Der Metromann geht

Mike Pellegrims verlässt nach nur einer Spielzeit die Düsseldorfer EG. Für den Verein ist der Abgang des Trainers ein unerhoffter Sechser im Lotto.

Ehrlich gesagt: Die Jorunalisten in Düsseldorf (so auch wir) sind – sehr vorsichtig formuliert – nicht unglücklich über Mike Pellegrims‘ Abgang. Das Tischtuch zwischen Trainer und Beobachtern war seit Saisonbeginn zerschnitten, und sämtliche Versuche, diesen Konflikt beizulegen, sind kläglich gescheitert. Aber legen wir das mal beiseite – einem Verein kann es leidlich egal sein, ob der Trainer ein Liebling der Medien ist. Auch seine Vorgänger Christian Brittig und Christof Kreutzer lagen hier und da mit den Medienmachern der Stadt im Clinch. Im Grunde muss das auch so sein.

Kein Verständnis für den Club

Aber wie gesagt, lassen wir den binnensichtigen Blick der Medienmeute. Mike Pellegrims hat es auch jenseits der täglichen Arbeit nicht geschafft, Fans und Teile des Vereins zu überzeugen. Dabei reden wir zunächst nicht vom Sportlichen. Schon zu Beginn der Spielzeit waren die ersten Fans überrascht, wie unnahbar der als “Heilsbringer” verpflichtete Trainer war. Statt zu erklären, wie er sich das Spiel der neuen DEG vorstellt, kamen nur Phrasen. Man müsse „weiter marschieren“, man habe „über die Dinge geredet“ und man wisse „was der Gegner kann.“ Für einen Trainer, der einen ganzen neuen, vermeintlich hochprofessionalisierten, hochanalytischen Staff bekommen hat – ziemlich schmale Äußerungen.

Man kann das als “verschlossen” abtun. Zumindest, wenn man sehen würde, wie die Mannschaft auf sein Training und seine Ideen anspringt. Aber das ist bis zur jetzigen Endphase der Hauptrunde nicht ersichtlich. Pellegrims hat dem Team (das er nicht komplett zusammengestellt hat) einen offensiveren Stil verordnet. Mehr als diese Änderung ist nicht hängen geblieben. Das seit Saisonbeginn in Teilen untauglich wirkende Überzahlspiel ist auch weiterhin nicht erstligareif (deutlich unter 20 Prozent Erfolgsquote), und Konstanz ist insgesamt ein Fremdwort. Hinzu wird auch weiterhin aus jeder nur erdenklichen ineffizienten Position geschossen. Und die Entscheidung, mit Daryl Boyce einen Importspieler ohne Vereinsbindung zum Kapitän zu ernennen, wirkt auch heute noch mehr wie eine Provokation gegenüber den familiären DEG-Werten als eine kluge Entscheidung mit Weitsicht.

„Senf statt Bier“ – nicht mehr

Hinzu kommen unglückliche Auftritte in der Öffentlichkeit. Man erinnere nur an das unter Beobachtern inzwischen als legendär geltende Interview mit dem PR-Kanal der Stadt Düsseldorf. Auf die Frage, ob er seit seinem neuerlichen DEG-Engagement schon einmal wieder ein Alt getrunken habe, antwortete Pellegrims mit dem Besuch im Senfladen. Unter dem Motto “Senf statt Bier” könnte man dieses Missverständnis nun also abtun und sich auf einen neuen, zugänglicheren Trainer freuen.

Das würde allerdings voraussetzen, dass man auf der Geschäftsstelle die richtigen Lehren aus der Causa Pellegrims zieht. Der Trainer war schließlich nur das finale Ausdrucksmittel einer Geschichte, die man Fans und Öffentlichkeit erzählen wollte. Nach der familiären Kreutzer-Ära, die man bewusst und nicht ganz zu Unrecht beendet hat, gab es nun die Storyline der Professionalisierung. Alles wurde dem sportlichen Erfolg untergeordnet. Die Spieler bekamen den Sommerurlaub gestrichen, Fanhearings mit Trainern und Spielern – wie in den Jahren zuvor – gibt es kaum noch, die Geschäftsstelle wurde aufgeräumt, ein ominöser NHL-Scout wurde nebulös (und maximal peinlich) angekündigt, dessen Name bis heute keiner wissen darf (es ist übrigens nach unseren Infos Jan-Axel Alavaara, damit das auch mal gesagt wird). Die Gesellschafter, welche ein großes DEG-Herz haben, aber keine ausgemachten Eishockey-Experten sind, fabulieren vom besten Training, während vom vermeintlich besten Trainer mit der beste Verteidiger gegen dessen Willen erst in den Sturm beordert wurde, um dann gleich ganz auf der Tribüne zu landen.

Die DEG ist gefährlich öde

All das führte zu einem Club, der mehr an die cleane und langweile DEG zur Zeit des Großsponsors Metro erinnerte, als an das chaotisch, liebenswürdige Projekt der Jahre 2012 bis 2017. Viele Fans wenden sich zurzeit – nicht nur aus sportlichen Gründen ab – die DEG ist öde geworden. Der Funke springt nicht mehr über. Inzwischen ist die Stimmung im Dome wieder so, wie man sie kennt: Auf den Rängen, da murmeln die Fans und unten spult die DEG ihr Programm runter.

Der Abgang des Trainers ist die große Chance, viel zu verändern. Der neue Mann an der Bande sollte menschlicher sein. Er muss niemand aus der DEG-Familie sein, sondern er darf ruhig ein externer Profi sein, der eine gewisse Kinderstube hat und bereit ist, sich wohlgesonnen auf den Verein einzulassen: also kein vermeintlicher Heilsbringer, der eigentlich nur ein besserer Co-Trainer ist. Außerdem sollte man sich auf DEG-Seiten überlegen, wie man die Fans wieder ins Boot bekommt. Vielleicht mal wieder etwas mehr auf die Legende der DEG setzen, auch mal wieder die Rückennummer eines verdienten Spielers unters Dach hängen (Grüße an Otto S.) oder auch insgesamt sich mal mehr mit dem tatsächlichen Umfeld auseinandersetzen. Dann erzählt man ganz sicher eine andere Geschichte, welche die Leute wieder in ihren Bann zieht. Unabhängig vom Sportlichen. Gar nicht auszudenken, wenn das dann auch noch funktioniert.

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2 Kommentare

  1. Zustimmung in allen Bereichen. Diese Lösung ist sicherlich noch die souveränste für beide Seiten.

    Gespannt darf man jetzt sein, ob es eine Reaktion der Mannschaft gibt. Befreites Aufspielen oder Saison weiterhin ohne Esprit ausklingen lassen?
    Oder wäre es besser gewesen, schon jetzt einen Interims-Coach wie Abstreiten, Dolak oder Köberle zu installieren?!

  2. Volle Zustimmung zu diesem Artikel.Meiner Meinng nach muss man Pellegrims sofort freitstellen, den Reste der Saison mit Abstreiter und Dolak an der Bande, und ich hebe Dolak hervor, zuende bringen. Der wichtigste Punkt ist aber, Pellegrims sofort abzuschiesen.
    Peter Kloberdanz

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