Unzuverlässige Partner

Der Aufstieg in Deutschlands Profi-Eishockey ist mal wieder vom Tisch. Der Fan ist betrübt, die Deutsche Eishockey Liga steht (mal wieder) in der Kritik, während die wahren Probleme in der zweiten Liga liegen.

Die Entscheidung des Schiedsgerichts hat dann so keinen wirklich überrascht. Auch zur Spielzeit 2018/2019 wird es keinen Aufstieg zwischen erster und zweiter Liga geben. Eine Bürgschaft der Bietigheim Steelers entsprach – laut Schiedsgericht – nicht den Vorgaben, 15.000 Euro sollen nicht ausreichend abgesichert sein, es wird gemunkelt, ein falsches Formular sei benutzt worden. Seitdem ist das Gejammer groß, aus allen Windrichtungen wird über das deutsche Eishockey im Allgemeinen und über die Deutsche Eishockey Liga (DEL) im Konkreten abgezogen.

Eine Lappalie, die keine ist

Dabei kann man auf die Idee kommen, dass die oberste Spielklasse nichts unversucht lässt, das Vorhaben selbst wegen kleinster Fehler scheitern zu lassen. Reden wir tatsächlich über 15.000 Euro, ist das ein verschwindend geringer Betrag. Erinnern wir uns – damit es zwischen den den Ligen einen Auf- und Abstieg geben kann, müssen sechs Zweitliga-Clubs mindestens 816.000 Euro an Garantien bringen. Wohlgemerkt: Zusätzlich zum Gesamtetat. In der DEL 2 liegt der in der Regel selten über vier Millionen Euro – wir reden also über eine stattliche Summe, die ein Interessent an Land holen muss. Und ja, da wirken 15.000 Euro, die noch nicht mal fehlen, sondern einfach nur nicht formal korrekt vermerkt sind, wie ein vorgeschobener Grund.

Aber so einfach ist es nicht. Wer ausschließlich der DEL den Schwarzen Peter zuschieben will, nur weil aus deren Ligabüro stets die skeptischen Worte zum Thema Auf- und Abstieg kommen, verkennt die Realität. Es ist liegt auch in der Verantwortung der DEL 2. Schon der erste war ein Offenbarungseid mit dem abenteuerlichen Konstrukt Riessersee. Der Verein steckte in akuten Abstiegsnöten und bekam aus einem Sammeltopf einiger Vereine Geld, um die Bürgschaften für einen Aufstieg zu stemmen. Man wollte mit Gewalt sechs Clubs zusammenbekommen, die auf dem Papier die Vorgaben für die DEL erfüllen. Und drückte mit Not ausgerechnet den Verein in die Riege der Bewerber, der finanziell wie sportlich am weitesten von der DEL entfernt war. Kein Wunder, dass der Versuch scheiterte. Statt zuzugeben, die wirtschaftlichen Voraussetzungen (noch) nicht erfüllen zu können, wurde – wie immer im Eishockey – gepanscht.

Dauernde Sonderwege, statt erfüllte Vorgaben

Man muss der DEL fast schon die Wahrnehmung höchster Fürsorgepflicht attestieren, dass sie damals dankend ablehnte. Und auch dieses Mal ist die Bewertung – durch das Schiedsgericht bestätigt – korrekt. Es gibt klare Vorgaben – und da macht es schon einen Unterschied, wenn ein Verein aus der unterklassigen DEL 2 der Meinung ist, einen Sonderweg zu gehen. Selbst bei einer Bürgschaft über einen einzigen Euro, die nicht den gemeinsam verabredeten Vorgaben entspricht, muss die DEL zum Auf- und Abstieg Nein sagen. Zum einen, weil es im deutschen Eishockey auch mal gut sein sollte mit der eigenen Überheblichkeit, alles andere besser zu können als der jeweils andere. (Das sogenannte Gernegroß-Syndrom, an dem die Sportart in diesem Land chronisch leidet.)

Zum anderen braucht die DEL Rechtssicherheit. Im Neusser Ligabüro wird man wissen: Der Absteiger in die DEL 2 ist eher ein sicherer Pleitier als ein Mitglied der zweiten Liga. Die eh schon spärlichen Einnahmen brechen eine Spielklasse tiefer derart ein, dass man einen Absteiger faktisch dem Schicksal überlässt. Ein Verein wie Krefeld wäre wohl mit einem Schlag endgültig ruiniert. Und würde deshalb jede Möglichkeit nutzen, juristisch gegen den Abstieg etwas zu unternehmen. Da reichen dann auch die mickrigen 15.000 Euro der Bietigheim Steelers aus, um vor Gericht vielleicht noch den Absturz abzuwenden.

DEL 2 schadet dem Wettbewerb

Von solchen Prozessen hat die DEL in ihrer noch jungen, noch nicht einmal 25-jährigen Geschichte genug gehabt. Insofern sollten die Steelers und auch andere aus der DEL 2 nicht knatschen und davon sprechen, belogen worden zu sein. Sondern sich an die eigene Nase fassen und sich vielleicht mal zu 100 Prozent an die Vorgaben und Verabredungen zu halten, erst Recht mit einem derart zurückhaltenden Partner wie der DEL. Es wäre im Sinne des Wettbewerbs und somit im Sinne der Fans, die sich nicht mehr anschauen müssten, wie aktuell Krefeld und Straubing abgeschlagen aber ohne Abstiegssorgen durch die restliche Spielzeit dümpeln.

