DEB macht Druck: Zeitenwende im Eishockey

Weniger Ausländer in der DEL? Ein geschicktes Manöver des DEB wird dieser Debatte Geschwindigkeit verleihen.

In der Politik passieren die großen Dinge nie zufällig. Zumindest wenn es um die Durchsetzung der eigenen Interessen geht. Und durchweg politisch war der Auftritt des DEB-Sportdirektors Stefan Schaidnagel.

Der wahrscheinlich mächtigste Mann im Deutschen Eishockey Bund nutzte die Bühne, die ein Deutschland-Cup mit seinen vielen Medienvertretern bietet, und läutete vor den Journalisten und Journalistinnen eine Zeitenwende ein, und konkretisierte das, was Bundestrainer Söderholm im Interview mit der Westdeutschen Zeitung unlängst angesprochen hatte.

Nur noch sechs Kontingentspieler

Nach der 3:4 Overtime-Niederlage der DEB-Auswahl gegen die Schweiz stellte sich Schaidnagel in die sogenannte Mixed-Zone der Krefelder Arena und forderte die Deutsche Eishockey Liga (DEL) auf, mehr für das hiesige Eishockey zu tun. Es ginge jetzt um die Schritte, mit denen man Erfolge wie bei Olympia vergolden könne, man müsse jetzt „die Schritte zur Reduzierung der Importspieler in der DEL angehen,“ so der 38-Jährige.

Es dürfe in der Frage keine Zeit verloren gehen, über die Stufenweise Reduzierung müsse sofort gesprochen werden, spätestens 2026 soll der Wunsch des DEB nach nur noch sechs Stellen für nichtdeutsche Spieler erfüllt sein, so Schaidnagel weiter.

DEL-Argumente laufen für Schaidnagel ins Leere

Sportliche Argumente für die derzeitige Regel von neun Importspielern pro Team sehe er nicht mehr. Junge Deutsche Spieler könnten auf internationalem Niveau in Ober- und Unterzahl performen. Das zeigten die beständigen Leistungen in der Nationalmannschaft, so Schaidnagel. Auch das finanzielle Argument wischte der DEB-Funktionäre beiseite. Das DEL-Durchschnittsgehalt liege über dem, was es kostet einen deutschen Spieler einzustellen. Außerdem brächten die einheimischen Spieler mehr Identifikation, dadurch würde man mehr Leute in die Hallen locken, mehr Geld generieren.

Schon lange hat man einen Vertreter des Deutschen Eishockey Bund nicht derart selbstbewusst auftreten sehen. Die Erfolge der vergangenen Jahre hinterlassen ihre Spuren, zumindest im Binnenverhältnis zur DEL. Konnte der deutschen Eliteliga eigentlich über Jahre egal sein, was der Verband so treibt, ist mit den wohlgesetzten Worten Schaidnagels endgültig Schluss mit gemütlich.

Die DEL gerät in die Defensive

Dabei muss sich die Liga nicht wundern. Schon beim Thema Auf- und Abstieg gab es am Ende für die DEL nichts zu verhindern. Nach Olympia-Silber 2018 konnte man der Öffentlichkeit keine formaljuristischen Winkelzüge mehr präsentieren, die einen Verzicht nachvollziehbar erschienen ließen. Zähneknirschend akzeptierte man – unter Moderation des Verbandes – eine Auf- und Abstiegsregelung mit der DEL 2.

Bei den Kontingentstellen – jede Wette – wird es ähnlich laufen. Mit einem gravierendem Unterschied: Dieses Mal muss der DEB nicht moderieren. Er kann gleich selber Veränderungen mit Nachdruck fordern, die Nationalmannschaft in ihrer derzeitigen, guten Verfassung macht eben selbstbewusst. Wenn Verband und Liga also bald über das Thema verhandeln – oder „ringen“, wie Stefan Schaidnagel es formuliert – wird die DEL einen Kompromiss vorlegen müssen.

Eine völlige Blockade gegen die Reduzierung der Kontingentstellen werden Verband, Fans und auch am Ende die Öffentlichkeit nur schwer akzeptieren. Schaidnagels Forderungen haben das Thema in der Eishockeywelt auf die Top-Agenda gesetzt. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt sind: Der Deutschland-Cup 2019 war – zumindest sportpolitisch – eine Zeitenwende für das deutsche Eishockey.

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