Auf- und Abstieg: Ein guter, aber gefährlicher Schritt

DEL und DEL 2 haben sich auf einen Auf- und Abstieg verständigt. Ab der Spielzeit 2020/21 endet ein 17-jähriger Brandherd, der den Sport immer wieder beschäftigt hat. Damit ist aber noch längst nicht alles gut. In den kommenden drei Jahren müssen die Ligen und der Verband genau hinsehen, damit es im Eishockey seriös weitergehen kann.

Das Gute zuerst: Eine sportliche Selbstverständlichkeit in der europäischen Sportlandschaft gilt nun auch wieder für das deutsche Eishockey. Anders als es viele erwartet haben, scheiterte der dritte Anlauf nicht, eine Einigung zwischen erster und zweiter Liga zu finden. Stattdessen gibt es einen Kompromiss. Man darf nämlich nicht vergessen, die DEL-2-Clubs wären eigentlich mit ihren eingereichten Unterlagen für einen Auf- und Abstieg ab der nächsten Saison durchgefallen. Das Stadion der Heilbronner Falken erfüllte nicht alle Kriterien.

Ein sporthistorischer Moment

Aber diese erneute Pleite ist abgewendet, erst in der überübernächsten Spielzeit wird der Letzte aus der DEL ab- und der Meister der DEL 2 aufsteigen. Ein sporthistorischer Moment für den DEB und die Deutschen Eishockey-Ligen. Im Gegensatz zum Fußball scheint dem deutschen Eishockey im Jahr 2018 offenbar mehr zu gelingen. Erstaunlich, dass nach SHN-Informationen 87 Prozent DEL-Clubs der Regel zustimmten. Nur noch zwei Vereine waren nicht restlos davon überzeugt, das Konzept der geschlossenen Liga zu beenden. Vor nicht wenigen Wochen – so munkelte man – war diese Zahl größer.

Mit Recht können die Verantwortlichen sich heute mal auf die Schulter klopfen: Sie haben eine weitere Hauptausrede, nicht mehr Eishockey schauen zu wollen, entkräftet. Polemisch könnte man jetzt sagen: All die, die wegen der geschlossenen Liga meinten, dem Sport nicht mehr folgen zu wollen, können jetzt wiederkommen. Auch wenn die DEG immer noch nicht den alten Leberkäse anbietet und sich weiterhin (mit Recht) vor Ligaspielen an der Brehmstraße drückt. (Womit wir bei anderen Ausreden wären.)

Vorsicht vor unseriösem Aufrüsten

Aber kommen wir zurück zum Ernst der Sache und den Gefahren. Natürlich unken jetzt schon einige, dass der sportliche Aufsteiger dann halt ab 2021 regelmäßig als zu finanzschwach eingestuft wird. Natürlich kann dies passieren – aber vielleicht ist genau deshalb die etwas längere Wartezeit nicht schlecht. In den kommenden beiden Spielzeiten erhalten die DEL 2-Clubs die Möglichkeit, sich wirtschaftlich weiter zu konsolidieren oder vielleicht auch zu wachsen.

Womit wir bei der zweiten Seite des Blattes sind. Eishockey ist halt auch immer Eishockey: Es ist fast schon ein Naturgesetz, dass nicht alle Clubs, die für Auf- und Abstieg sportlich infrage kommen, sich auf seriösen Wegen halten. Die Gefahr des unterfinanzierten Aufrüstens, um 2021 hoch zu können, oder den Absturz zu vermeiden, ist groß. Man stelle sich einen durchgeknallten Mäzen vor, der mit dem Kopf durch die Wand will. Möglich ist alles – wir reden schließlich von Deutschlands größter Unterhaltungsshow, die das Sportfunktionärsgewerbe seit den 1960ern zu bieten hat.

Auswirkungen bis in die Oberliga

Die Gefahr geht selbst bis in die dritte Liga. Clubs wie Rosenheim, Riessersee, Landshut oder Duisburg werden nun versuchen, noch stärker in die DEL 2 zu streben. Wer in drei Jahren in der zweiten Liga dabei ist und vor allem genug Geld hat, der ist mit in der Verlosung. Mit der jetzt beschlossenen Regel drängt die Tilburg-Frage mehr denn je. Was macht man nun mit dem niederländischen Top-Team, das beständig Oberliga-Meister wird, aber nicht aufsteigen darf? Ein Tilburg in der DEL 2 wird mit Sicherheit den schnellen Weg in die erste Liga finden wollen. Jetzt muss die Antwort her, ob man das will.

DEL, DEL 2 und DEB stehen daher arbeitsreiche Jahre bevor. Noch sind ein paar Fragen offen, noch müssen ein paar Gefahren gründlich kontrolliert werden. Hoffen wir, dass sich alle Beteiligten klar sind, dass mit dem Auf- und Abstieg ein Kulturwandel einhergeht. Sonst ist die Tür für die nächsten Skandale ganz weit offen. Und aus dem Wunsch vieler Fans könnte ein erneuter Albtraum werden.

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