Bartas Zweifel

Sportlich hat die Serie gegen Augsburg Spaß gemacht. Ein schönes Duell auf Augenhöhe, ein echter Fight um das Halbfinale. Aber so die wahre Begeisterung wollte bei unserem Autor nicht überspringen.

Sportlich hat die Serie gegen Augsburg Spaß gemacht. Ein schönes Duell auf Augenhöhe, ein echter Fight um das Halbfinale. Aber so die wahre Begeisterung wollte bei unserem Autor nicht überspringen.

Ich war einigermaßen beeindruckt, als die Düsseldorfer EG einen Tag nach der Serien-Niederlage gegen den AEV eine fiese Verletztenliste veröffentlichte. Manuel Strodel hatte sich den Fuß gebrochen, die Schultern von Patrick Köppchen und Ken-André Olimb waren kaputt, und Kapitän Alex Barta schleppte sich mit einem Innenbandabriss durch das entscheidende siebte Spiel. Schaut man auf die ganzen Blessuren aus dem letzten Drittel der Hauptrunde und bedenkt, wie angeschlagen noch weitere Spieler in das Viertelfinale gingen, kann man vor der Leistung der DEG nur den Hut ziehen. Zumindest bin ich nicht enttäuscht von dieser Spielzeit. In ihr kamen mehr Zuschauer, über weite Strecken gab es ansehnliches DEL-Eishockey und das Viertelfinale hätte ja auch anders ausgehen können.

Eine Serie, die mich nervte

Genügend Gründe, um ganz beschwingt und positiv gespannt auf die neue Spielzeit zu warten. Besonders, da sich die sportliche Leitung des Vereins ebenfalls als gut werkelndes Getriebe erwiesen hat. Die gehörige Portion Skepsis, die ich mit Niki Mondt als Sportdirektor hatte, war unbegründet.

Trotzdem bin ich nicht restlos überzeugt. In Teilen hat mich die Serie der DEG gegen die Augsburger Panther genervt. Die Düsseldorfer Spieler kamen mir oft freudlos vor, fast schon übertrieben angespannt. Außer Ryan McKiernan, der seine Privatfehde mit dem Augsburger Publikum unterhaltsam zelebrierte, gab es keinen Spieler, der mal über längere Strecken einen Gesichtsausdruck machte, als empfände er so etwas wie Spaß an seinem Beruf.

Ernste Lage im DEG-Sieherheitsrat

Natürlich hätte mich das nicht überraschen dürfen. Die prägenden Gesichter des Teams waren nie große Entertainer. Mathias Niederberger, Bernhard Ebner oder Kapitän Alexander Barta kenne ich fast ausschließlich mit nachdenklichem Gesicht. Die drei könnten gerade im Lotto Millionen gewonnen haben, ihre Miene würde wahrscheinlich trotzdem ausdrücken, die Lage im UNO-Sicherheitsrat sei ernst.

Weil ich mir dieses Umstandes nun einmal bewusst war, habe ich versucht, die mangelnde Freude irgendwie als mein individuelles Problem zu sehen. Ich habe Gründe dafür gesucht, warum ich gegen die Hamburg Freezers 2015 mehr Spaß hatte (selbst beim Serienstand von 2:3 gegen die DEG), ich freudiger in die erwartbare trostlose Niederlage gegen Wolfsburg gegangen bin als in eine Serie, die mir vom Papier her eigentlich alles versprach, was Spaß machen kann.

Bartas Zweifler-Gemopper

Erst nach Spiel 6 hatte ich zumindest sowas wie eine Erklärung: Dank des DEG-Kapitäns Alexander Barta. Die Düsseldorfer EG hatte im wahrscheinlich epischsten Spiels ihres Play-off-Jahrzehnts in letzter Minute das Saisonaus verhindert und dann noch in der Verlängerung schnell ein siebtes Spiel erzwungen. So traurig das in der Relation zur Vergangenheit klingt (die ist bei der DEG gepflastert mit großen Comebacks und Siegen), so gut tat das auch mal. Da ist man dann halt wieder eher der Fan als der distanzierte Beobachter.