Mehr zu dem Thema hört Ihr auch in Ausgabe #24 unseres Podcasts:

Foto: EHCHockeyMoments, veröffentlicht unter Creative Commons

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11 Kommentare

    • Danke. Wir hatten leider kein anderes lizenzfreies Bild zur Hand. An der Schönheit des Bildes – unabhängig des Themas – besteht hoffentlich kein Zweifel. 😀

  1. Dieser Artikel ist der Gipfel der Unverschämtheit und Unwahrheit gegenüber der DEL2.
    Ich glaube der Verfasser hat sich noch nie mit der DEL2 beschäftigt, man könnte meinen er kommt von einer anderen Sportart. Wenn die DEL2 so strukturschwach sein soll, wie kann es dann sein, dass seit Jahren jeder „Aufsteiger“ locker Fuss fasst in der DEL.
    Wo zum Teufel hat es Vereine wie die DEG und die Wings geschadet in der DEL2 oder 2. Liga zu spielen?
    Wie haben die Huskies und die Frankfurter Löwen sogar die Oberliga überstanden?
    Als strukturschwach würde ich da eher die DEL sehen, oder wieso ist es nicht möglich, dass Städte wie Hannover und Hamburg nicht in der Lage sind, einen DEL2 Etat zu stemmen wenn der Hauptsponsor ausfällt?
    Genauso die Zuschauerzahlen, im letzten DEL2 Finale gab es mehr Zuschauer als bei den DEL Finalspielen. Warum sollte Krefeld nicht in der DEL2 überleben, dann würden sie wenigstens ab und zu ein Spiel gewinnen, und die Zuschauer würden mal ein paar Siege sehen. Die Schwenninger Wild Wings hatten in der DEL2 kaum weniger Zuschauer als jetzt in der DEL. Die DEG spielt teilweise vor 4500 Zuschauer, der Dorfclub Bietigheim kommt da auch auf 3000.
    Zum Abschluss noch zur DEL, wenn man sich wegen so einer winzigen Formalie meint im Recht zu sehen, dann bitte mir wäre das aber Peinlich auf sowas herumzureiten, dies wäre in Kürze und Schnelle zu korrigieren gewesen, wenn nur ein Fünkchen Interesse an der Einführung des Auf- und Abstieges seitens der DEL vorhanden gewesen wäre!

  2. Selten so einen Text mit so viel lügen über die DEL2 gelesen. Wenn man keine Ahnung hat, sollte man nicht so einen Geistigen Dünnpfiff verbreiten. Dem verfasser unterstelle ich null Ahnung vom Eishockey.
    Schau dir die Schuldenberge der DEL Mannschaften mal an. Da wird es jedem Wirtschaftprüfer schwindelig, der einigermaßen seriös arbeitet.

  3. Hallo Christoph Ullrich, natürlich ist bzgl. der Erfüllung des Pflichtenheftes durch die DEL2 jegliche Kritik angebracht .
    aber das ein möglicher Absteiger wie der KEV kaputtgeht, weil er in der DEL 2 keine Einnahmen mehr generiert ist mit Verlaub Blödsinn. Die gehen kaputt, weil Sie wie viele (alle) andere (n)Clubs im Oberhaus über Ihre Verhältnisse leben , Schulden anhäufen und diese über irgendwelche Bürgschaften absichern müssen. Kein Verein hält seinen abgegebenen Etat ein. Ginge der KEV schuldenfrei in die 2 Liga, kann er gut an dem Wttbewerb teilnehmen und vielleicht auch wieder aufsteigen. Die DEL hat eher ein Problem der Lizensierungskontrolle.

    • Das ist ein richtiger Punkt, den Du ansprichst. Aber dann kannst Du ja verstehen, warum man in der DEL Angst vor dem Abstieg hat und so mit der Lupe hinterher ist. Das hätte alle interessierten Clubs der DEL 2 klar sein müssen. Dann ist das mit den 15.000 Euro echt dämlich. Aber gut: Es wird ja einen dritten Anlauf geben – wir sind gespannt, wie der wird und drücken die Daumen.

  4. Selten sowas sämtliches gelesen. Machen sie sich erstmal über die DEL2 schlau, bevor sie so einen Schwachsinn schreiben.
    Meiner Meinung nach dürfte es keinen Nachrücker geben falls Mal wieder ein DEL Verein pleite geht.
    Alle Föli Verträge kündigen und wieder zur alten 1. Und 2. Zurückkehren

    • Was konkret ist denn „sämtlich“ und somit falsch an den im Text genannten Aussagen? Kann man DEL 2 irgendwo studieren? Scheint ja eine sehr komplexe Angelegenheit zu sein….

  5. Es wird Zeit das der DFB seinen Arsch in den Hose hat und der DEL endlich zeigt wo der Hammer hängt und nicht nur nach dem Geld schielt das von der DEL fließt. Aus der DEL2 wird die Nationalmannschaft rekrutiert und die DEL kann schauen wo sie ihre Nachwuchsspieler parkt. Dann kann und wir die DEL in ihrem eigenen System ersticken. Aber dazu gehört ein stärkerer DEB !!!!!

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