Das Sommertheater-Barometer

Kein Eishockey-Sommer ohne Theater. Was die Funktionäre wie die Pest fürchten, hat inzwischen den alljährlichen Eingang in den Rahmenkalender des DEB-Geltungsbereichs gefunden. In diesem Jahr brodelt es gleich an mehreren Ecken und Enden. Wir haben mal alle Fälle für Euch gesammelt und schätzen den Theater-Faktor für die Off-Season ein.

  • Krefeld Pinguine

DER Stammgast im alljährlichen Trubel um schwierige Eishockeyfinanzen. Nicht erst seit dem jüngsten WZ-Bericht gibt es Spekulationen, die Lizenz der Krefelder wandere alsbald nach Frankfurt und der KEV verschwindet im Amateureishockey. Fragt man die Verantwortlichen in Krefeld nach der Teilnahme an der DEL-Spielzeit 2018/19, hört man keine Zweifel. Jenseits davon will einem jedoch keiner Zusagen geben. Fakt ist: In Krefeld herrscht nach Platz 2 in der Hauptrunde 2012/13 sportliche Tristesse. Zuletzt war das Team zwei Mal Letzter, der Mietvertrag mit der Halle ist ein Klotz am Bein (sagt man sich beim KEV) und die Zuschauer werden auch immer weniger. Und auch intern gibt es unterschiedliche Strömungen. Der sportliche Berater Rüdiger Noack gefällt – nach unseren Informationen – zwar dem Geldgeber aber nicht den Leuten auf der Geschäftsstelle.

Theater-Faktor: 80 Prozent. Der KEV wird zwar DEL spielen, vergibt aber gerade Chancen, sich eine langfristige Zukunft zu sichern. Der Tipp für den Buchmacher: Ab Herbst 2019 heißt Krefeld in der DEL Frankfurt. Solange dürfen wir noch einmal einen Deutschland-Cup, viel Theater und eine sportlich traurige Spielzeit in der DEL erleben. 

  • Tilburg Trappers

Der Oberliga-Meister aus den Niederlanden erhitzt die Gemüter. Seit drei Jahren in der Oberliga dabei, seit drei Jahren Meister. Manchem Club in der Oberliga Nord stößt das auf – die Trappers dürfen nämlich nicht aufsteigen und werden deshalb von dem ein oder anderen als Blockierer für ambitionierte Clubs wahrgenommen. Stimmt nicht sagt die Vernunft, allerdings sagt die auch: Ohne die Möglichkeit in die DEL 2 aufsteigen zu können, wird das Spiel mit den Trappers schwierig. Unabhängig davon, wie dümmlich manch vorgetragene Kritik daher kommt:

Theater-Faktor: 20 Prozent. Klar gibt es Aufregung. Aber die Trappers werden irgendwann den Weg in die DEL 2 finden. Wenn nicht, endet das Projekt Oberliga Nord. Nicht dieses Jahr, aber vielleicht schon im nächsten. Denn auch für den niederländischen Club ist die Liga aktuell eine Sackgasse. Unsere Prognose (und auch Hoffnung) ist aber, dass bald das Aufstiegsrecht kommen wird.

  • SC Riessersee

Der bisherige Wahnsinn des Sommers. Erst sagt der Gesellschafter Udo Weisenburger – nicht ohne Vorwürfe gegen den ehemaligen Geschäftsführer – der Traditionsclub habe keine Chance mehr, sich das Abenteuer DEL 2 zu leisten. Panik bricht aus, Riessersee mal wieder pleite, die zweite Liga am Scheidweg. Und ob der SCR es überhaupt noch in die Oberliga Süd schafft? Alles fraglich. Dann die Wende: Auf einmal sind doch wieder Sponsoren da, der SCR gibt doch noch Lizenzunterlagen für die DEL 2 ab. Auch wenn feststeht, dass der Kader nicht so stark sein wird, wie in der Vorsaison – selbst die abgespeckte Variante des aktuellen DEL-2-Hauptrundensiegers würde der Liga gut tun. Auch wenn die Wenden und Volten der vergangenen Wochen ein eher fragwürdiges Licht auf alle Beteiligten geworfen hat.

Theater-Faktor: 10 Prozent. Der SCR wird die Zweitliga-Lizenz erhalten, nicht mehr ganz oben mitspielen und eventuell auch in die Play-Downs rutschen. Aber das ist zu langweilig, als dass es den Sommer über zu noch mehr Diskussionen führen wird.