Bis eben Kapitän Barta an das Mikrofon des Stadionsprechers schritt. Der Kapitän hatte den 2:3 Anschluss erzielt und mit einem auffordernden Jubel die Stimmung in der Halle für die schließlich erfolgreiche Aufholjagd angeheizt. Der 36-Jährige sprach eindrücklich und wenig lächelnd. “Hört auf, an uns zu Zweifeln! Hört einfach auf!” In der Mixed Zone legte er nach: Dort sprach er davon, dass seine Worte alle betreffen würden, außer die Spieler in der Kabine. Und er sagte, dass es sich über die ganze Saison ziehe. “Als wir Dritter waren, waren Kritiker da. Als wir dann letztendlich Sechster waren, waren wir dann schon abgeschlagen, und man hatte das Gefühl, als ob wir die Playoffs verpasst haben. Ich weiß nicht, wo die Erwartungshaltung hier herkommt. Wir haben eine Riesensaison gespielt. Die Serie macht für alle Beteiligten Spaß. Es ist eine tolle Serie. Ich verstehe nicht, wo die ganze Zweifler immer herkommen.” Dann relativierte er noch seinen Jubel, dass der vielleicht zu euphorisch gewesen sei.

Weniger BILD und Facebook, mehr Zwischentöne bitte

Ich frage mich ernsthaft, in welcher Realität der wichtigste Spieler und wahrscheinliche Wortführer in der Kabine lebt? In dieser Spielzeit hat keiner an der DEG wirklich grundlegend gezweifelt. Weder bei uns Medienvertretern noch bei einem übergroßen Teil des Stammpublikums noch bei den neutralen Beobachtern. Lediglich der Hinweis, dass es an Scoring-Tiefe fehle, weil eben die zweite Reihe um Olimb und Ridderwall ein Seuchen-Jahr hatte, kam hier und da. Sonst? Klar gab es zeitweise Enttäuschung, besonders nach dem Wintergame, als der Schwung der Monate zuvor weg war und sich vor allem die Heimspiele eher trist gestalteten – gerade die mit vielen Zuschauern. Aber das waren keine grundsätzlichen Zweifel, wie Barta sie beschreibt. Eine regelrechte Untergangsstimmung konnte und kann man nun wahrlich nicht bei der DEG ausmachen. Auch jetzt nicht nach dem Ausscheiden. Bartas Worte klingen nach übertriebenem Konsum von Facebook-Kommentaren gefolgt von einer intensiven BILD-Zeitungs-Lektüre.

Nun könnte man das ja alles verstehen, wenn er wirklich mal nach dem falschen Spiel in die Kommentare geschaut hätte. Da gibt es ja in der Tat einige “Experten”, die nach einer Niederlage gleich das ganze Team auf den Mond schießen wollen. Aber erstens sind die nicht repräsentativ für das Meinungsspektrum im DEG-Umfeld. Und zweitens handelt es sich bei Bartas neuesten Aussagen um kein einmaliges Versehen, der Kapitän fällt immer wieder in Interviews durch eine eher pessimistische Sicht auf.

Macht Euch locker!

Sein erstes Jahr in Düsseldorf war sicherlich ein verlorenes, aber seit zwei Jahren ist er der beste Spieler auf dem Eis und in der Kabine. Kaum einer hat noch Zweifel an seinen Qualitäten. Trotzdem äußert sich Barta häufiger über eine vermeintliche, negative Stimmungslage. So beschwerte er sich mal nach einem Spiel, in dem er mehrere Punkte gemacht hat, dass er ja lange für einen Einbeinigen gehalten wurde. Was schlichtweg absurd ist. So versteift sich ein Eindruck: Wenn Alex Barta öffentlich redet, klingt das diffus nach Verschwörung, Ablehnung und dem Kampf “gegen die da draußen”.

Ich persönlich bin ziemlich genervt von dieser Haltung. Ich würde mir wünschen, dass sich Barta locker macht. Er kann mit seiner persönlichen Saison zufrieden sein. Als Mannschaft wäre mehr drin gewesen, was aber auch Ansporn für die kommende Spielzeit sein kann. Er hat bei der DEG verlängert, weil er zu Recht festgestellt hat, dass sich der Verein positiv entwickelt. Vielleicht transportiert er künftig mehr Optimismus, mehr Zuversicht, schaut mehr auf wohlwollende Zwischentöne. Das ist einerseits näher an der Realität und andererseits hilft es dem ein oder anderen Beobachter, mehr Spaß an einer Serie wie Düsseldorfer EG gegen Augsburger EV zu haben.

Dieser Text ist eines der gewünschten „Gedankenprotokolle“ aus dem aus technischen Gründen ausgefallenen, aktuellen Podcast.

3 thoughts on “Bartas Zweifel

  1. Lieber Chrisltoph, Du sprichst mir in vielen Dingen aus der Seele, ausgezeichneter Artikel .

    Ich glaube, wir alle ziehen unseren Hut vor all den Verletzten, die am Sonntag nochmal auf die Zähne gebissen haben; ob das auch medizinisch klug war, weiß ich zwar nicht, aber es zeugt von aufopferungsvollem, bedingungslosem Einsatzwillen. Da können sich manche Fußballer ne Scheibe von abschneiden.

