Das falsche Gejammer über die U23-Regel

In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verschärft sich die Regel für den Einsatz jüngerer Spieler. Aus der zweiten Liga kommen kritische Worte. Von Verdrängung guter Spieler ist die Rede.

Von dieser Spielzeit an dürfen nur noch 17 Feldspieler älter als 23 Jahre sein. Will man die vollen 19 Stürmer oder Verteidiger aufbieten, kann man das nur mit U23 deutschen Spielern machen. Das bedeutet: Die Kaderplätze für Ältere in der DEL reduzieren sich – in den folgenden Jahren wird diese Regel sogar weiter verschärft. In der obersten deutschen Liga ist eine regelrechte Schatzsuche nach jüngeren Spielern ausgebrochen.

Prominenz für die DEL 2

Und in den unteren Ligen finden sich plötzlich Spieler wieder, für die in der DEL kein Platz mehr in der dritten oder vierten Reihe ist. Ob Lukas Laub (25, Bietigheim Steelers), Manuel Strodel (27, EC Bad Nauheim), Marco Pfleger (27, Tölzer Löwen) oder Tobias Wörle (35, ESV Kaufbeuren) – sie alle hatten wohl mit einem weiteren Engagement in der DEL geliebäugelt. Sie alle landeten in der zweiten Liga.

Für die DEL 2 sind diese halbwegs prominenten Spieler eigentlich ein Gewinn. Für die jeweiligen Profis ist dieser Umstand dagegen ärgerlich. Sie verlieren im Zweifel Geld, kaum ein Zweitligist zahlt die Gehälter, die es vorher in der DEL gab. Und da selbst gute Jahre in der Oberklasse noch lange nicht bedeuten, für die Zeit nach dem Sport ausgesorgt zu haben, ist das ganze im Zweifel (je nach Lebenswandel) doppelt schmerzhaft.

Spieler wurden „geopfert“

Entsprechend kommt hier und da der Frust durch. Bad Nauheims Trainer Christof Kreutzer sagt sogar, die Spieler seien „geopfert“ worden. 80 Prozent von ihnen hätten in der DEL 2 nichts verloren, „weil sie sich als überdurchschnittliche deutsche Spieler ihren Platz in der DEL erkämpft hatten,“ erklärt der ehemalige DEG-Trainer in der Eishockey News.

Stimmen, wie die von Kreutzer gibt es immer wieder in der zweiten Liga. Sachlich kann man durchaus einwenden: Warum hat man mit Beginn der U23-Regel nicht einfach die Kontingentstellen für ausländische Spieler reduziert? So hätten die in die DEL 2 „Verbannten“ wahrscheinlich noch einen Platz in der DEL. Aber – und da sind wir beim größten Einwand gegen Kreutzers Kritik: Wo ist dadurch die Steigerung des spielerischen Niveaus?

Keine Leistung für gute DEL-Verträge

Anders als Kreutzer nämlich behauptet, haben die betroffenen Spieler zwar halbwegs klangvolle DEL-Namen. Aber ihre Formkurven sind nun auch nicht wie eine Rakete nach oben geschossen. Manuel Strodel und Lukas Laub haben bei der DEG nicht zwingend bewiesen, dass sie unbedingt einen Platz in der ersten Liga verdient hätten. Selbst Marco Pfleger – auch wenn er laut eigener Aussage bewusst den Schritt nach Tölz gegangen ist – hat nicht unbedingt Argumente geliefert, ihn für mehr Gehalt zu verpflichten, als er wahrscheinlich bei den aufstrebenden Tölzer Löwen bekommen soll.

Das Zauberwort heißt „Leistungsprinzip“. Schaut man bei den betroffenen Spielern hin, die sich in der kommenden Spielzeit in den Klassen unterhalb der DEL tummeln, so haben sie dann einfach nicht die Leistung gebracht, die mindestens einen guten Kaderplatz im unteren Drittel der Deutschen Eishockey Liga rechtfertigt. Und deshalb irren alle um Christof Kreutzers Meinung.

Mehr Breite in allen Leistungsklassen

Egal ob Importspieler oder einheimischer Kufenakteur: Am Ende zählt die Leistung. Eine Reduzierung der Kontingentspieler wäre nur sinnvoll, wenn dafür auch die Zahl der Nachwuchsspieler noch einmal gesteigert werden würde. Dagegen verbietet sich fast schon die Reduzierung, wenn sie einzig alleine dem Gedanken folgt, durchschnittlichen Spielern einen gut dotierten Kaderplatz zu erhalten.

Was ist also die Lösung? Die Vereine müssen auch oberhalb der 23-Jährigen Spieler aus dem Mittelmaß raus. Das hiesige Eishockey braucht mehr gute Spieler in allen(!) Altersklassen, wodurch weite Teile des ECHL-Scoutings obsolet wären. Wir wären wieder beim Beispiel Schweiz: Die Auswahl eigener Spieler ist dort durch konsequente Basisarbeit über Jahre auf einem derart hohen Niveau, dass es die Beobachtung drittklassiger Überseeligen fast nicht mehr braucht.

Noch lange nicht auf gutem Niveau

Von diesem Status ist Deutschland noch lange entfernt. Bestes Beispiel ist das jüngste U-20-Turnier, bei dem die deutsche Auswahl ohne Dominikk Bock (Rögle BK/St.Louis) und Moritz Seider (Adler Mannheim/Detroit Red Wings) keinen Sieg einfuhr. Die U23-Regel ist deshalb nur ein Anfang.

Womit wir bei der eigentlich schlechte Nachricht für diejenigen wären, die jetzt über sie jammern: Wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht, werden die Regeln in den kommenden Jahren nur noch schärfer. Und wenn dann eine Reduzierung der Kontingentspielerstellen wirklich sinnvoll erscheint, das sportliche Niveau gestiegen ist, dann gibt es auch weiterhin keinen Platz für die, die jetzt in der DEL 2 sind. So einfach ist das halt im Sport.

1 Kommentar

  1. Hallo, die Argumente sind schon ok. Allerdings sind auch viele Kontigentspieler auch nur Durchschnitt. Man hätte also schon um ein Kontigetspieler reduzieren können. Auch treibt man so die Preise nach oben. Ob da alle Vereine mitgehen können ? Durch den Wieder eingeführten Abstieg werden sich wieder viele Vereine überschuldet wie in den frühen 90er.

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