Bringt den DEB-Pokal zurück!

Ein paar Ideen, wie man den DEB-Pokal wiederbeleben kann.

Mannheimer Spieler feiern (Foto:RedBull Media)

Preisfrage: Was macht man im unterklassigen Eishockey, wenn einer Liga die Mannschaften ausgehen, man aber dringend noch ein paar Spiele samt Zuschauereinnahmen braucht? Man führt eine Pokalrunde ein. So hat es zum Beispiel in diesem Jahr die Regionalliga-West gemacht. Zusätzlich zum Ligabetrieb mit nur noch sieben Teams setzte man gleich zwei Wettbewerbe auf.

Einmal einen regulären Pokal und den Interregio-Cup mit Teams aus den Niederlanden und Belgien. Mit einem ernst zu nehmenden Pokalwettbewerb hat das natürlich nichts zu tun. Es geht rein darum, auf eine notwendige Zahl an Heimspielen und Einnahmen zu kommen. Die viertklassigen Cup-Ambitionen aus dem Westen stehen somit sinnbildlich für das Verhältnis des deutschen Eishockeys zu einem etablierten und akzeptierten Pokalmodus.

Selten ausgespielt, selten gemocht

In der Geschichte des Deutschen Eishockey Bundes (DEB) ist nur elf Mal der sogenannte DEB-Pokal ausgespielt worden. Ende der 60er gab es einen einmaligen Versuch, in den 80ern folgten zwei Auflagen, um die Olympiapausen ’84 und ’88 zu überbrücken. Erst zwischen 2003 und 2009 gab es eine längere Phase, in der jährlich zwischen Erst-, Zweit- und einigen Drittligisten ein Pokalsieger ausgespielt wurde.

2009 stampfte man das Konzept eines Wettbewerbs der höchsten Ligen wieder ein. Zu wenig Interesse kam bei den Zuschauern auf. Bei der Düsseldorfer EG führte der Pokal beispielsweise zu einem wahrscheinlich ewigen Rekord, zumindest in negativer Hinsicht. Im Viertelfinale 2007/08 fanden gegen Augsburg nur 1.761 Zuschauer den Weg in den Dome. Weniger waren und werden es wohl auch nie.

Triste Pokalgeschichte mit Negativrekorden

Trotz dieser eher tristen Historie spricht dennoch einiges für einen neuen Versuch mit dem DEB-Pokal. Dazu braucht man nur einen Blick auf den DFB-Pokal des Fußballs werfen, der eine hohe Akzeptanz besitzt. Zwar murren die Top-Teams hin und wieder über die lästige Mehrbelastung durch den Wettbewerb. Aber am Ende versuchen Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund oder RB Leipzig doch immer wieder nach Berlin zu kommen, um dort den Titel zu holen.

Wahrscheinlich ist der DFB-Pokal eines der wenigen Dinge, wo das Eishockey sich etwas vom Fußball abschauen kann. In vielen Bereichen wäre eine etwas aufgemotzte Kopie des DFB-Pokals eine gute Idee für das Eishockey. Zunächst wäre da der Modus. Er sollte simpel sein. Also: Der Sieger ist eine Runde weiter. Keine dusseligen Experimente wie im Handball, wo den Modus keiner mehr durchschaut und in der ersten Runde auch nicht schauen will.

Der Fußball macht es vor

So sollte das Teilnehmerfeld nicht zu groß sein. Kann sich der Fußball, mit seinen professionellen Strukturen bis weit in die vierte Liga hinein, ein Starterfeld von 64 Teams leisten, genügen beim Eishockey 32 Mannschaften. Die komplette DEL und DEL 2 der Vorsaison (also inklusive des Zweitligaabsteigers) wäre spielberechtigt. Hinzu kommen vier unterklassige Vereine.

Das könnten entweder Sieger von Regionalpokalen aus Nord, West, Ost und Süd sein. Diese Variante hätte den Charme, dass auch Clubs unterhalb der Oberliga es in die Hauptrunde schaffen könnten. Oder man nimmt die vier Halbfinalisten aus den Oberliga-Play-offs. So wäre auf jeden Fall der Oberliga-Meister und Aufsteiger dabei und somit ein gehobeneres sportliches Niveau. Natürlich könnten sich so auch, der Einfachheit halber, die Tilburg Trappers qualifizieren. Somit hätte man auch den niederländischen Oberligateilnehmer, der nicht aufsteigen darf, aus der Sackgasse geholt.

Aufwertung des Amateurhockeys

Egal wie man sich entscheidet – es würde besonders den Wettbewerb unterhalb der ersten Liga aufwerten. Die Aussicht auf Spiele gegen DEL-Teams sind zusätzliche Motivation, die man dann aber auch entsprechend bedienen sollte. Womit wir bei der Auslosung wären. Da gilt wie im Fußball: Der unterklassige Club hat immer Heimrecht. Aber: Damit alles schön durchmischt wird, gibt es nur einen Lostopf. Damit vermeidet man, dass sich in der ersten Runde ausschließlich DEL-Teams durchsetzen und man im Achtefinale nahezu unter sich ist.

Wie vermeidet man leere Arenen?

