Das U23-Gefälle der Deutschen Eishockey Liga

Lean Bergmann (Foto: Marco Leipold/City-Press GbR)

In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gibt es einen Bieterwettbewerb um „Nachwuchsspieler“. Zumindest klagen Manager einiger Teams über die Preise, für die Spieler wie Lean Bergmann aus Iserlohn oder auch der Straubinger Stefan Loibl gehandelt werden.  Zeit also, mal zu schauen, wie in der ganzen Liga Spieler unter 23 Jahren eingesetzt werden.

Seit dieser Spielzeit hat die Liga die Zügel beim Einsatz jüngerer Spieler angezogen. Wer 19 Feldspieler in einer Partie einsetzen will, muss mindestens einen Akteur unter 23 auf dem Spielberichtsbogen haben. An Spiellizenzen für die gesamte Saison haben die Clubs nun 33, aber vier davon sind für den „Nachwuchs“ unterhalb der angesprochenen Altersgrenze reserviert. Bis 2025/26 sollen die Clubs sogar nur noch 25 Spieler von den dann 31 möglichen im Kader haben, die älter als 23 sind.

Preisspirale dreht sich nach oben

Da klingt das Jammern der DEL-Manager nachvollziehbar: In den vergangenen Jahren hat sich die DEL nicht besonders als Jugendförderanstalt hervorgetan. Entsprechend knapp ist das Angebot an konkurrenzfähigen, jungen Spielern (von Nachwuchs will man ja bei U23 schon fast nicht sprechen). Wie so immer. Wo auf einmal auf ein vorher nicht vorhandenes Angebot zurückgegriffen werden muss, schraubt der Markt die Preise nach oben. Spieler wie Lean Bergmann, Leon Niederberger, Stefan Loibl oder Lucas Dumont können sich in jungen Jahren gute Verträge erspielen.

Es gibt allerdings noch eine andere Methode, diesem Mangel zu begegnen: Vereine nehmen das sportliche Risiko und experimentieren mit jungen Spielern. Doch dieser Trend ist nicht zu erkennen, wie der kühle und harte Blick in die Statistik zeigt. Im Schnitt haben die 14 DEL-Clubs 44 U23-Spieler auf dem Spielberichtsbogen gehabt, 43 wurden eingesetzt. Im Schnitt hat jeder Verein also bisher drei jüngere Spieler eingesetzt, außerdem zeichnet sich ein einzelner Akteur für durchschnittlich 7,42 Punkte pro Team verantwortlich, bei 7,48 Minuten Eiszeit. Allerdings kaschiert der ECH RB München hier einiges.

Ohne München kaum Eiszeit und Punkte

Der Meister hat bereits sieben U23-Spieler eingesetzt, sie haben zusammen 24 Punkte gesammelt. Ohne München liegt der ligaweite Schnitt bei 2,76 Spieler jüngerer Bauart, die für 6,1 Punkte stehen. Übersetzt: Junge Spieler kommen beim Starensemble von der Isar drei Mal mehr zum Einsatz und scoren vierfach besser für ihr Team. Natürlich muss man bedenken, dass München durch die zugehörige Nachwuchsakademie in Salzburg über ein schier unendliches Kontingent an Jugendspielern verfügt, und damit auf Verletzungsserien – wie im aktuellen Fall – gut reagieren kann. Allerdings ist der Etat des Teams auch derart unbegrenzt, so dass der EHC auch einfach neue, erfahrene Spieler hätte verpflichten können. Also nicht nur einen Yasin Ehliz, sondern gleich fünf. Aber der Verein macht es nicht.

Rechnet man dann aus dem Ligenschnitt noch die oben angesprochenen Top-Scorer der U23-DEL-Spieler raus, sieht es ziemlich düster in der DEL aus. Dann sind die 4,52 Minuten Eiszeit des einzigen Bremerhavener Spielers, Christoph Körner, eher Regel als Ausnahme. Womit wir wieder beim Anfang sind: Das Wettrennen um die besten U23-Spieler ist nachvollziehbar. Aber – und das zeigt ein Blick in die ernüchternde Statistik – es ist hausgemacht. Die Vereine jammern tatsächlich über einen Zustand, für den sie selber verantwortlich sind.

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