Der Hymnen-Wahn der CHL

Die ChampionsHockeyLeague will die Champions League des Eishockeys sein. Also irgendwie sowas, was dem Sport richtig Glamour verleiht. Mit piefigen Akten des Nationalismus ist man aber eher ein provinzieller Abklatsch eines großen Sportevents.

Jeder Sportfan kennt diesen Song, und unter Marketingstrategen herrscht Einigkeit: Die Hymne der Fußball-Champions-League ist das Top-Element des weltweit größten Clubwettbewerbs. Ohne das abstrus getextete Liedchen hätte die 1992 gegründete Liga sich nicht so schnell zu dem entwickeln können was sie heute ist. Und es stimmt schon: Wer mit seinem Lieblingsclub (Vorraussetzung natürlich, dieser ist kein Dauergast in der Champions-League) einmal die Hymne in „seinem“ Stadion gehört hat, weiß, was Gänsehaut heißt. Da vergisst man schnell die ganze Korruption und den Kommerz, wofür der UEFA-Fußball so steht.

Jetzt könnte man also meinen, die CHL macht es nach und kreiert eine eigene, neue Melodie. Doch stattdessen greift man in die nationalistische Kiste. Vor jedem Spiel sollen künftig die Nationalhymnen beider Mannschaften gespielt werden.

Es ist ein Akt der Kleingeistigkeit und auf der ein oder anderen Ebene auch noch inhaltlich falsch. Gut, Befürworter würden sagen, in der NHL laufen auch „O Canada“ oder „The Star-Spangled Banner“ – allerdings gehört das zum Marketingkonzept nordamerikanischer Ligen und zum anderen ist der nordamerikanisch Patriotismus – selbst in diesen Zeiten –  in Europa nicht selten folkloristischer Kitsch. Also nicht zwingend mehrheitsfähig.

Wenn im europäischen Eishockey mal Nationalhymnen gespielt werden, dann nach Siegen bei Länderspielen. Und wie der Name schon sagt: Dabei handelt es sich nicht um Clubspiele. Absurd wird das Vorhaben zusätzlich durch den Fakt, dass im Falle der britischen Liga mitnichten „God Save the Queen“ gespielt werden soll, sondern die walisische Hymne. In Fußballwettbewerben ist dies ja noch verständlich, treten da die vier britischen Verbände separat an. Aber im Eishockey gibt es eine britische Nationalmannschaft, die zuletzt in die A-Gruppe aufgestiegen ist und eine britische Liga. Warum also bin hat die britische Hymne?

Um es kurz zu sagen: Statt sich europäischen Provinzialismus anzudienen, hätte man von Seiten der CHL durchaus den ein oder anderen Euro investieren dürfen, um eine marketingtaugliche Hymne zu produzieren, frei von jeder nationalen Gefühlsduselei. Aber gut: Dann holt halt die Tölzer-Feuerwehrkapelle auf das Eis und spielt die Blasversion der deutschen Nationalhymne. Wirkt in der halbvollen Olympiahalle sicher prächtig.

Mehr dazu bei uns im Podcast. Ab Minute 61 geht es um die CHL und die Hymnen…

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