    Worauf ich allerdings immer noch keine befriedigende Antwort für mich gefunden habe, warum nach dem Wintergame so der Wurm drin war und so blutleere Vorstellungen abgeliefert wurden.

    Anyway: per Saldo können wir auf unsere DEG sehr stolz sein, v.a. die meisten Auftritte in der Vorrunde waren super!

    Und an Kalle und Ken André sei gesagt:
    auch andere hatten mal ne Zeit, wo s nicht so gut lief, wie z.B. Alex Barta in seinem ersten Jahr bei uns.
    Kopf hoch! Das sieht nächste Saison besser aus, Ihr werdet sehen.

    Was die Typen in unserem Team angeht: tja, auch ich vermisse manchmal eine gewisse Locker- und Unverkrampftheit. Aber hey, die müssen schließlich auch keine Komiker oder Entertainer sein, sondern sollen lieber humorlos die Pucks im gegnerischen Netz versenken. Dennoch (und da bin ich bei Christoph) : Optimismus hilft!

    Heia heia DEG

  2. Vielleicht meint Barta das sehr ruhige Publikum, welches inzwischen in knappen Momenten nicht unterstützt, sondern erstmal abwartet. Wenn’s klappt, wird gefeiert. Das ist nicht schwer und überall so. Aber: Es wird zwar nicht direkt gepfiffen, aber im entscheidenden Moment, wenn’s stockt auf dem Eis, kommt so gut wie nix, was mal den Push nach vorn gibt. Und das seh ich zumindest noch vereinzelt in anderen Stadien /Arenen.
    Insgesamt war Barta zu negativ in der Situation, die vielleicht zu emotional direkt nach dem Spiel war. Aber das ist nun mal seine Art: ein nimmermüder Anführer, für den Zufriedenheit Stillstand bedeutet. Diese Zufriedenheit erwartet er gar nicht von den Fans, aber er und vielleicht ein Großteil des Teams hätte sich vielleicht ein wenig mehr Enthusiasmus, Feuer, Euphorie auf den Rängen gewünscht. Allein die Zuschauerzahlen (Spiel 6, vielleicht das letzte der Saison) waren dafür Sinnbildlich. Warum das so war bzw. ist, schwer zu sagen.

    Insgesamt finde ich den Kommentar von dir, lieber Christoph, ebenso wie den von Alex Barta nach dem Spiel: ein wenig Überinterpretation.
    Ich freue mich auf weitere Einschätzungen zur DEG eurerseits und danke für die tolle Unterhaltung während der Saison. Ein Highlight zum Wochenstart! 🙂

  3. Nun ja, wer, wie ich, bei allen Spielen der Viertelfinale-Serie in Augsburg war und sich auch sonst auf den Rängen und nach Spielende in den Gängen umgehört hat, der kann unseren Kapitän durchaus verstehen.
    Warum fahren Fans 600 km nach Augsburg, um beim Stand von 1:1 nach dem 2. Drittel in Spiel 7 die eigene Mannschaft zu beleidigen? Warum hört man die ganze Saison immer und immer wieder solche Aussagen wie Gurkentruppe, faule Säcke, was spielen die wieder für eine Scheisse?
    Ehrlich, ich kann dieses Gemecker auf den Rängen nicht mehr hören. Wir waren zwei Jahre lang die Lachnummer der Liga. Wir wollten die Playoffa erreichen und so lange wie möglich oben mitspielen. Wir waren bis kurz vor Ende der Hauptrunde auf dem 3. Platz. War das nicht lange genug? Klar wollten dann alle mehr, als Platz 6. Wir sollten uns einfach darauf besinnen, wo wir her gekommen.
    Es wird Zeit, dass wir von dem Roß des Serienmeisters runter kommen. Die gekauften Titel sind über 20 Jahre her.
    Jede Mannschaft beneidet uns um diesen Kapitän. Fragt mal die Augsburger, die neidisch von einem „abgewichsten“ Barta sprechen und dieses bei ihrem eigenen Kaptän vermissen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Next Post

Das bisschen Aufmerksamkeit

Von Donnerstag an (04.04.2019) streiten sich in Finnland zehn Teams um den WM-Titel im Frauen-Eishockey. Obwohl es streng genommen nur zwei sind: Kanada und die USA, die beiden Teams, die seit Jahrzehnten alles dominieren.