Der KEV in der Ponomarev-Falle

Die Turbulenzen beim KFC Uerdingen könnten die Krefeld Pinguine treffen. Es deuten sich Probleme an.

Beim KFC Uerdingen steht Vereinspräsident Mikhail Ponomarev massiv in der Kritik. Die Fußballwelt staunt über den vermeintlichen Geldgeber des ehemaligen Erstligisten. Für die Krefeld Pinguine könnte das Schauspiel beim Nachbarn Folgen haben.

Unbezahlte Rechnungen, ein Verein vor dem Abgrund, eine peinlich berührte Stadt, die auf Geld sitzen blieb und am Ende wurde nachgetreten: Was nach Uerdingen klingt, fasst den unrühmlichen Abgang des russischen Investors bei der Düsseldorfer EG zusammen. Von 2014 bis 2016 war Ponomarev Gesellschafter bei der DEG, startete mit großen Worten, die erstaunlich schnell wahr wurden. Wie ein Wunder erreichte der Düsseldorfer Traditionsverein 2015 die Champions Hockey League.

Doch nur ein Jahr später stürzte alles zusammen. Aus fast allen Himmelsrichtungen trudelten unbeglichene Forderungen ein, der Mitgesellschafter Peter Hoberg musste dauernd einspringen und Finanzlöcher stopfen. Und die Stadt stellte schlussendlich ein Ultimatum: Entweder Ponomarev geht oder sie verlangt alle Zuschüsse zurück. Die DEG stand vor dem Ende – und wurde nach dem Abgang des Gesellschafters in einem Kraftakt von Unternehmerfamilie Hoberg und öffentlicher Hand gerettet.

Déjà-vu in Uerdingen?!

All das war bekannt. Den KFC Uerdingen – noch zu Oberligazeiten – hinderte diese Vorgeschichte nicht, sich auf Ponomarev einzulassen. Wie beim Düsseldorfer Eishockey stand dem Krefelder Fußball das Wasser bis zum Hals. Im Sommer 2016 machte den in Düsseldorf fast schon aus der Stadt Gejagten zum Präsidenten des ehemaligen DFB-Pokalsiegers. Von da an ging es die Ligenleiter nach oben – plötzlich war der Verein von der Grotenburg wieder in der Dritten Liga und zurück auf der Landkarte des deutschen Profifußballs.

Ein Ponomarev-Tweet

Und jetzt, ein Jahr nach dem Aufstieg? Die Leistungen des KFC stagnieren, die unbezahlten Rechnungen scheinen sich zu türmen, der Präsident reagiert auf Twitter unterhaltsam und laut, bis an die Grenze zur Verleumdung. Und die Stadt ist nervös, hat sie doch zugestimmt, das marode Stadion des KFC aus städtischen Mitteln zu sanieren. Es häufen sich die Gerüchte, dass Ponomarev nach dem Ende der Drittligaspielzeit den Abflug macht. Das Sequel zu „Ponomarev meets kaputten Traditionsverein“ steht vor dem Abschluss.

Der Einstieg beim KEV bis heute in der Schwebe

Um im Bild zu bleiben – die After-Credit-Szene könnte den Krefeld Pinguinen vorbehalten sein. Auch sie sind mit Ponomarev eng verbandelt. Unter großem Geraune der Eishockeyszene verkündete im September 2018 der Hauptgesellschafter des KEV, Wolfgang Schulz, einen Einstieg des KFC-Präsidenten. Ponomarev sollte Anteile übernehmen, die laut Handelsregister einen Wert von 345.000 Euro haben. Auch bei den Pinguinen war das Motiv klar: Not.