Natürlich ist klar, dass ein Pflichtspiel der Adler Mannheim in Crimmitschau die dortige Halle umgehend vollmacht. Aber was ist mit solchen Partien wie den Kölner Haie gegen die Schwenningener Wild Wings? Wer will das schon in der Kölner Arena schauen? Daher sollten die Stadion-Standards gesenkt werden. Warum erlaubt man für den Pokal nicht Austragungsorte wie die Krefelder Rheinlandhalle, die Düsseldorfer Brehmstraße oder den Berliner Wellblechpalast?

Den Punkte-Plan der DEL kann und muss man für diesen Wettbewerb außer Kraft setzen. Die Erstligisten hätten die Möglichkeit aus den Pokalspielen ihre eigenen, regionalen Events zu machen. Was, wenn die Iserlohn Roosters ein Pokal-Heimspiel in Dortmund austragen, um in der Region für sich Werbung zu machen? Kurz gesagt: Wenn im Pokal beim Spielort Kreativität erlaubt ist, dann gibt es sicher auch an den Standorten der Top-Teams ein größeres Interesse.

CHL-Startplatz für den Sieger

Am Ende geht es natürlich um den Sport. Und da braucht es für den Pokalsieger auch eine entsprechende „Belohnung“. Im deutschen Eishockey kann man (noch) keine hohen Siegerprämien zahlen. Selbst wenn mit der Telekom ein TV-Partner zur Verfügung steht, viel Geld würde man nicht einnehmen um einen fetten Bonus zahlen zu können. Allerdings steigen in der CHL die Prämien, der europäische Clubwettbewerb wird attraktiver. Solange Deutschland vier Startplätze hat, könnte einer an den Sieger des DEB-Pokals vergeben werden.

Und wenn wir schon so munter beim Fußball geklaut haben: Es braucht einen spannenden Finalort. Dass man mit dem Endspiel absehbar die großen Hallen füllt, scheint eher utopisch. Aber die etwas über 4.600 Plätze im Wellblechpalast in Berlin sollte man füllen können. Womit ein Finalort schnell gefunden ist. Und dann kann es auch im Eishockey eigentlich bald nur noch heißen: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“

Mehr dazu gibt es auch in unserer Podcast-Ausgabe #115. Ab Minute 39 geht es los mit unserer Diskussion um den DEB-Pokal:

2 thoughts on “Bringt den DEB-Pokal zurück!

  1. Sehr schwierig – grundsätzlich finde ich die Idee gut, aber das Problem im Eishockey sind einfach die vielen, vielen Spiele. So lange die Vorrunde nicht reduziert wird, bin ich eher gegen die Einführung des Pokals.Ich habe selbst eine Dauerkarte, aber 2 Vorbereitungsspiele + 26 Hauptrundenspiele + PlayOffs + ggf. CHL ist zu viel und da hab ich noch Auswärtsspiel besucht oder auf Magenta angeschaut… Daher lasse ich schon das ein oder andere Spiel ausfallen.

    Ich fände folgenden Modus für die Hauptrunde der DEL perfekt:

    Eine Hin- und eine Rückrunde, dann Tabelle teilen Platz 1-6 wieder hin und Rückrunde bei der es um den höchstmöglichen Tabellenplatz und eben Heimrecht für die PlayOffs geht, Platz 7-14 ebenfalls Hin- und Rückrunde und die am Ende auf Platz 7-8 stehen, sind für die PlayOffs qualifiziert, der letzte steigt direkt ab. So wird die Vorrunde deutlich aufgewertet und es geht schon während der Saison um mehr.

    Für die Vereine, für die es ja um eine feste Kalkulation für die Budgetplanung geht, sind das dann wie folgt „sichere“ Spiele:

    – Hinrunde 13 Heimspiele, Platz 1-6 Hinrunde 5 Heimspiele, + 2 Heimspiele Viertelfinale sicher = 20 Heimspiele sicher

    – Hinrunde 13 Heimspiele, Platz 7-14 Hinrunde 7 Heimspiele = ebenfalls 20 Heimspiele sicher

    Sind also für jeden Club 6 Heimspiele weniger.

    Die fehlenden Erträge durch die fehlenden 6 Heimspiele, sollten durch einen höheren Zuschauerschnitt und ggf. mittelfristig durch einen besseren TV-Vertrag kompensiert werden (letztes Jahr sahen bei MagentaSport 11 Mio Eishockey, 9 Mio 3.Liga, 8 Mio Basketball)

    Vorteil, Vorrunde wird extrem aufgewertet, ein Spiel hat mehr Wert, Medien und TV können sich mehr auf einzelne Spiele fokussieren und berichten. Zuschauerschnitt dürfte durch fehlende Dienstagsspiele steigen und es gibt mehr Zeit für Nationalmannschaft , CHL UND AUCH GGF. EINEN DEB-POKAL 🙂

  2. Finde ich Klasse und würde mich freuen wenn der DEB Pokal wieder eingeführt würde. Das fördert auch den Nachwuchs in den unteren Ligen.
    Auch das mit der Hallenauswahl ist eine gute Idee.
    Zurück zu alten Zeiten .

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