Der Düsseldorfer Süden braucht Eis!

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Die 1979 eröffnete Sparkassen-Eissporthalle im Düsseldorfer Stadtteil Benrath geht in diesem Jahr in ihre 40.Saison – aller Voraussicht nach wird es die Letzte sein.

Errichtet wurde die Halle an der Paulsmühle als Schenkung der Sparkasse Düsseldorf. Eine Stiftung, ausgestattet mit rund zehn Millionen Mark, sollte den Betrieb und die Erhaltung sichern. Trotz zwischenzeitlicher Aufstockung durch die Sparkasse sind diese Gelder mittlerweile aufgebraucht und ein weiterer Fortbestand der in die Jahre gekommenen Sportstätte ungewiss.

Neubau im Abseits?

Pläne und Ideen gab es Einige, auch aus der Politik kommen überwiegend positive Signale, im Düsseldorfer Süden weiterhin Eissport anbieten zu können. Statt Sanierung mehren sich jedoch die Stimmen für einen Neubau an anderer Stelle – am jetzigen Standort, einem ehemaligen Industriegelände, hat der Bau neuer Wohngebiete und eines Berufskollegs begonnen. Aktuell wird eine Fläche an der Kappeler Straße im etwas nördlich gelegenen Stadtteil Reisholz ins Gespräch gebracht, jedoch gestaltet sich hier die Anbindung an den ÖPNV um Einiges schlechter. Der jetzige Standort der Eishalle liegt in Sichtweite des Bahnhofs Benrath, der optimal angebunden ist.

Ideallösung wurde verschlafen

Ebenfalls in Bahnhofsnähe, auf dem Gelände des Benrather Freibades, wird ein neues Kombibad für geplante 22 Millionen Euro errichtet. Der Idee, eine neue Eishalle in diese Pläne zu integrieren, wurde erst kürzlich aus der Politik eine Absage erteilt – die Planungen seien zu weit fortgeschritten, um diese Lösung noch nachträglich in Betracht zu ziehen. In Anbetracht der Tatsache, dass das Auslaufen der Stiftungsgelder nicht erst „seit Kurzem“ bekannt sein dürfte, eine fatale Nachlässigkeit.

Ein Blick nach Köln zeigt hier die verpassten Möglichkeiten. Nach dem Abriss der alten Spielstätte der Kölner Haie wurde an selber Stelle 2011 der Lentpark eröffnet. Für rund 25 Millionen Euro wurde ein Hallen-und Freibad errichtet. Angeschlossen sind eine Eishalle mit Tribünen und eine Eis-Hochbahn, die unter anderem durch den Badebereich führt und durch die komplette Verglasung einen Blick in Selbigen sowie nach außen ermöglicht. Die Abwärme der Kälteanlage wird hier unter Anderem für das Heizen der Schwimmbecken und Räumlichkeiten genutzt – umweltschonend, energiesparend und auch von der EU gefördert und prämiert. Bei veranschlagten 10 Millionen Euro Baukosten für einen einfachen Zweckbau ohne Tribünen im Süden Düsseldorfs wären mit der Kombination Bad/Eishalle nicht nur Chancen auf eine wesentlich günstigere Variante gegeben, auch die folgenden Betriebskosten würden deutlich niedriger ausfallen – Stichwort Energieeffizienz.

Warum man sich in Düsseldorf, wo durchaus viel Geld in den Sport investiert wird, mit solchen Planungen immer sehr schwer tut, bleibt fraglich. Sich mit dem Titel „Sportstadt“ zu schmücken, bedeutet auch, mehr als nur gelegentlich über den Tellerrand des Fußballs und Radrennens zu blicken.

Bedarf mehr als vorhanden

Bei all den Möglichkeiten, die man in den letzten Jahren verschlafen hat, sehen die Zeichen dennoch positiv aus, dass es mit dem Eissport im Süden der Stadt weitergehen wird. Nur müssen alle Beteiligten schnell handeln. Die Fertigstellung eines Neubaus wird für 2021 anvisiert. Will man nicht weitere Gelder in eine Übergangslösung investieren oder gar zwei oder mehr Jahre ohne Eishalle dastehen, müssen die Pläne auf den Tisch und die Bagger ins Rollen kommen.

Dass der Bedarf vorhanden ist, steht außer Frage. Mehrere Hobbyteams, unter Anderem eine Mannschaft der Düsseldorfer Feuerwehr, mit zum Teil mehr als 20 Spielerinnen und Spielern jagen in der Benrath der Hartgummischeibe hinterher. Die Damen der DEC Devils gehen in der Landesliga an den Start und auch bei den Freizeitläufern ist der Zulauf über all die Jahre ungebrochen. Besonders die Eisdisco ist beliebt und im Schulsport sind es bis zu 7.000 Kinder und Jugendliche, die hier Monat für Monat das Schlittschuhlaufen erlernen können.

Online-Petition für den Erhalt

Das altehrwürdige Stadion an der Brehmstrasse kann einen kompletten Wegfall der Benrather Halle nicht im Ansatz kompensieren, der Zeitplan ist mit Spielbetrieb und Training des DEG-Nachwuchs sowie der Eiskunstläufer mehr als eng gestrickt. Allen Eissportfreunden, und denen die es noch werden wollen, sei deshalb die Online-Petition zur Rettung der Eishalle Benrath ans Herz gelegt, um dem Ganzen noch mehr Nachdruck zu verleihen.

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