  • EV Duisburg

Lange nichts mehr vom EVD gehört. Also so richtig krachende News. Niemand erhält aktuell Vorwürfe, dies oder das Böses getan zu haben. Füchse-Chef Sebastian Uckermann ist erstaunlich leise. Hier und da wird ein Spieler verpflichtet, mit Raphaël Joly hat sich der Lieblingsspieler Uckermanns gen Halle verabschiedet. Die Füchse haben aktuell einen Kader beisammen, der nicht nach Weltherrschaft DEL-2-Aufstieg aussieht. Also endlich Ruhe in Duisburg? Schön wäre es. Aber die Ruhe ist trügerisch. Gerüchte machen in der Szene die Runde, die fetten Jahre seien an der Wedau vorbei. Gar Uckermanns Ausstieg wird hier und da kolportiert. Alles aber nur Gerüchte, keine Fakten. Man wird sehen, was in Duisburg passiert.

Theater-Faktor: 100 oder null Prozent. Dazwischen gibt es bei den Füchsen nichts. Entweder kommt der große Knall, der den EVD wieder an die Etatspitze der Oberliga bugsieren wird oder der Verein wird normal. Dann aber ohne die bisherigen Verantwortlichen. Auf jeden Fall spannend.

  • Kölner Haie

Mal wieder die Meisterschaft verpasst, Unruhe bei den Sponsoren und Fans, der Geschäftsführer in der Kritik. Vorneweg: Die Haie sind nicht gefährdet, aber das Theater zehrt an den Kräften des Clubs. Eigentlich gibt es seit der Finalniederlage 2014 gegen Ingolstadt keine Ruhe im Verein. Die Ziele sind hoch, jedes Jahr dann irgendwie zu hoch. Der inzwischen ersetzte Geschäftsführer Oliver Müller passte da ins Bild. Statt demütiger Arbeit an der Entwicklung der Haie wurde das Glas jedes Jahr überfüllt. Nach dem unrühmlichen Abgang der Haie-Legende Philip Gogulas in Richtung Düsseldorf (statt Richtung Arbeitsgericht) ist Müllers Zeit vorbei. Ex-Pressesprecher und Marketingleiter Philipp Walter kehrt vom Fußballbundesligisten SC Freiburg zurück und übernimmt bei den Haien. Ein PR-Mann also. Vielleicht nicht verkehrt: Etwas mehr professionelle Zurückhaltung statt Hai-ähnlich großem Maul täte dem Club gut.

Theater-Faktor: Fünf Prozent – zumindest für den Sommer. Danach wird sich zeigen, ob die Haie was aus den letzten Jahren gelernt haben.

  • EHC Timmendorfer Strand

Die Oberliga-Nord hat ein kleineres Problem. Die Beach Boys, die man nicht mehr so nennen darf, sind raus. Der kleine Verein von der Ostsee hat kein Geld mehr, von Betrug war sogar zwischenzeitlich die Rede. Jetzt wurde keine Spielberechtigung für die Dritte Liga beantragt. Was für die Liga heißt: Maximal 13 Clubs statt der gewollten 14 treten an. Entweder also, man akzeptiert diese Zahl, Tilburg wird noch rausgeekelt oder ein anderer Club (Duisburg?) verliert die Lust an der Oberliga. Mit dem Aus Timmendorfs stellen sich Fragen nach der Größe, Breite und Stärke der Liga.

Theater-Faktor: 30 Prozent. Klar, die Geschichte in Timmendorf ist Mist, aber sollte man auch nicht zu hoch hängen. Dazu ist der Verein zu klein. Was sich allerdings stellt, ist die Frage nach der Zusammensetzung der Oberliga Nord. Sind da eventuell zu viele kleine Clubs drin? Wie umgeht man die ungrade Teilnehmerzahl? Da liegt Theater-Potential für den Sommer. Besonders wenn man um die Stimmung über den „Komplex Tilburg“ weiß. (s.o.)

  • Auf und Abstieg zwischen DEL und DEL 2

Eigentlich ist alles dazu gesagt: Der dritte Anlauf steht an, die DEL hat offenbar Probleme mit VIP-Kapazitäten in Heilbronn, die man vor ein paar Monaten nicht hatte. Der Trubel um den SC Riessersee bestätigte zudem die wenigen Kritiker an einem Auf- und Abstieg und aktuell wird still und leise ein Schiedsverfahren unter Hilfe des DEB geführt. Der Ausgang ist offen. Und je stiller es ist, umso mehr Stimmen gibt es, ob das alles nicht mehr eine Meta-Debatte ist, als eine wirklich wichtige. Denn auch dieser Sommer zeigt deutlich: So viele Clubs, die genug Geld für die erste Liga zur Verfügung haben, gibt es in Deutschland nicht. Zumindest nicht zwingend in zwei Ligen.

Theater-Faktor: 100 Prozent. Egal wie es ausgeht, das Thema bleibt ein Dauerbrenner. Manche sagen, man solle die DEL mit den stärksten Zweitligisten aufplustern und die DEL 2 einfach einstellen. Andere sehen schon eine neue unabhängige zweite Liga vor sich. Und viele sind einfach nur genervt. Ob es jemals eine wirklich beständige Lösung gibt, die zumindest stabiler als das aktuell geschlossene System ist, bleibt offen und ehrlicherweise auch fragwürdig. 

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