die Vereine wird das Netzwerk immer wichtiger. Vereinzelt hört man aus den Clubs, dass die Wachstumsraten bei Instagram immens sind. Das vermeintliche Wohlfühlnetzwerk scheint immer mehr Nutzer anzuziehen.

Zwar ist Instagram noch weit von den Facebook-Zahlen und Reichweiten entfernt. Aber auf keinem Medium können die Vereine Ihre Bilder besser präsentieren. Außerdem ist der Moderationsaufwand wegen der Struktur des Netzwerkes geringer: Hasskommentare kommen (noch) nicht so häufig vor. Unsere Auswertung zeigt auch bei Instagram den Trend der realen Zuschauertabelle – je größer der Verein und seine Fanbase, je mehr Abonennten hat er. Selbst Wolfsburg reiht sich hier noch im vernünftigem Rahmen ein.

Twitter

Tja, Twitter. Was soll man dazu sagen? Nur rund drei Prozent der Menschen in Deutschland nutzen es wöchentlich. Während Facebook 32 und Instagram 10 Millionen anziehen, sind es bei Twitter „nur“ 2,5. Das ist eigentlich irrelevant, und wir könnten uns jetzt an dieser Stelle über Google+ unterhalten. Aber so einfach ist das für die Clubs nicht. Entsprechend sind die Vereine bei Twitter noch im größeren Rahmen vetreten, die Zahl der Follower hat auch hier eine relevante Zahl.

Bei Twitter geht es aber nicht um die schiere Größe, sondern um die Art der Follower und Netzwerke, die man als Klub erreichen kann. Auf Twitter tummeln sich die sogenannten „Multiplikatoren“. (Also wir, höhö…) Twitter ist nicht umsonst als das Journalisten-Netzwerk verschrien. Entsprechend laufen dort Meta-Debatten, die nicht immer leicht zu lesen und verstehen sind. Was aber das wichtigere Argument für die Eishockey-Clubs ist, weiterhin auf Twitter im Einsatz zu sein, ist die Bedeutung des Sozialen Netzwerkes in Nordamerika. Dort ist es deutlich größer, zu den Multiplikatoren gesellen sich deutlich mehr normale Nutzer.

Über Twitter bietet sich die Chance mit Highlight-GIFs oder Videos in die NHL-Bubble zu kommen, was wiederum der Reichweite der DEL helfen kann. Zumindest ist das die Theorie. In der Realität werden eben kaum Videos und GIFs von den Vereinen und der Liga in die Twitterspäre geworfen. Hier herrscht noch deutliches Potential. Wie stiefmütterlich Twitter in der Vergangenheit behandelt worden ist, zeigt sich übrigens am offiziellen DEL-Account. Einen wirklich echten (keinen peinlichen Bot ohne Foto) gibt es erst seit der Spielzeit 2018/19. Entsprechend wenig Follower kann die Liga im Vergleich zu den Vereinen aufbieten. Von denen übrigens die Kölner Haie ganz weit vorne liegen. Was sich – anders als das Wolfsburger-Facebook-Phänomen – leicht erklären lässt: Die Haie hatten im Oktober 2018 das NHL-Testspiel gegen die Oilers. In diesem Rahmen – wie auch schon vorher – sind sie in Social-Media-Kampagnen starker Twitter-Märkte geraten.

Interaktionsraten:

Und wer wissen will, wo aktuell am meisten geht – das könnt Ihr jederzeit hier:

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