Schulz ist seit Langem der alleinige wirtschaftliche Faktor, durch den der KEV überhaupt in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) spielen kann. Und das mehr schlecht als recht – die abgelaufene DEL-Spielzeit beendete der Verein auf Platz 11. Es war die beste Platzierung seit 2015 – und trotzdem wurden die Play-offs verpasst. Und Jahr für Jahr wird es teurer. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag lag im Frühjahr 2018 bei fast 4,9 Millionen Euro – viel Geld bei einer Bilanzsumme von etwas über 6,2 Millionen.

Zweifel an offiziellen Darstellungen

Einfach formuliert: Der KEV war und ist für Schulz ein teures Hobby. Jemand wie Mikhail Ponomarev erschien da als perfekter Retter. Zum Zeitpunkt des vermeintlichen Einstiegs wirkte die Reputation des Russen wieder hergestellt: Uerdingen war fulminant in die Dritte Liga gestartet, sämtliche Verpflichtungen soll Ponomarev bis dahin eingehalten haben. Das reichte offenbar aus, die Vorgeschichte aus Düsseldorf zu ignorieren. Zumindest berichten das Beobachter der Pinguine hinter vorgehaltener Hand.

Doch der „Fall Ponomarev“ könnte für den KEV zum echten Problem werden. Bis zuletzt war der vermeintlich neue Retter nicht als Gesellschafter des Vereins eingetragen. Die Pinguine erklären zwar auf Nachfrage, dass der Kauf der Gesellschafteranteile Ende März 2019 erfolgt sei, die Eintragung ins Handelsregister bald vollzogen werde. Aber ein Blick in die gesetzliche Regelung wirft Zweifel an dieser Version auf. Veränderungen bei den Gesellschaftern haben unverzüglich zu erfolgen. Wochen nach dem erklärten Abschluss des Geschäfts ist kaum als „unverzüglich“ zu bezeichnen.

KEV-Projekte könnten auf Eis liegen

Das Geschäft klemmt offenbar. Offiziell hat Mikhail Ponomarev beim KEV nichts zu melden. Was eigentlich – angesichts der aktuellen Entwicklungen – eine positive Meldung sein könnte, entpuppt sich als handfestes Problem. Die Pinguine können ohne die finanziellen Zusagen des eigentlichen Investors nicht verlässlich planen. Ende Mai beginnt die DEL zudem damit, sich die eingereichten Lizenzunterlagen anzuschauen. Eine schwammige Gesellschafterstruktur dürfte für das Neusser Ligenbüro keine vertrauensbildende Maßnahme sein. Gerade bei einem „alten Bekannten“ wie Ponomarev. Da es mit den Löwen Frankfurt einen 15. Bewerber auf einen der 14 DEL-Plätze gibt, kann die DEL durchaus wählerisch sein. Selbst in einer so katastrophal finanzierten Sportart wie dem deutschen Profi-Eishockey.

Und da wäre noch die Sache mit der Krefelder U23-Mannschaft in der Oberliga Nord. Die soll als Nachwuchsteam an den Start gehen, Mikhail Ponomarev hatte zugesagt, das Projekt zu unterstützen. Ohne diese Zusage darf man auch hier bisweilen ein Fragezeichen setzen. Die Zeit für den KEV tickt – mehr als man das vielleicht bisher glauben darf. Zumindest scheint sich jetzt schon anzudeuten, dass es für die bisherigen Geldgeber teuer bleibt – können sie auf Mikhail Ponomarev aktuell nicht wirklich zählen.

2 thoughts on “Der KEV in der Ponomarev-Falle

  1. Dieser Ponomarev ist nicht zu trauen ,der hat schon bei der DEG bewiesen wie launisch der ist ,würde mich nicht Wundern wenn er beim KFC und den Pinguinen die flatter macht ,die Pinguine haben es versäumt Jahrelang einen wirklich verlässlichen Partner zu Suchen ,oder wenn man einen hatten wurde dieser abgelehnt ,da dieser Ponomarev bis Heute keine Zahlung bei den Pinguinen getätigt hat ist er auch kein Gesellschafter ,und seh was den KFC angeht keine Rosige Zukunft

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